Alsdorf - Eine Talkrunde zum Ende des Bergbaus vor 25 Jahren

Eine Talkrunde zum Ende des Bergbaus vor 25 Jahren

Von: Ute Steinbusch
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Engagiert diskutiert: Unser Redaktionsmitglied Katharina Menne (l.) moderierte die Talkrunde im Energeticon unter anderem mit Bürgermeister Alfred Sonders, Elishia Ackaa und Elis-Ece Kaya (Schülerinnen der Gesamtschule Alsdorf) sowie Hans Vorpeil, Ex-Landtagsabgeordneter. Foto: Schaum

Alsdorf. Auf den Tag genau war es 25 Jahre her, dass der letzte Förderwagen die Grube Emil Mayrisch verlassen hatte. Grund genug, diesen historischen Jahrestag in besonderer Form zu würdigen. „Woher kommen wir? Wohin gehen wir?“ war eine Veranstaltung überschrieben, bei der Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule Zeitzeugen befragten.

Geladen waren neben Bürgermeister Alfred Sonders der ehemalige Alsdorfer Stadtdirektor Hans Puchert und der Ex-Landtagsabgeordnete Hans Vorpeil. Es moderierte unser Redaktionsmitglied Katharina Menne. Den musikalischen Rahmen im alten Fördermaschinenhaus gestaltete der Schulchor der Gesamtschule.

Bevor die Talkrunde startete, lief zum Einstieg ein Film von Hans-Peter Thelen, der kurze Ausschnitte verband, die Hans Vorpeil vor 25 Jahren mit der Videokamera aufgezeichnet hatte. Sie zeigten die Kumpels, gefasst, erschüttert, unsicher in die Zukunft blickend, sie zeigten Politiker wie Johannes Rau und Norbert Blüm, die schon mal Ärmel hochkrempeln konnten, um mitzuhelfen, das Kommende zu meistern.

Die Schüler – zwei Mädchen und drei Jungen – wollten es ganz genau wissen: Wie hat man die Herausforderung gemeistert hat, nach dem Ende des Bergbaus Ausbildungs- und Arbeitsplätze zu bieten, nicht nur für die 4200, die allein in Alsdorf arbeitslos geworden waren, sondern auch für die nachfolgenden Generationen?

„Kein einziger hat seinen Job verloren, wenn er nicht wollte“, bekräftigte Hans Vorpeil. Den bis dato EBV-Mitarbeitern wurden Arbeitsstellen zum Teil am Niederrhein oder im rheinischen Braunkohlerevier angeboten.

Hans Puchert nahm den Faden auf: „Der einzelne Bergmann war abgesichert, aber die Region nicht.“ Um Alternativen zu entwickeln, bedurfte es eines Kraftaktes, bei dem auch die Wirtschaftsförderungsagentur Agit und die RWTH Aachen eingebunden wurden. So gründete man in Alsdorf den Industrie- und Gewerbepark IGA und bemühte sich um Ansiedlungen, Letzteres bereits parallel zum Bergbau, als klar war, dass die Zeit der Kohleförderung endlich sein würde.

Doch problematisch gestaltete sich, dass viele Arbeitskräfte, solange der Betrieb noch aufrechterhalten wurde, durch den Bergbau gebunden waren. Puchert hob hervor, dass Alsdorf immer vom Land Nordrhein-Westfalen unterstützt worden und auf offene Ohren gestoßen sei. Die Gesamtschüler, darunter Elishia Ackaa, Nathan Nzuzi, Burak Yildirim, Elif-Ece Kaya und Pascal Stempin, wechselten das Thema.

Wie die Gastarbeiter während der Bergbauzeit bei den Kumpels aufgenommen worden seien, wollten sie wissen. „Bei den Bergmännern galt immer: ‚Wir hängen alle an einem Seil.‘ Eine solche Kameradschaft wie unter Tage hat es sonst selten gegeben.“

Bürgermeister Alfred Sonders fügte hinzu: „Dank des Bergbaus und der Menschen, die darin gearbeitet haben, hat Alsdorf noch heute eine große Vereinsstruktur. In den verschiedenen Vereinen sind sich die Menschen begegnet und haben miteinander Fußball gespielt, musiziert oder Kleingartenpflege betrieben.“

Sonders summierte, dass heute Bürger aus 80 Nationen in Alsdorf leben. Hier hakten die jungen Leute wieder ein: „Wie wird Alsdorf in 20 Jahren aussehen?“ Sonders überlegte nicht lange: „Wir wollen die Familienfreundlichkeit nach vorne bringen.“

Applaus für den Mut der Jugend, ihre Themen mit der Geschichte zu verknüpfen und auf die große Bühne des alten Fördermaschinenhauses zu bringen.

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