Alsdorf - Eine seltene Ehre: 70 Jahre im Kirchenchor

Eine seltene Ehre: 70 Jahre im Kirchenchor

Von: ust
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Festlicher Gottesdienst in St. Cornelius: Vorsitzender Reiner Hamacher ehrt den Ehrenvorsitzenden des Chores, Heinz Merkelbach, für 70 Jahre Mitgliedschaft. Foto: Ute Steinbusch

Alsdorf. Rund anderthalb Jahre ist es her, dass der Leiter des Kirchenchores St. Cornelius Hoengen, Benjamin Schnarr, vorschlug, anlässlich des 125-jährigen Chorbestehens die Krönungsmesse von Mozart aufzuführen.

Das Unterfangen war durchaus gewagt, schließlich kämpft auch der Hoengener Chor mit Personalsorgen, das Durchschnittsalter beträgt 77 Jahre. Doch Schnarr schaffte es gemeinsam mit dem Vorsitzenden Reiner Hamacher, seine Sängerinnen und Sänger für das Projekt zu begeistern. Allwöchentlich am Dienstagabend hat der Chor seither die Krönungsmesse einstudiert. Bis auf wenige Ausnahmen, bei denen kurzfristig für andere Anlässe wie Gold- oder Diamantene Hochzeiten geprobt wurde, stand das Mozart-Werk auf dem Programm.

Jetzt war es nun endlich soweit. Bei einem Festgottesdienst anlässlich seines Jubiläums brachte der Kirchenchor St. Cornelius die Krönungsmesse zur Aufführung, unterstützt durch eine ganze Reihe von Musikern aus den Chören der Pfarre St. Johannes XXIII., des MGV Polyhymnia Mariadorf sowie weiteren Sängerinnen und Sängern ohne feste Bindung. Als Solisten hatte Schnarr Marlies Buchmann (Sopran), Anne Lafeber (Alt), Martin Endrös (Tenor) und Antony Sandle (Bass) gewinnen können. Das Stimmkonzert begleitete das Orchester Sinfonietta Regio e.V. der Stadt Alsdorf, an der Orgel spielte Rudolf Casper.

Es war ein prächtiges Bild, die in schwarz gekleideten rund 50 Sängerinnen und Sänger, die gelbe und rote Schals trugen, um den Kirchenaltar geschart zu sehen. Umso gewaltiger der Eindruck, als diese ihre Stimmen erhoben.

Matinée im Haus Artez

Die Hoengener Kirche war fast komplett gefüllt. Den Geistlichen, die diesen festlichen Gottesdienst zelebrierten, stand dann auch ihre Freude ins Gesicht geschrieben. Pater Gerd Blick ging in seiner Predigt auf das Singen zum Lobe Gottes ein. Er zitierte das Sprichwort „Wer singt, betet doppelt“. Auch in den Fürbitten standen der Kirchengesang und die Zukunftsfähigkeit dieser schönen Beschäftigung im Vordergrund. Pater Blick unterstützten Pater Fritz Siegers und Diakon Matthias Hirn, der eigens aus Karlsruhe angereist war und vormals als Gemeindereferent in Hoengen tätig gewesen war.

Zum Ausklang des Gottesdienstes ehrte Vorsitzender Reiner Hamacher den Ehrenvorsitzenden des Chores, Heinz Merkelbach, für 70 Jahre Mitgliedschaft und durfte dies auch im Namen des Diözesanverbandes tun. „Ein Jubiläum, wie es sicher nicht häufig vorkommt“, hob Hamacher hervor. Pater Blick ließ der Ehrung gleich die nächste folgen: Anlässlich des Jubiläums war er der Überbringer einer weiteren Ehrung durch den Diözesan-Cäcilienverband. Dieser verlieh dem Kirchenchor St. Cornelius die Alkuin-Medaille. Diese erinnert daran, dass die Europäisierung der Kirchenmusik von dem uns benachbarten Aachen ausging.

Nach dem Festgottesdienst lud der Chor zu einer Matinée ins Haus Aretz ein, bei der Bürgermeister Alfred Sonders dem Chor gratulierte und betonte, wie sehr sich alle Beteiligten für das Jubiläumsprojekt engagiert hätten. Neben der inhaltlichen, künstlerischen Leitung hatten sich Karl-Heinz Heinen und Reiner Hamacher intensiv bemüht, einen würdigen Rahmen zu schaffen. Sie investierten viel Zeit und Mühe, die sich schließlich auszahlte. Dank der Spendenbereitschaft Hoengener Bürger und einiger Sponsoren kam eine schöne Summe zusammen, die die Gestaltung des Festes erst ermöglichte.

In einer Festschrift ist viel über die Geschichte des Chores nachzulesen, so etwa, dass er als Männerchor gegründet wurde und erst 1940 „aus der Not heraus“ für Frauen geöffnet wurde. Noch 1960 gab es harte Sitten wie die folgende: „Viermaliges unentschuldigtes Fehlen bedeutet den Ausschluss aus dem Chor.“ Die Autoren der Festschrift fügten unmittelbar hinzu: „Das kann sich heute kein Chor mehr erlauben.“

Zusammenarbeit wird gelobt

Anlässlich der Matinée erwies auch eine große Abordnung Hoengener Vereine dem jubilierenden Chor die Ehre, und auch die Solisten kamen zu Wort. Sie lobten, dass sie selten eine so harmonische und schöne Zusammenarbeit mit einem Chorgefüge erlebt hätten. Letztlich hatten die Sängerinnen und Sänger nur zweimal Gelegenheit gehabt, gemeinsam mit dem Orchester zu proben.

Doch dank der professionellen Vorbereitung von Benjamin Schnarr auf allen Seiten gelang das Wagnis. Schnarr ließ es sich nicht entgehen, nochmals darauf hinzuweisen: „Singen ist nicht uncool! Unsere Chöre pflegen einen großen kulturellen Schatz unseres Landes. Ohne die Chöre würden viele großartige Werke in Vergessenheit geraten.“ Damit es dazu nicht kommt, ist der Kirchenchor St. Cornelius aktiv auf der Suche nach Nachwuchs. Er zählt derzeit 33 Mitglieder.

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