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Eine poetische Seite mit Ernst und Humor

Von: mabie
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Sie nahmen das Kölner Dreigestirn auf den Arm: Sigrid Kerinnis, Achim Großmann von der Kulturstiftung, Bürgermeister Arno Nelles und die Gleichstellungsbeauftragte Silke Tamm-Kanj (v.l.). Foto: Markus Bienwald

Würselen. Eigentlich sind die „Boat People“ Menschen, die vor Verzweiflung kaum einen anderen Weg wissen, als sich in teils sehr fragwürdigen Nussschalen über offenes Meer in Sicherheit zu bringen.

Die Kölner Fotografin Bettina Flitner hat indes für ihre mit gleichem Titel überschriebene Ausstellung, die nun im Alten Rathaus an der Kaiserstraße eröffnet wurde, einen anderen Ansatz gefunden. Bei ihr posieren Menschen in ihrer alltäglichen oder eben gerade nicht alltäglichen Umgebung auf einem Boot mitten auf dem Rhein.

Bei Rodenkirchen, genauer gesagt, wo das zugegebenermaßen original burmesische Boot seit der Idee 2005 mit Kölnern auf dem urrheinischen Gewässer abgelichtet wurde.

30-teilige Serie

Im Rahmen des Weltfrauentages wurde im Alten Rathaus nun die stets querformatige, 30-teilige Reise von gewöhnlichen wie außergewöhnlichen Menschen über das Wasser abgelichtet. Da die Künstlerin selbst gerade für ihr nächstes Projekt im Kongo unterwegs ist, führten Bürgermeister Arno Nelles, Achim Großmann von der Kulturstiftung Würselen, Silke Tamm-Kanj als Gleichstellungsbeauftragte der Stadt und Sigrid Kerinnis vom Alten Rathaus in die wundervolle Ausstellung ein.

Letztere erinnerte an den Ursprung des Bootes, dass den Menschen in Myanmar als mobile Immobilie dient, ein Haus auf dem Wasser, auf dem sie Leben. „Das Fischerboot wurde vom Inle-See in Myanmar mit einem Bus in die Hauptstadt Rangon gebracht und dann per Schiff nach Deutschland geschickt“, erklärte Kerinnis die ungewöhnliche Reise, die nicht nur das Vehikel dieser Kunst hinter sich gebracht hat.

Ungewöhnlich sind auch die Insassen der Boote: da sind Messdiener in ihrer typischen Kluft zu sehen, ein Kölner Dreigestirn schippert im großformatigsten aller hier ausgestellten Werke als letzter Gruß der fünften Jahreszeit zu den Betrachtern herüber und auch ein zugegebenermaßen wenig attraktiv gekleideter Mann mittleren Alters nimmt neben einem lebensgroßen Teddybär die gleiche Sitzhaltung an.

Das alles wirkt auf absurde Weise dem tatsächlichen Dasein in der Metropole entrückt, wie auf einem abgelegenen Meer fotografiert. Dennoch schafft es die Künstlerin, den Menschen gerade so auf seine Lebens- oder Jetzt-Situation zu konzentrieren, schärft den Blick für das Wesentliche oder lässt gerade den Kontrast mit der Wirklichkeit wirken. „Die Arbeit veranschaulicht die poetische Seite der Fotografin, die bei allem Ernst ebenso humorvoll ist“, sagte Kerinnis. Die Ausstellung ist bei freiem Eintritt noch bis Dienstag, 1. April, zu sehen.

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