Eine „Kochshow“ im Seniorenzentrum

Von: nt
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Khoreshe gheyme: Ali Ebrahimi (r.) kochte für die Senioren des St. Josef-Hauses in Alsdorf ein landestypisches Gericht mit Lammfleisch und Kichererbsen. Unterstützt wurde er von Michael Perlhefter. Sabine Heister (l.) war für die Organisation der Veranstaltung zuständig. Foto: Nadine Tocay

Alsdorf. Im Saal des St. Josef-Hauses, einem Seniorenzentrum in Alsdorf, liegt der Geruch von Curry, Zimt und Safran in der Luft. Am Herd steht ein junger Mann, Ali Ebrahimi, und wendet in einer Pfanne kleine Stücke Lammfleisch. Dann gibt er Kichererbsen hinzu und drückt eine Limette darüber aus.

 „Eigentlich kommen in das Gericht getrocknete Limetten rein“, erklärt Ebrahimi den 30 Bewohnern, die sich seine „Kochshow“ ansehen. Aber die seien in Deutschland nur in speziellen Geschäften zu bekommen. Vor zweieinhalb Jahren kam der 19-jährige Afghane als Flüchtling über das Mittelmeer und die Balkanroute nach Deutschland. Jetzt kocht er für die älteren Damen und Herren ein landestypisches Gericht: Khoreshe gheyme.

Vom Berufskolleg organisiert

Organisiert wird das Kochprojekt von dem Berufskolleg Alsdorf, wo Ebrahimi eine Ausbildung zum maschinenbautechnischen Assistenten macht. „So schmeckt Heimat“ lautet das Motto der Aktion, für die die jungen Erwachsenen sich in ihrer Freizeit engagieren. „Wir haben schon seit fünf Jahren eine Kooperation mit dem Seniorenzentrum“, berichtet Sabine Heister, Leiterin des Gesundheitsbereichs des Berufskollegs.

Vor dem Hintergrund der Flüchtlingswelle wolle man den Bewohnern nun die anderen Kulturen näherbringen. „Jeden Tag werden ein oder zwei Schüler nach Originalrezepten Gerichte aus ihrer Heimat zubereiten“, so Heister. Bosnische, ungarische, russische und polnische Gerichte werden im Laufe der Woche noch für die Senioren gekocht.

„Dass die Jugendlichen bereit sind, so etwas für uns zu machen, ist klasse“, findet die Bewohnerin Marita Havertz. Vor einiger Zeit habe es schon einmal so etwas gegeben, da habe man philippinisch gegessen, erzählte sie. Während sie weiter von ihren Erfahrungen berichtet, zerkleinert Ebrahimi die roten Safranfäden in Wasser und löst sie auf.

Jeweils eine kleine Schüssel

Das Wasser färbt sich langsam orange. „Was machst du jetzt?“, hört man jemanden in Publikum rufen. „Jetzt muss alles in Ruhe kochen“, erklärt Ebrahimi. Dann hat der Hobbykoch kurz Zeit, etwas von sich zu erzählen. Er wohne in Aachen in einer kleinen Wohnung, berichtet er. In seiner Freizeit gebe er in der Nähe Schwimmkurse für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge.

„Er ist sehr engagiert“, lobt Heister ihn. Kurz darauf ist das Essen fertig. Mithilfe der Pfleger wird an jeden der Zuschauer eine kleine Schüssel verteilt. Als Beilage zu dem Lamm-Kichererbsen-Gericht gibt es Reis. „Diese Kichererbsen sind etwas gewöhnungsbedürftig“, hört man eine Frau tuscheln. „Für viele hier ist das eine völlig neue Erfahrung“, gibt Klaus Versien vom sozialtechnischen Dienst des Heims zu bedenken. „Wenn wir sowas beim Mittagessen anbieten würden, würde das kaum jemand probieren“, ist er sich sicher.

Aber so scheinen die Meisten sich mit dem fremden Geschmack anzufreunden. „Das haben sie wirklich sehr gut gekocht“, gibt eine der älteren Damen Ebrahimi abschließend mit auf den Weg, und die anderen Bewohner nicken anerkennend.

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