Eine kleine Schule steht ganz stark da

Von: Daniel Gerhards
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Gut gemacht: Drittklässler der Katholischen Grundschule Loverich schnitten bei den landesweiten Mathe-Tests überdurchschnittlich gut ab. Foto: Daniel Gerhards

Baesweiler. Eine ganze Stunde saßen die Kinder über ihren Matheaufgaben. Was die Drittklässler bei den „Vergleichsarbeiten in der Grundschule” (Vera) leisten mussten, war ganz schön fordernd. Die Fragen waren recht abstrakt gestellt und forderten viel logisches Denken von den Acht- bis Neunjährigen.

Die Drittklässler der Katholischen Grundschule Loverich schnitten bei den Mathe-Tests überdurchschnittlich gut ab. Sie schaftten es als einzige Grundschule im Nordkreis unter die besten 50 in Nordrhein-Westfalen.

Diese gute Leistung macht Schulleiterin Gudrun Tribbels „stolz” auf die Leistung ihrer kleinen Schützlinge. „Das hat uns und die Eltern schon gefreut. Es zeigt, dass die Kolleginnen gut arbeiten.”

Die Gründe für das gute Abschneiden? Zum einen ein „gutes Einzugsgebiet”, meint die Schulleiterin. „Zu uns kommen wenige Migrantenkinder”, sagt sie. Außerdem schaffe es die Lovericher Grundschule, die Kinder sehr individuell zu betreuen. Auch in großen Klassen mit teilweise über 30 Kindern falle nie Unterricht aus. „Nach einer Beratung durch die Schulaufsicht haben wir die Klassen mit zwei Lehrern betreut”, erklärt Gudrun Tribbels.

Trotz der Freude über das gute Abschneiden der Lovericher Grundschüler stehe das Lehrerkollegium der Lernstandserhebung sehr grundsätzlich kritisch gegenüber. „Die Geltungskraft der Ergebnisse wird überschätzt”, sagt Tribbels. Die Testergebnisse könnten „nicht für sich sprechen”. Man müsse vielmehr den Kontext, also die Unterrichtsgestaltung an sich, mit berücksichtigen.

Tribbels: „Die Kinder haben eine sehr emotionale Bindung zum Lehrer” - und die entscheide oft über den Lernerfolg. Sind die Ergebnisse also überhaupt vergleichbar? Gudrun Tribbels´ Antwort: Ein klares Nein! Ihr Unmut richte sich dabei gegen das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: „Ich hoffe, dass die Politiker in unserem Land wahrnehmungs- und lernfähig werden, was die Aussagekraft von Vera angeht.”

Zudem sei es für die Lehrer in den Grundschulen sehr schwierig, anhand der Testergebnisse gezielt mit den Kindern zu arbeiten: Der Test finde im Mai in allen dritten Klassen in NRW statt. Die Ergebnisse gebe es aber erst zum neuen Schuljahr. Für die Kinder liege der Test also ein halbes Jahr zurück.

Der Test führe aber dazu, dass Lehrer an Schulen, die schlecht abschneiden, ihren Unterricht auf die Testfragen abstimmen. „Es kann nicht sein, dass testorientierter Unterricht das Leitbild der Schulentwicklung wird”, sagt Gudrun Tribbels.

Da kleine Schulen oft von Schließungen bedroht seien, stünden die Lehrer durch die Tests stark unter Druck. Die Vorbereitung auf den Test drohe mancherorts also wichtiger zu werden als pädagogische Konzepte.

Dennoch: Mit dem guten Ergebnis stellten die Lovericher Drittklässler die Leistungsfähigkeit ihrer kleinen Schule (rund 80 Schüler) unter Beweis. „Ich hoffe, dass das Ministerium erkennt, wie stark eine kleine Schule sein kann”, sagt Gudrun Tribbels.
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