Eine Erinnerung an Gertrud von le Fort

Von: nk
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Eine besondere Hommage: Uwe Postl stellte das Leben und auch einige Werke von Gertrud von le Fort vor. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. Getrud von le Fort ist eine der bedeutendsten deutschen Literatinnen. Doch heutzutage ist das Werk der Erzählerin, Lyrikerin und Essayistin in Vergessenheit geraten. Von le Fort lebte zwischen 1876 und 1971, das sprachgewaltige umfangreiche Oeuvre der Konvertitin hat meist die Kirche und den Glauben als Thema.

Was hätte in der Reihe der „Herzogenrather Montagsgespräche“ also passender sein können als eine literarische Soiree mit Darbietungen ihrer Texte zum Patronatsfest zu Ehren der heiligen Gertrud?

Im HOT von St. Gertrud hatte Rezitator Uwe Postl leichtes Spiel. Er präsentierte ausgewählte Passagen ihrer wichtigsten Romane und Aufsätze unter der Überschrift „Könige müssen vor Dir verwelken“. „Am heutigen Festtag der heiligen Gertrud von Nivelles versteht sich der Abend gleichermaßen als eine Hommage an die große deutsche Dichterin und ihre Namenspatronin“, betonte Gastgeber Pfarrer Dr. Guido Rodheudt.

„Der Papst aus dem Ghetto“

Er erinnerte daran, dass Hermann Hesse die große Schriftstellerin für den Literaturnobelpreis vorgeschlagen hatte. Postl stellte ein kompaktes Portrait der Dichterin vor, in dem auch Auszüge ihrer wichtigsten Romane und Aufsätze zu hören waren, zum Beispiel „Der Papst aus dem Ghetto“, „Das Schweisstuch der Veronika“, „Die letzte am Schafott“ und „Die ewige Frau“. Insbesondere aber mit der Rezitation von le Forts „Hymnen an die Kirche“ gelang Postl eine längere, bewegende und mitreißende Darbietung. Le Fort betonte in dem Werk den Sieg des Glaubens und pointierte damit die Gegnerschaft zum damals herrschenden, nationalsozialistischen Regime. Dabei wird die ganze Bandbreite der Person und des Schaffens der Autorin deutlich.

Als „Streiterin für das ewige Recht, für die ewige Ordnung, für die geheime Schönheit und Harmonie der Welt“ charakterisierte sie einst Carl Zuckmayer, mit dem sie befreundet war. Zeitlebens folgte von le Fort unbeirrt und mutig ihrer religiösen Gesinnung, die sie lebte und die auch ihr Werk dominiert. Die Baronesse le Fort verbrachte einen Großteil ihrer Kindheit auf den mecklenburgischen Gütern ihrer Familie. Bis zu ihrem 14. Lebensjahr wurde sie zu Hause von Privatlehrern und ihrem Vater, einem preußischen Major, unterrichtet.

Die Beschäftigung mit der jahrhundertealten Familiengeschichte weckte ihr Interesse für historische Stoffe. 1908 begann sie ein Universitätsstudium in Geschichte und Theologie, das sie bis zu ihrem 48. Lebensjahr fortsetzte. In Heidelberg, Berlin und Marburg war sie häufig die einzige weibliche Hörerin. Kurz vor ihrem 50. Geburtstag konvertierte die streng protestantisch erzogene Frau zum Katholizismus. Ihre Konversion bedeutete keinen Bruch mit ihrer evangelischen Vergangenheit. Sie strebte vielmehr eine Wiedervereinigung der getrennten Konfessionen an.

In dieser Zeit begann auch ihr literarischer Erfolg. Die Dichterin beschäftigte sich unter anderem mit seit frühester Kindheit mit Gedichten und kleineren Erzählungen über die Natur. Le Fort vertrat stets ihre Meinung, notfalls auch gegen kirchliche und staatliche Interessen. Ihre Kritik an der katholischen Kirche in ihrem Roman Der Kranz der Engel bescherte ihr 1946 manchen Ärger in kirchlichen Kreisen. Ab 1938 waren ihre Werke unter dem NS-Regime unerwünscht. Le Fort erhielt zahlreiche Literaturpreise und Anerkennungen, auch den Stern zum großen Bundesverdienstkreuz. Bis zu ihrem Tod im Alter von 95 Jahren verbrachte sie ihren Lebensabend in ihrer Wahlheimat Oberstdorf.

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