Einbruchsschwerpunkt Kohlscheid: Polizei mit verstärkten Streifen

Von: Beatrix Oprée
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Dieben keine Chance bieten: Die allermeisten Taten in Kohlscheid blieben im Versuchsstadium stecken. Foto: stock/begsteiger

Herzogenrath. Eine ganze Serie an Einbrüchen respektive Einbruchsversuchen hat die Polizei in dieser Woche für Kohlscheid, Merkstein und Niederbardenberg veröffentlicht. Und der „Einbruchradar“, mit dem die Kreispolizeibehörde Aachen auf Geheiß des Landes-Innenministeriums am Mittwoch erstmals im Internet aufwartete, spiegelt auch für den Zeitraum 28. März bis 3. April eine Konzentration derartiger Delikte im Raum Herzogenrath wider.

Gut zu wissen, wo sich Einbrecher getummelt haben – was aber tut die Polizei, um die Wohngegenden wieder sicherer zu machen? Diese Frage stellt sich nicht nur Leser Bernd Schaffrath, der sich besorgt an unsere Redaktion wandte. Gibt es vielleicht auch schon eine Erklärung für die derzeitige Einbrecher-Kumulation in Kohlscheid?, wollte unsere Zeitung ergänzend von der Polizei wissen. „Wir gehen davon aus, dass Kohlscheid nicht dauerhaft ein Schwerpunkt sein wird“, sagt Behördensprecher Paul Kemen.

„Abgebrühte Typen“

Jedoch: Neben dem Autodiebstahl stehe Herzogenrath nun auch wegen der Deliktart Wohnungseinbruchsdiebstahl im Fokus der Fahnder. Der Grenznähe wegen. Kemen: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Täter ins Land kommen und nach der Tat sofort wieder verschwinden.“ Und: „Die kommen einmal und dann nie wieder.“

Will heißen: Im Laufe der vergangenen Jahre hat sich das Täterbild weg vom polizeibekannten Kleinkriminellen aus dem Ort, der Gelegenheiten wie gekippte Fenster nutzt, zu auswärtigen Banden, vielfach aus Osteuropa, gewandelt. Kemen spricht von „abgebrühten Typen, teilweise mit eintätowierter Handynummer“, die, wenn sie ins Netz gehen, eisern schweigen, was Organisationsstrukturen und Mittäter angeht. „Vielfach handelt es sich um arbeitsteilig agierende Gruppen, die abgesetzt werden, ganze Wohnviertel abgrasen, wieder abgeholt werden, um die ‚Ware‘ abzugeben und ein neues Gebiet heimzusuchen.“ Oft seien Kinder dabei.

Nicht alle Tatzeiten eindeutig

Umso wichtiger sei es daher, das eigene Wohnumfeld im Blick zu halten, rät Kemen, denn: „Der beste Einbruchsschutz ist der aufmerksame Nachbar.“ Bisher seien für die jüngsten Taten in Kohlscheid jedoch noch keinerlei Hinweise über verdächtige Beobachtungen eingegangen. Was daran liegen mag, dass diverse Einbrüche von Urlaubsheimkehrern erst verspätet entdeckt worden waren, die Tatzeiten deswegen nicht eindeutig bestimmt werden können.

Am Mittwoch wurden zwei weitere Einbruchsversuche an der Mühlenstraße in Kohlscheid gemeldet. Auch hier waren die Bewohner im Urlaub respektive sogar über Monate nicht im Haus gewesen. Dies und die Tatsache, dass der Großteil der Taten am helllichten Tage verübt wird, spricht laut Kemen dafür, dass die Objekte im Vorfeld ausbaldowert worden sind.

Um zu erkunden, wann die Bewohner zur Arbeit gehen, die Kinder in der Schule sind oder das Haus gar über längere Zeit vakant ist. Kemen: „Es handelt sich zudem um reine Wohngegenden – verdächtige Personen, unbekannte Gestalten, die offensichtlich Informationen sammeln, hätten also auffallen müssen.“

Und genau darum gehe es beim vom Innenminister initiierten „Einbruchradar“, der ab jetzt wöchentlich im Internet veröffentlicht wird. Kemen möchte gar kein Hehl daraus machen, dass diese Schaukarten über die Einbruchsaktivitäten von den Fachkollegen im Aachener Polizeipräsidium durchaus mit Vorsicht beurteilt worden waren. Aber: „Wo wir dieses Instrument jetzt einmal haben, sollten wir das Beste daraus machen.“

Und das bedeutet: Jeden Einzelnen zu sensibilisieren, die Augen offen zu halten, wenn es in seinem Umfeld verstärkte Einbruchsaktivitäten gibt. Denn, so Kemen: „Ohne die Mithilfe der Bevölkerung können wir das Phänomen des Wohnungseinbruchsdiebstahls nicht in den Griff bekommen.“ Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) indes fordert eine personelle Aufrüstung. Vize-Vorsitzender Jörg Radek jüngst: „Das Einzige, was hilft, ist ein hoher Ermittlungsdruck und eine sichtbare Präsenz der Polizei, vor allem in den Wohngebieten und zu bestimmten Tageszeiten.“

Kemen betont denn auch, dass Kohlscheid zurzeit stärker bestreift werde, durch uniformierte und zivile Kräfte. Reagieren könne man jedoch immer nur, wenn sich Schwerpunkte gebildet hätten. So sei es also wichtig, „dass Politik, Gesellschaft, Justiz und Strafverfolgungsbehörden alle rechtlichen Möglichkeiten ausreizen, um diese Problematik gemeinsam wirkungsvoll zu bekämpfen“.

Die vom Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG), Rainer Wendt, jüngst ebenfalls ins Feld geführte mangelnde Kommunikation zwischen den Bundesländern, die es erschwere, Reisebewegungen von Einbrecherbanden nachzuvollziehen, möchte Kemen so nicht bestätigen. Allerdings gebe es bei der Kooperation mit den Behörden im Ausland noch „Luft nach oben“.

Aufklärungsquote über Schnitt

Was vielfach auch an den ebenfalls nur begrenzten Kapazitäten der Polizeien in Belgien oder den Niederlanden liege – und daran, dass die Ermittlungsschwerpunkte nicht deckungsgleich seien: Straftaten, die in den Niederlanden begangen werden, haben für die niederländischen Fahnder eben höhere Priorität als Einbrecher, die in Deutschland tätig waren. Aber man arbeite daran.

Dennoch, auch das betont Paul Kemen: „Im vergangenen Jahr war die Aufklärungsquote der Aachener Polizei mit 19,57 überdurchschnittlich hoch – auch ein Beleg für die gute Arbeit der Ermittler.“

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