Einbahnstraße neben der Wasserrinne: Keine Mehrheit im Fachausschuss

Von: ehg
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Unendliche Geschichte: In Würselen geht die Suche nach einem tragfähigen Verkehrskonzept für die Innenstadt weiter. Foto: Georg Pinzek

Würselen. Ein Ende des Verkehrschaos am Markt ist längst noch nicht in Sicht. In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses feierte das Hickhack um dessen Beendigung weniger sachlich, dafür ab mehr emotional fröhliche Urstände.

Dabei hatte Technischer Beigeordneter Till von Hoegen gemäß einem Antrag der großen Koalition vom 8. Juni 2009 den Vorschlag unterbreitet, „kurzfristig auf dem Markt zwischen Neuhauser Straße und Tittelsstraße eine Einbahnstraße einzurichten”. Doch damit stieß er bei der SPD-Fraktion auf wenig Gegenliebe.

Sie beantragte vor Einstieg in die Tagesordnung, die Beratung über diesen Punkt abzusetzen. Fraktionsvorsitzender Stefan Mix zur Begründung: „Der gestellte Antrag wurde nicht so bearbeitet, wie gewünscht.” Wegen der Wichtigkeit des Sachverhaltes solle der neue Rat entscheiden. Für „eine ergebnisoffene Vertagung” sprach sich auch UWG-Sprecher Theo Scherberich aus. Mit Mehrheit, die zu diesem Zeitpunkt noch gegeben war, wurde der SPD-Antrag abgelehnt.

Bürger werden beteiligt

CDU-Sprecher Balthasar Tirtey vermochte nicht einzusehen, dass über die Ausarbeitung der Verwaltung nicht beraten werden sollte. Schützenhilfe erhielt er vom FDP-Fraktionsvorsitzenden Hans Carduck („Der Zustand muss so schnell wie möglich beendet werden!”) und von der Grünen-Fraktionsvorsitzenden Renate Knauf.

„Wir sehen unsere ursprüngliche Konzeption bestätigt”, meldete sich Tirtey zur Sache selbst zu Wort. Ein Stück Einbahnstraße sei aber zu wenig. „Wir wollen einen kompletten Ring, der Vorfahrt hat.”

Dem hielt SPD-Fraktionsvorsitzender Stefan Mix entgegen, die Verwaltung habe kein schlüssiges Konzept für die Verkehrslenkung am Markt vorgestellt. Nicht übereinander zu bringen sei, dass sich die derzeitige Verkehrsführung bewährt habe, es andererseits aber diverse Probleme gebe. Bevor endgültige Entscheidungen getroffen würden, sollten die nicht wenigen betroffenen Bürger gehört werden.

Einverstanden erklärte er sich damit, dass die Trasse der Sebastianusstraße unmittelbar am Kank und am Pfarrhaus vorbei geführt und dass der Durchgangsverkehr aus Richtung Kaninsberg auf direktem Weg in Richtung Wilhelmstraße/Kreisstraße 30 geleitet werden soll. Da die Rinne am Markt in der nächsten Woche wegen der Aufrüstung der Anlage abgestellt werde, bestehe keine Gefahr mehr für spielende Kinder, so dass die Zeit nicht dränge.

Die CDU sei bei der Kommunalwahl wegen der desolaten Verkehrslenkung in der Innenstadt abgestraft worden, schlug UWG-Sprecher Theo Scherberich Nachwahlkampftöne an. Der Bürger habe sich nicht mitgenommen gefühlt, plädierte auch er für eine neuerliche Beteiligung bei weiteren Entscheidungen.

Der Verwaltungsvorschlag gehe zwar in die richtige Richtung, aber nicht weit genug, stieß Renate Knauf, ohne ihre ursprüngliche Position zu verleugnen, ins CDU-Horn: „Die Sebastianusschleife ist die einzige Möglichkeit, das Verkehrschaos auf dem Markt zu beenden.”

Ohne Einbahnstraßenregelung rund um die Sebastianusinsel gebe es keine befriedigen Lösung, drängte FDP-Sprecher Hans Carduck auf eine schnelle Beendigung der derzeitigen katastrophalen Verhältnisse. Es müsse eine Abgrenzung der Rinne zur Fahrbahn her. Ganz in Frage stellte UWG-Ratsverordneter Hans Göbbels den Wasserlauf.

Tirtey gestand offen ein, von den Bürgern abgestraft worden zu sein, „weil wir vorwärts- und rückwärts entschieden haben”. Deshalb mache er sich nun für eine klare Entscheidung stark. Er pries den Vorzug des Einbahnstraßenrings: „Die Verkehrsteilnehmer brauchen nur eine Verkehrsrichtung im Auge zu behalten”.

Patt bei der Abstimmung

Arno Nelles (SPD), designierter Bürgermeister, hielt der CDU, aber auch der FDP und den Grünen vor, kurz vor Toresschluss noch Fakten im alten Rat schaffen zu wollen. Den Stein des Weisen noch nicht gefunden zu haben, räumte SPD-Fraktionsvorsitzender Mix ein. „Wir brauchen eine Lösung, die langfristig Bestand hat”, betonte er. Willi Kistermann (CDU): „Seit acht Jahren verweigert sich die SPD einer Lösung!” Die Wellen der Emotionen schlugen höher.

Christoph Küppers (SPD) an die Christdemokraten: „Sie wollen etwas mit einer Zufallsmehrheit umsetzen, was sie in zehn Jahren nicht geschafft haben.” Dabei hatte er übersehen, dass es diese vermeintliche Mehrheit gar nicht mehr gab. Bei der Abstimmung sprang ein Patt heraus. Damit war die Sebastianusschleife ein weiteres Mal gestorben. Mit Mehrheit wurde lediglich beschlossen, dass mit dem Verwaltungsvorschlag (Einbahnstraße zwischen Neuhauser Straße und Tittelsstraße) in die Bürgerbeteiligung gegangen werden soll.

Ob an der Wilhelmstraße (Eingang Kleine Offene Tür St. Sebastian), wie von der SPD beantragt, ein Zebrastreifen angelegt werden kann, soll die Verwaltung prüfen.
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