Ein wahres Märchen zum Silberjubiläum

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Er erhielt eine Chance und hat
Er erhielt eine Chance und hat sie gut genutzt: Virgilio Mariano jr. kann seinen eigenen Töchtern nun einen guten Start ins leben bieten.

Herzogenrath. Virgilio Mariano, genannt Jhun, gehörte zu den Ärmsten der Armen und irrte, nachdem seine Familie zerbrochen war, durch die Straßen von Malabon, einem Stadtteil von Manila, der Hauptstadt der Philippinen.

Sein Traum, einmal auf einer Universität zu studieren, schien unerreichbar. Aber auf der Straße hat er auch gelernt, dass er wie ein Pferd arbeiten muss und alle Arten von Schmerz akzeptieren muss, wenn er sein Ziel erreichen will. Doch überall, wo er sich bewirbt, wird er abgewiesen, weil er zu jung ist, weil er keine Diplome vorweisen kann, weil er keine Erfahrung hat. Sein einziger Aktivposten: Er kann stundenlang gehen und stehen. So landet er in einer Fabrik, die Blechdosen herstellt. In der ersten Pause will ihn ein Erwachsener nach Hause schicken: Er solle besser zur Schule gehen und nicht wieder kommen. Jhun erklärt, dass er nur in der Fabrik sei, um zur Schule gehen zu können.

Blutige Hände

Da weist man ihn an, die unfertigen, noch heißen und scharfkantigen Dosen zu sortieren. Seine Hände sind zerschnitten und blutig, aber er macht sogar Überstunden. Er verdient zwei US-Dollar pro Tag und versucht so viel wie möglich zu sparen. Er hungert, aber er weiß, dass er nun schon mehr hat, als die anderen Straßenkinder. Jhun ist nett zu den Menschen, und die geben ihm abgetragene Kleidung, mal zu groß, mal zu klein. Die Kirche wird für ihn ein Platz zum Ausruhen. Hier spricht er mit Jesus und mit Maria, die für ihn die Rolle der leiblichen Mutter einnimmt. Er spricht zu ihr über seine Studienpläne, bittet um Kraft, Mut, Geduld und Freude. Als die Messe beginnt, bleibt er sitzen.

Nach der Messe wird das Stipendien-Programm einer Stiftung, der POP-Foundation (Preferential Option for the Poor, etwa: Die Armen an erster Stelle) vorgestellt. Er sagt sich, dass dies Marias Antwort sei. Er besteht Aufnahmeprüfung und Auswahlgespräch. Während der vier Jahre seines als Student der „Schönen Künste” mit Hauptfach Innenarchitektur erhält er durch die Stiftung finanzielle und moralische Unterstützung.

Die Stiftung bezahlt Studiengebühren, die Bücher und Kunstmaterial. Aber es gibt viele Sonderausgaben, etwa für Ausstellungen, dafür zahlt die Stiftung nicht, versucht aber, Lösungen zu finden. Ihre Mitarbeiter sind wie eine Familie. So kann Jhun nach vier Jahren sein Studium abschließen. Alles in seinem Leben hat sich zum Besseren gewandt: Er muss nicht mehr wie andere Straßenkinder nach kleinen Jobs suchen, gar auf dem Smoky Mountain nach verkäuflichen Müll wühlen oder gar durch Kleinkriminalität elementarste Bedürfnisse stillen. Sein Traum erfüllte sich: Schließlich findet er eine Anstellung als Innenarchitekt bei Pico International in Dubai. Die Firma kümmert sich um Ausstellungen, Innenarchitektur und Events. Inzwischen leitet Jhun die Innenarchitekturabteilung.

Hilfe aus der Region

Wie konnte dies gelingen? Der POP-Foundation steht auf deutscher Seite die Projektgruppe Malabon und Dritte Welt gegenüber.

Hinter dieser verbirgt sich ein gutes Dutzend aktiver Mitglieder aus Übach-Palenberg, Herzogenrath und Baesweiler, die Geld sammeln, um damit und mit der Hilfe philippinischen Freunde seit nunmehr 25 Jahren in Malabon ein Basisgesundheitshaus, ein Schulprogramm für die Ärmsten der Armen und ein Straßenkinderprojekt zu finanzieren und organisieren. Die meisten der Armen wohnen in Slumhütten, die auf Pfählen gebaut sind, da das Brackwasser unterschiedlich hoch steht - eine Brutstätte für Krankheiten. Anfang Oktober wurden die meisten der Hütten durch den Taifun „Nesat” verwüstet oder weggespült.

Jhun hat nicht vergessen, woher er kommt und wem er seine Karriere zu verdanken hat. Jetzt lebt er in menschenwürdigen Verhältnissen und sorgt zudem für die Mitglieder seiner zerbrochenen Familie. Er hilft anderen Menschen, denn er hat gelernt, wie wichtig Solidarität ist. Er weiß, dass er es der Hilfe aus Deutschland verdankt, heute ein gutes Leben führen zu können.

So hat er an den Vorsitzenden der Projektgruppe geschrieben: „Ich habe seit längerer Zeit den Kontakt zu Euch verloren, dennoch ist das, was Euch beseelt, nämlich Gutes zu tun und Menschen zu helfen, in jeder Sekunde in mir lebendig. Ich danke Euch auf verschiedene Weise, durch Gebet, durch Hilfe für andere und durch den Versuch, selbst ein guter Mensch zu bleiben, obwohl es schwierig ist. Ich will ein gutes Beispiel und lebender Zeuge Eures edlen Werkes sein. Ihr mögt das nicht wissen, aber Gott weiß, wie sehr ich Eure Hilfe für mich schätze? Ich verspreche Euch, das beizubehalten, was Euch beseelt, und es mit anderen zu teilen. Gott segne Euch!”

Soliläufe der Gymnasiasten

Dass solche Märchen wahr werden, ermöglicht die Arbeit der kleinen Projektgruppe, die dies aber nur kann, wenn ihr andere helfen, etwa die Schüler des Städtischen Gymnasiums Herzogenrath durch ihre Solidaritäts-Läufe oder Menschen in Übach-Palenberg und Baesweiler, die neue Ideen und Aktivitäten entwickeln, um an Geld und Spenden zu kommen. Jedes Jahr treibt die Gruppe die Sorge um, wie viele Schüler und Studenten sie fördern kann. Es gibt in Malabon noch so viele begabte Kinder, die hoffen und träumen.
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