Ein Vermittler zwischen zwei Kulturen

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
5278164.jpg
Mitten in Alsdorf am Denkmalplatz: Aus der Türkei stammende Bürger leben vornehmlich im Zentrum der Stadt und bestimmen das Stadtbild mit. Chance und Aufgabe zugleich. Foto: Karl Stüber
5278167.jpg
Als Türke unter Deutschen zum deutschen Staatsbürger und Geschäftsführer der SPD Alsdorf-Mitte geworden: Sadi Ünal. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Da hatte doch der SPD-Ortsverein Alsdorf-Mitte tatsächlich die Aufmerksamkeit der türkischen Presse auf sich gezogen. Die Zeitung „Türkiye“ berichtete mit Überschwang von der Vorstandswahl – in Wort und mit Bild. Denn ein gebürtiger Türke wurde als Geschäftsführer in den Vorstand der rund 125 Mitglieder zählenden Parteigliederung gewählt: Sadi Ünal.

Eine Schlüsselposition, die viel Arbeit mit sich bringt. Bei 35 abgegebenen Stimmen erhielt er 32 Ja-Stimmen bei der Versammlung in der Alsdorfer Burganlage. Die türkischen Kollegen schrieben, Sadi Ünal habe auf diese Weise „Stolz und Anerkennung der türkischen Gesellschaft“ geerntet, wie es in der Übersetzung heißt.

Ünal, der zwar in der Türkei geboren worden ist, aber mittlerweile die deutsche Staatsbürgerschaft besitzt, wurde mit den Worten zitiert: „Dass ich als Migrant einen so hohen Anteil der Stimmen erhalten habe, ist für uns Migranten ein großer Erfolg.“ Den Themenschwerpunkt „Integration von Zuwanderern“ werde Ünal weiter verfolgen. „In der Politik ist kontinuierlich die Rede davon, dass Türken nicht integriert seien, obwohl es eine Reihe von erfolgreichen Türken in der Politik gibt“, sagte Ünal weiter.

Insbesondere der Berufsausbildung junger Menschen werde er große Aufmerksamkeit schenken. Sadi Ünal ist in Alsdorf keineswegs unbekannt. Er ist unter anderem ehrenamtlicher Integrationsdolmetscher, nachdem er hierzu eine mehrmonatige Schulung beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) absolviert hatte. Er nahm als ein Gesprächspartner am Stadtgespräch unserer Zeitung und des Fördervereins Stadtmarketing Alsdorf zum Thema „Farbe bekennen – Integration durch Bildung in Alsdorf“ teil (wir berichteten).

Der Stratege der Alsdorfer Genossen, Stadtverbandsvorsitzender Hans-Peter Thelen, hat die Bedeutung von Sadi Ünal erkannt, wie er gegenüber unserer Zeitung deutlich machte. Ein gebürtiger Türke, der nachweislich seinen Weg in der deutschen Gesellschaft macht und Integration vorlebt, wirkt authentisch – und glaubwürdig. Über 20 Jahre nach dem Aus für den Steinkohlebergbau leben noch viele ehemalige Kumpel türkischer Herkunft und ihre Nachkommen in Alsdorf, vor allem in Alsdorf-Mitte. Da kommt einer wie Sadi Ünal gut an, hat seine Kontakte, kann etwas für Alsdorf erreichen – und für die SPD. Warum nicht? Auch anderen Parteien könnten da aktiver werden.

„Wir reden seit 40 Jahren in Deutschland von Integration“, sagt Thelen und bekräftigt, dass man endlich mal konkret werden muss, auch in und mit Personen. Die Wahl Sadi Ünals hat laut Thelen natürlich mit seinen Fähigkeiten zu tun, aber die SPD wollte auch ein Zeichen in Sachen Integration setzen. Sadi Ünal, seit 1993 Mitglied der SPD, ist erst seit den letzten vier Jahren so richtig bei den Genossen aktiv geworden, wie er erzählt. Das Verstehen der jeweiligen Kultur sei notwendig, geht er durchaus selbstkritisch auch mit den eigenen Landsleuten um.

„Wir brauchen keine Superstars“, wirbt Ünal dafür, „wir müssen einfach das Naheliegende tun – und das möglichst gut.“ Es geht also um „Helden des Alltags“. Respekt und Entgegenkommen zwischen Migranten und Deutschen, das ist sein Anliegen. Thelen will der Entscheidung seiner Partei über das Aufstellen von Kandidaten für die Kommunalwahl im nächsten Jahr nicht vorgreifen, sieht aber in Ünal einen guten Anwärter für diese Funktion in Alsdorf-Mitte. Das Thema Migranten und Integration berge viel Potenzial, natürlich auch Wählerpotenzial. Seit jeher fördere die SPD in Alsdorf die Begegnung und den Austausch der Kulturen. Sadi Ünal (47), Maschinenführer bei RWE Power, will gerne Migranten aktivieren, an der Entwicklung Alsdorfs gestaltend teilzunehmen. Er würde gerne zeigen, wie das geht. Man wird sehen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert