Alsdorf - Ein Unterfranke will den Westen der Republik erobern

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Ein Unterfranke will den Westen der Republik erobern

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Alsdorf. Er ist bekannt aus „Fastnacht in Franken“ und „Ottis Schlachthof“: Michl Müller. Auch in seinem aktuellen Programm „Das wollt‘ ich noch sagen“ schwadroniert er wieder gut gelaunt zwischen Kabarett und Comedy und präsentiert dabei einen Marathon durch die Absurditäten des realen Lebens.

Am 31. Mai um 20 Uhr macht er auch Station in der Alsdorfer Stadthalle. Im Vorfeld sprach Holger Bubel mit dem Unterfranken: Ein launiges Gespräch über das Nord-Süd-Gefälle im deutschen Humor.

Wie viel Bayerisch muss ich eigentlich verstehen, wenn ich zu Ihnen in die Show komme?

Müller: Da ich nicht Bayerisch rede, sondern mit fränkischem Einschlag, gar keins.

Einen Unterschied höre ich aber nicht.

Müller: Das geschulte Ohr tut das aber . . . Als Franke möchte man nicht so gerne als Bayer bezeichnet werden. Aber wir Franken können uns untereinander auch nicht leiden – Unterfranken, Mittelfranken, Oberfranken. Da gucken wir schon genau hin. Wir Franken sind komische Menschen.

Und Sie selbst sind ein . . .

Müller: . . . Unterfranke.

OK. Sollte man den „süddeutschen Einschlag“ nachvollziehen können?

Müller: Eine gewisse Affinität wäre womöglich nicht schlecht. Aber selbst in Hannover – wo man ja angeblich Hochdeutsch spricht – konnten die Menschen mich verstehen.

Gibt es denn eigentlich einen regionalen Unterschied in Sachen Humor, ein Nord-Süd-Gefälle?

Müller: Ich dachte auch immer, Humor hängt von der Region ab. Tut‘s aber glaube ich doch nicht. Entweder ein Gag zieht oder er tut es nicht. Aber es hört sich für die Nordmänner und -frauen schon niedlich an, wenn ein Franke über Terrorismus philosophiert.

Terrorismus ist nicht zwingend ein Comedy-Thema. Was sind Sie überhaupt, Comedian oder Kabarettist?

Müller: Keine leichte Frage. Ginge es um Leben und Tod würde ich wohl eher Kabarettist sagen. Aber die Übergänge sind irgendwie auch fließend. Mein Humor ist aber doch schon politisch orientiert, würde ich sagen, bildungs- und altersschichtübergreifend.

Haben Sie humoristische Vorbilder?

Müller: Nun ja, Otto Walkes und Hape Kerkeling muss man da wohl mit aufzählen, zumindest waren die während meiner Schulzeit prägend. Heute bewundere ich zum Beispiel Urban Priol für seine Aktualität und Schärfe. Ich finde in erster Linie Kabarettisten gut, stelle ich gerade fest. Obwohl ich zum Beispiel Atze Schröder live richtig witzig finde.

Täuscht der Eindruck, dass das Kabarett der Comedy den Rang abläuft?

Müller: Scheint mir auch so, dass Kabarett auf dem Vormarsch ist – aber dabei keine großen Fortschritte macht. Es gibt viele gute junge Kabarettisten. Aber die ziehen auch nicht so das Publikum.

Also ist der Markt übersättigt.

Müller: Nein, sie bewegen sich halt im Kleinkunstbereich. Da tritt man vor maximal 200 Leuten auf. Schwer, davon zu leben.

Bei Ihnen dürften mehr Menschen in die Alsdorfer Stadthalle kommen. Kennen Sie eigentlich Alsdorf und die Region?

Müller: Nein. Meinen Sie, es lohnt sich, ein paar Tage früher zu kommen, um sich das alles mal anzuschauen?

Auf jeden Fall. Unser Bürgermeister berichtet gerne, dass Alsdorf jährlich 750 000 Tagestouristen hat . . .

Müller: Das ist ja super. Wie meine Heimatstadt.

Warum zieht es Sie denn eigentlich raus aus dem Süden und hoch in die nördlichen Städte?

Müller: Das ist eine Mission! Nein, ich wollte mal schauen, ob es auch außerhalb Bayerns funktioniert, was ich mache. Ich war schon in Berlin, Düsseldorf, Köln. Da hat‘s geklappt mit den Auftritten. Wenn man jahrelang nur in seiner Heimat unterwegs ist, dann läuft es sich irgendwann tot. Dann muss man gucken, dass man mal rauskommt.

Ist Kabarett in Bayern eigentlich schwieriger oder leichter?

Müller: Naja, wir haben halt die CSU . . . Als Stoiber damals von der bayerischen Bildfläche verschwand, da dachte ich: Oh, mein Gott, wie geht es jetzt mit dem Kabarett weiter? Aber jetzt haben wir den Seehofer, der ist echt noch besser als der Stoiber. Ich denke, dass beantwortet Ihre Frage ganz gut . . .

Was sollten die Besucher Ihrer Show neben einer gewissen Bayerisch-Affinität noch mitbringen?

Müller: Auf jeden Fall Sitzfleisch. Denn das Programm dauert drei Stunden.

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