Ein Treffpunkt mit viel literarischer Feinkost

Von: Christoph Hahn
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Würselen. Unter den Schriftstellern sind sie die Seismographen. Die, die an die Ränder der Sprache gehen, da, wo sich Wörter auf einander schieben, sich berühren und reiben, eine Spannung erzeugen: Lyriker. Die Fachleute für Gereimtes und Ungereimtes haben mit den Tagen der Poesie im Würselener Kulturzentrum einen Fixpunkt.

Alljährlich holt der Würselener Autor Christoph Leisten Kolleginnen und Kollegen zusammen - und das längst nicht nur aus der Region. Nun haben die Tage der Poesie wieder begonnen: Mit der Vorstellung des „Deutschen Lyrikkalenders 2010”, herausgegeben von dem in Brüssel lebenden Pakistani Shafiq Naz in seinem Verlag „Alhambra Publishing”.

Charisma verbindet

Es ist das Charisma des Festival-Initiators, das in Würselen sehr verschiedene Temperamente und Persönlichkeit zusammenführt und bindet. Das wurde beim Auftaktabend mehr als einmal spürbar - schon durch die Art und Weise, wie der Moderator die Gäste aufs Podium des Alten Rathauses holte und sie mit dem Publikum bekannt machte. Der Ton, den Christoph Leisten dabei setzte, zeichnete sich durch eine gewisse Intimität aus.

Der Ton der vorgetragenen Texte zeugte von großer Verschiedenheit. Frank Milautzcki, der - aus Klingenberg in Mainfranken kommend die weiteste Anreise hatte, brachte in der Düvelstadt gar eine Premiere hinter sich: Veröffentlicht, verriet Christoph Leisten, hat Milautzcki seine Gedichte schon oft und seinen Einstand gar in der angesehenen Zeitschrift „Akzente” gefeiert. Aber noch nie hatte der Autor vor Publikum gelesen. Die Lesung in Würselen - wie die der anderen Autoren ein Mix von eigenen und fremden Werken, gepflückt von den Seiten des KalendersÊ- wurde zum überaus gelungenen Einstand. Ein besonderes Zeichen von Originalität: die Collagen aus Klängen und Worten, die Milautzcki von einer CD einspielte. Im Übrigen präsentierte sich seine Poesie ausgesprochen vielschichtig: Bezüge zur Pop-Kultur, dokumentiert durch Wörter wie „chillen”, verbanden sich mit ausgesprochen beschaulichen Gedichten wie „Oktobertag”.

Frank Schablewski, der den Freunden der Poesie-Tage schon aus den Vorjahren bekannt ist, zeichnete sich durch eine ausgesprochene Bildlichkeit seiner Sprache aus - kein Wunder, denn der gebürtige Hannoveraner hat an der Kunstakademie in Düsseldorf studiert. Egal, ob er sein „Vergiß-mein-Ich” schilderte, seine Zuhörer in den Park von Schloss Schwetzingen führte: Das gelesene Wort erzeugte unwillkürlich ein inneres Bild.

„Ich bin hier heute Abend die Quotenfrau”, bekannte die Aachenerin Klara Hurková, die ebenfalls ein fester Faktor des Würselener Festivals ist. Die gebürtige Tschechin begeisterte ihre Zuhörer nicht nur durch eine auf engstem Raum verdichtete Sprache. Ihr Gespür für die Worte erwies sich zudem durch delikate Neuschöpfungen wie „Himmelshaut” - Feinkost fürs Gemüt und den Verstand gleichermaßen.
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