Ein Stadtbild aus lauter alten Postkarten

Von: Stefan Schaum
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Alte Karten, neues Buch: Dr. Ulrich Schroeder präsentiert die Objekte seiner Sammelleidenschaft nun gebündelt in einer ganz besonderen Stadtchronik. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Zärtliche Liebesgrüße hat ein Franzose anno 1918 aus Loverich verschickt. „Süßeste und innige Küsse“ hat er auf einer Ansichtskarte aus dem Dörfchen zu seiner Liebsten in Paris gesandt. Wer der Mann war, weiß Dr. Ulrich Schroeder nicht. Vielleicht ein junger Soldat?

Im Grunde spielt es keine Rolle, denn ihm geht es vor allem um die Motive auf den Vorderseiten der alten Postkarten aus Baesweiler. Die sammelt er leidenschaftlich gern, der ehemalige Lehrer des Baesweiler Gymnasiums. Im Lauf der Jahrzehnte hat er ein postalisches Mosaik der Stadtgeschichte zusammengetragen. Und das gibt es nun als Buch: „Gruß aus Baesweiler“.

Am Mittwoch kamen die Exemplare aus der Druckerei. Ein dicker Band ist es geworden, gut 300 Seiten stark. Etwa so viele Postkarten besitzt Schroeder selbst, aber im Buch sind auch ein paar zu finden, die andere ihm leihweise zur Verfügung gestellt hatten. Es macht ihn immer ein wenig neidisch, wenn jemand ihm eine Karte zeigt, die er nicht hat. „Es muss mehr als 400 rund um Baesweiler geben“, sagt der 71-Jährige. So viele hat er zumindest mittlerweile gesehen und das Ziel ist klar: Er will sie möglichst alle selbst besitzen.

Nach wie vor sieht er sich gern auf Börsen für Postkartensammler um und sucht ganz gezielt nach Baesweiler Karten. Dass die Trefferquote nicht allzu groß ist, versteht sich. Dazu ist sein Sammelgebiet dann doch zu speziell. Die Preise sind allerdings gestiegen, und das kräftig. „Vor zehn, zwanzig Jahren konnte man alte Karten für ein paar Pfennige kaufen. Heute zahlt man locker zehn Euro und mehr dafür.“ Das Internet, so sagt er, habe die Preise empor getrieben. Dort sei zwar vieles zu finden, doch zugleich überbieten die Interessenten einander. Aber wenn er eine passende Karte findet, ist sie ihm auch solch einen Preis wert.

Stolz ist er auf die älteste, von 1898. Von der stammt auch der Titel des Buches, unter dem Spruch „Gruß aus Baesweiler“ sind Lithographien der alten Restauration Jorgas zu sehen, auch der Gasthof Joseph Derichs ist abgebildet. „Die gibt es ja längst nicht mehr“, sagt Schroeder, der solche Karten durchaus als wertvolle Geschichtsquellen betrachtet. Ihm waren sie vor vielen Jahren zunächst mal das: Wegweiser. Ein Baesweiler ist er nämlich nicht, sondern ein gebürtiger Öcher Jung, der später nach Boscheln zog. Doch Lehrer war er nur in Baesweiler, zunächst sechs Jahre lang an der Grengrachtschule, dann 32 Jahre am Gymnasium. „Als ich in der Grundschule ankam, stand im Sachunterricht gleich Heimatkunde auf dem Lehrplan.“ Aber über die Stadt wusste er doch so gut wie nichts, war vor dem Antritt in der Schule kein einziges Mal dort.

„Den Namen Baesweiler kannte ich bloß von einem Bushaltestellenschild in Aachen.“ So ist er am neuen Arbeitsort losgezogen und hat sich rasch ein paar Ansichtskarten besorgt, „damit ich wenigstens wusste, was es dort Sehenswertes gibt und mich zurechtfand“. Für den Unterricht hat es zunächst mal gereicht – und aus seinem notdürftigen Crash-Kurs in Sachen Ortsmarken wurde eine Passion. Für das Buch, zu dem der Gedanke nach seiner Pensionierung vor acht Jahren reifte, hat er all die abgebildeten Gebäude und Brunnen, die Kirchen und Geschäfte genau beschrieben. Viele Anekdoten, Spitznamen von Wirten und Händlern sowie Ortsbeschreibungen finden sich zu den Motiven. Auch mal ein paar Worte zu dem, was auf den Rückseiten steht. Siehe die französische Liebesbotschaft.

Drei Jahre Arbeit hat er investiert und viele Quellen gesichtet. So hat er anhand von Postkarten etwas geschaffen, das es bis dato nicht gab: Ein Heimatbuch, das sich nicht speziell mit einem Baesweiler Ortsteil befasst, sondern mit allen sieben. Denn siehe da: selbst aus dem kleinen Floverich und aus Puffendorf gibt es ein paar alte Ansichtskarten. „Wobei die aus Puffendorf eigentlich immer nur die Kirche zeigen“, wie Schroeder amüsiert festhält. Sei es drum: aus vielen kleinen Schnipseln hat er ein Gesamtbild der Stadt gezeichnet. Und eine liebevolle Hommage an die gute alte Postkarte erstellt, die er selbst gern abschickt. „Wenn wir Urlaub machen, schreiben wir immer einige“, sagt er und seine Frau Lenegret ergänzt: „Und zu Weihnachten dann noch mal mindestens 50 Stück!“

Auch als Boschelener stets mit den besten Grüßen aus Baesweiler. Versteht sich.

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