Ein Plädoyer für die Pflege der Erinnerungskultur

Von: Margret Nußbaum
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Einer von Günter Peslers Lieblingsplätzen in Baesweiler: der Kirchplatz mit der alten Gaststätte Haus Offergeld. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Zahlreiche Veröffentlichungen, etwa die Bücher „Als der Krieg nach Baesweiler kam“ oder „Woher kommen die Baesweiler und Settericher?“ gehen auf sein Konto. Dass Günter Pesler seiner Heimatstadt verbunden ist – daraus macht er keinen Hehl.

„Im Vergleich zu anderen Kommunen im Nordkreis hat Baesweiler für mich die höchste Lebensqualität“, lobt der 50-jährige Polizeibeamte und Geschäftsführer des Geschichtsvereins. Günter Pesler hat zahlreiche Aktionen und Ausstellungen initiiert und referiert regelmäßig über vielfältige, spannende Themen.

Mit der Entwicklung seiner Stadt vom Bergbau über die Zechenschließung in den 1970-er Jahren bis zum stetig wachsenden Gewerbegebiet ist er bestens vertraut. „Für Baesweiler wurde quasi nach der Stilllegung der ehemaligen Grube Carl Alexander das Requiem bestellt. Aber keine der schlechten Prognosen von damals hat sich erfüllt. Dies ist der guten Politik und dem einzigartigen Engagement des Bürgermeisters und seiner Verwaltung zu verdanken“, lobt Pesler.

„Die Einrichtung eines Internationalen Technologie- und Service-Centers (its) Mitte der 1980-er Jahre ist einzigartig in Nordrhein-Westfalen. Und die nach Schließung der Zeche weggefallenen Arbeitsplätze wurden bis heute weit mehr als verdoppelt.“

Wenn Günter Pesler, wohnhaft in der Alexanderstraße in Baesweiler, aus dem Fenster schaut, sieht er das Haus, in dem der Geschichtsverein Räume angemietet hat. Da kann der passionierte Hobby-Historiker mal schnell hinüber gehen und im Archiv Hintergrundmaterial für seine Arbeit suchen.

„Geschichte war schon im Gymnasium Baesweiler mein Lieblingsfach“, sagt Günter Pesler. Ein Gedanke trieb ihn schon damals als Schüler um: In welchem Zusammenhang steht die Geschichte der Bundesrepublik im Kontext zu der in seiner Heimatstadt?

Er erzählt von Auswanderern, die Ende des 19. Jahrhunderts nach Amerika übersiedelten und eigene Kolonien gründeten, etwa in North Dakota. „Auch einige Baesweiler Bürger waren darunter“, weiß Pesler. Dies hat sein Kollege vom Geschichtsverein Werner Offergeld recherchiert.

Auch manches dunkle Kapitel Geschichte hat Günter Pesler aufgeschlagen. „Im jetzigen Bergpark Carl-Alexander gab es im Zweiten Weltkrieg ein Kriegsgefangenenlager. Viele Soldaten aus Russland mussten dort Zwangsarbeit verrichten. Viele sind umgekommen“, hat er herausgefunden.

Darüber wird Günter Pesler am Donnerstag, 1. Juni 2017, in der Gaststätte „Zur alten Schmiede“, Aachener Straße, einen Vortrag halten (siehe Info). Vor allem an der Geschichte des Nationalsozialismus – ist der Hobby-Historiker interessiert. „Es ist ungeheuer wichtig, diese Zeit aufzuarbeiten und mit aller Entschiedenheit vor antidemokratischen Tendenzen in unserer Gesellschaft zu warnen.“

„Wir müssen achtgeben, dass solche Entwicklungen nicht zum Selbstläufer werden. Wenn ein bestimmter Punkt überschritten ist, gibt es keinen Weg mehr zurück, wie es uns die Vergangenheit schmerzlich lehrte. Die häufig gescholtene Erinnerungskultur bedeutet in diesem Zusammenhang Schutz der deutschen Gesellschaft vor gefährlichen Entwicklungen, die uns wieder in die Unmenschlichkeit führen könnten. Sie ist demzufolge keine Belastung, sondern eine Chance für das menschliche Zusammenleben“, sagt er.

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