Ein Masterplan für die Zukunft des MZ

Von: René Benden und Jutta Geese
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medizinisches zentrum bardenberg mz
Zukunft gesichert: das Medizinische Zentrum in Würselen-Bardenberg. Foto: Stefan Schaum
mz bardenberg
Zukunft gesichert: das Medizinische Zentrum in Würselen-Bardenberg. Foto: Stefan Schaum
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Zukunft gesichert: das Medizinische Zentrum in Würselen-Bardenberg. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Der Patient ist zwar noch nicht gerettet, er hat aber am Donnerstag ein deutliches Lebenszeichen von sich gegeben. Das wirtschaftliche angeschlagene Medizinische Zentrums der Städdteregion Aachen (MZ) soll durch einen radikalen Umbau und Investitionen in Millionenhöhe fit für die Zukunft gemacht werden.

Beide Standorte – Marienhöhe und Bardenberg – bleiben bestehen, wenngleich die medizinische Akutversorgung auf Marienhöhe konzentriert wird. Von den rund 1500 Arbeitsplätzen sollen rund 1460 erhalten bleiben, auf betriebsbedingte Kündigungen will die Geschäftsführung des MZ verzichten. Auf diese Schritte hat sich der Aufsichtsrat des Medizinischen Zentrums jetzt geeinigt.

Der Beschluss steht noch unter dem Vorbehalt, dass die Gesellschafterversammlung im September und der Städteregionstag im Oktober den Plänen zustimmen. Das sollte aber eigentlich eine reine Formsache sein. Denn Städteregionsrat Helmut Etschenberg (CDU), derzeit auch Aufsichtsratsvorsitzender des MZ, versicherte, dass die beiden Gesellschafter Knappschaft Bahn See und die Städteregion mit großer Mehrheit hinter dem Beschluss des Aufsichtsrat stünden.

Die Geschäftsführung um René A. Bostelar steht unter immensem Zeitdruck. Das MZ schreibt rote Zahlen. Nicht zuletzt, weil die Fusion des Krankenhauses Marienhöhe und des Knappschaftskrankenhauses in Bardenberg zum Medizinischen Zentrum der Städteregion im Januar 2001 bis auf den heutigen Tag nicht vollständig gelungen ist. Beide Häuser erlauben sich immer noch kostspielige Doppelstrukturen.

Allein die Patiententransporte von einem Standort zum anderen schlagen jährlich mit rund 700.000 Euro zu Buche. Hinzu kommt, dass sich das MZ mit einem stattlichen Investitionsstau in seiner Entwicklung selbst blockiert. Die Ausstattung der Häuser entspricht nicht mehr modernen medizinischen Strandards. Die Summe all dieser Defizite macht den wirtschaftlichen Betrieb des Krankenhauses am hart umkämpften Gesundheitsmarkt unmöglich.

Geschäftsführer Bostelar hat sich mit seinem Masterplan 2018, der das MZ wieder in die Gewinnzone führen soll, durchgesetzt. Kernpunkt dieses Plans: „Wir wollen uns auf den Standort Marienhöhe konzentrieren“, sagte Bostelar am Donnerstag im Rahmen einer Pressekonferenz. Das bedeutet, dass nahezu die gesamte medizinische Infrastruktur in dem gerade erst für 22 Millionen Euro ausgebauten Haus untergebracht werden soll. Auf dem Dach entsteht ein Hubschrauberlandeplatz, um die Notfallversorgung zeitgemäß abwicklen zu können. Weitere 15 Millionen Euro sollen noch in Marienhöhe investiert werden, nicht zuletzt, um angemessene moderne Operationssäle zu bauen. Und auch dem Bedürfnis nach Komfort von Personal, Patienten und Besuchern soll Rechnung getragen werden. Ein neuer Eingangsbereich samt Cafeteria soll gebaut werden. In Summe wird die Anzahl der Betten in Marienhöhe von 406 auf 636 steigen. In Bardenberg schrumpft die Bettenzahl hingegen von 278 auf 116.

Dass der Standort Bardenberg erhalten bleibt, ist wohl auf darauf zurückzuführen, dass man den Würselener Stadtteil Bardenberg nicht seines größten Wirtschaftsfaktors berauben wollte. Deshalb sieht Bostelars Plan einen Kompromiss vor. Die Gynäkologie und die Urologie sollen in Bardenberg zusammengefasst werden. Darüber hinaus sollen auch das Amt für Altenarbeit sowie das Altenseminar der Städteregion und die Schule für Pflege des MZ in Bardenberg ein neues zu Hause finden. Drei Millionen Euro werden in die Bardenberger Einrichtung gesteckt. Somit belaufen sich die Investitionen insgesamt auf rund 40 Millionen Euro.

Und es wird wohl noch die ein oder andere Million hinzukommen. Derzeit wird geprüft, ob die Einrichtungen der Städteregion in das Bardenberger Krankenhaus ziehen, oder ob neu gebaut werden muss. „Nach meinem Gefühl läuft alles auf einen Neubau hinaus“, sagte Städteregionsrat Etschenberg am Rande der gestrigen Pressekonferenz. Würde das sanierungsbedürftige Schwesterwohnheim abgerissen wäre Platz genug. Die Stadt Würselen hat bereits angekündigt, den weiteren Planungen nicht im Weg zu stehen.

Wie effektiv der Umbau und die Investitionen sind und ob das MZ dadurch wieder in die Gewinnzone fährt, müssen die nächsten Jahre zeigen. Die Sanierung wird von nicht unwesentlichem unternehmerischen Risiko begleitet. Ein Großteil der Investitionen ist kreditfinanziert. Und Geschäftsführer Bostelar betonte am Donnerstag noch einmal, wie schwierig das Terrain für Krankenhäuser geworden sei. „Die Länder haben sich aus der Finanzierung weitestgehend zurückgezogen. Es ist politischer Wille, dass wir wie Wirtschaftsunternehmen funktionieren“, sagte Bostelar. Aus diesem Grund sei der nun angelegte Kurs ohne Alternative.

Einigung mit der Belegschaft

Positiv bewertete Etschenberg dabei, dass sich die Belegschaft des MZ hinter den Plan der Geschäftsführer gestellt habe. Das war nicht immer so. Noch vor einem halben Jahr klagten zahlreiche Angestellte in der Pflege über die Pläne Bostelars. Dass sich das nun geändert habe, liege nicht zuletzt an dem Bekenntnis, das Krankenhaus in kommunaler Trägerschaft zu halten, sagte Betriebsrat André Alzer. „Die Übernahme durch einen privaten Träger hätte gewiss tarifliche Konsequenzen und den Verlust vieler Arbeitsplätze bedeutet“, sagte Alzer. Doch Betriebsrat und Geschäftsführung sind sich einig, dass vor der geasmten Belegschaft nun herausfordernde Monate liegen. Denn die interne Neuausrichtung wird die Arbeitsplätze vieler Angestellter nachhaltig verändern.

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