Aachen/Baesweiler - Ein kritischer Blick auf Donald Trump aus der Region

Ein kritischer Blick auf Donald Trump aus der Region

Von: Nina Leßenich
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Das Unternehmertum wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: Steven Hanft mit dem Werbeschild des Geschäfts seines Vaters. Er hatte ein Textilgeschäft in New York. Foto: Nina Leßenich

Aachen/Baesweiler. Woher Steven Hanft kommt, muss er eigentlich nicht erklären. Denn obwohl er inzwischen, nach 21 Jahren in Deutschland, sehr gutes Deutsch spricht: Der breite amerikanische Dialekt verrät den 66-Jährigen sofort. Geboren wurde Hanft in New York City – der Stadt, in der auch der designierte Präsident der Vereinigten Staaten derzeit noch lebt.

Und dass Donald Trump die Wahl um die amerikanische Präsidentschaft tatsächlich gewonnen hat, bereitet Hanft Sorgen.

Hanft kam 1995 von der US-Ostküste in die Kaiserstadt Aachen – der Liebe wegen. Bei einem Geschäftstermin in New York hatte er einige Jahre zuvor seine jetzige Ehefrau kennengelernt, die damals für Akzo Nobel in den Staaten arbeitete. Als die Firma sie 1995 zurück nach Aachen beorderte, packte Hanft die Koffer und folgte ihr.

In den USA war Hanft zunächst Biologie-Lehrer für die Oberstufe, dann mehrere Jahre lang Verkaufs- und Marketingleiter für einen Chemiekonzern. Kurz nach seiner Ankunft in Aachen gründete er die Firma Conusbat, die heute strategische Beratung für Firmen besonders in der chemischen und in der Kosmetikindustrie anbietet. Viele Jahre lang gab Hanft aber auch Trainingsseminare über die amerikanische Businesskultur – unter anderem am Internationalen Technologie- und Service-Center (its) Baesweiler.

Wer sich heute mit Hanft unterhält, merkt schnell: Der groß gewachsene Mann ist politisch sehr interessiert, hat sich viel mit der Arbeit der vergangenen amerikanischen Präsidenten befasst und auch diesen Wahlkampf aufmerksam verfolgt. Das Ergebnis der Wahl jedoch hinterlässt ihn ratlos. „How did we get here?”, fragt sich Hanft. Wie sind wir hier gelandet?

Amerikas politische Zukunft mit Trump als Präsidenten sieht Hanft kritisch. „Ich glaube, wenn wir in vier Jahren zurückblicken, werden wir sehen, dass das großer Unsinn war”, sagt Hanft. Er glaube nicht, dass Trump es schaffen werde, Amerika getreu seinem Wahlmotto „wieder großzumachen”. „Trump wird niemandem helfen”, meint Hanft.

Für ihn bleibe der designierte Präsident nach wie vor ein zweifelhafter Geschäftsmogul – der sich obendrein auch noch mit fragwürdigen Beratern wie beispielsweise Steve Bannon umgebe. Der Macher des Portals „Breitbart News” ist künftiger Chefstratege Trumps – und steht aufgrund seiner ultrarechten Haltung in der Kritik. „Bannon lügt, ist rassistisch und antisemitisch”, findet Hanft. „Das ist gefährlich.”

Das Schlimme sei, so Hanft, dass viele Menschen in den USA „diese Lügen glauben”. Er selbst habe während des Wahlkampfs viele Diskussionen geführt – zum Beispiel mit seiner Cousine aus Phoenix, die Trump gewählt hat. „Wir haben uns darüber unterhalten, aber wirklich diskutieren kann man mit den Anhängern von Trump meist gar nicht”, sagt Hanft. „Wir haben einige Freunde verloren.“

Doch trotz all der Kritik an Donald Trump: Auch von Gegenkandidatin Hillary Clinton, die er per Briefwahl gewählt habe, sei Hanft kein richtiger Fan. „Hillary hat nicht so viel Gefühl für die Menschen wie Obama. Sie ist auch nicht so eine gute Rednerin wie er. Außerdem hat sie bei jedem Auftritt einen neuen Hosenanzug getragen – das kostet viel Geld und geht irgendwie nicht damit überein, dass sie sich auch für arme Menschen einsetzen will”, sagt Hanft und lacht.

Dennoch: „Hillary hat viel Erfahrung, Bill Clinton war ein guter Präsident.“ Und außerdem: „Wenn Hillary mich kennen würde, würde sie vielleicht auch sagen: ‚Mister Hanft, Sie sind nicht mein Geschmack, aber Sie sind trotzdem ein guter Geschäftsführer für Ihre Firma’. So sehe ich das auch. Also habe ich sie trotzdem gewählt.”

Wenn er sich die weltweite Politik anschaue, dann mache er sich Sorgen, sagt Hanft. „Nigel Farage, Marine Le Pen, Wladimir Putin, Viktor Orban, die AfD...”, summiert er. Und fragt dann noch einmal: „How did we get here?”

Was in der Zukunft in den USA passieren werde, könne er nicht vorhersehen, sagt Hanft. „Wir müssen abwarten, was am 20. Januar bei der Amtseinführung passiert.” Und so lange bleibe zumindest noch die Hoffnung, dass alles doch noch gut ausgehe: „Sehen Sie: Mahatma Ghandi hat Millionen Menschen versammelt, Martin Luther King hat Millionen Menschen versammelt”, sagt Hanft. „Meine Botschaft ist also: Don’t give up hope. Keep hope alive.“ Will auf Deutsch heißen: „Gebt die Hoffnung nicht auf, haltet sie lebendig.”

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