Ein Konzept und 200 Kita-Plätze fehlen

Von: Karl Stüber
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In der Summe fehlen nach Stand der Dinge rund 200 Kita-Plätze.

Würselen. „Schockiert“ zeigte sich Eva-Maria Voigt-Küppers (SPD) angesichts der Lücke, die sich bei der Unterbringung von unter und über Dreijährigen im Stadtgebiet Würselen zum neuen Kindergartenjahr ab August auftut. In der Summe fehlen – wie von unserer Zeitung berichtet – nach Stand der Dinge rund 200 Plätze.

Im Jugendhilfeausschuss sagte Voigt-Küppers, die nicht nur Stadtverordnete, sondern auch Landtagsabgeordnete mit Schwerpunkt Soziales ist: „Das hätten wir alle nicht so erwartet. Wir hatten immer im Ausschuss nachgefragt und von der Verwaltung erfahren, dass zwar noch Bedarf zu decken sei, es sich aber gut entwickeln würde.“

Voigt-Küppers schlug auch im Namen des Partners in der großen Koalition, der CDU, einige Möglichkeiten vor, die drohende Lücke möglichst schnell und weitegehend zu schließen. Vorstellbar sei, Notplätze einzurichten und die maximale Gruppengröße von 25 auf 26 oder 27 Kinder zu erhöhen.

„Das setzt aber natürlich die Freiwilligkeit und Kooperation der Träger der Kitas voraus“, sagte sie. Die Stadt Würselen ist Träger von nur vier Einrichtungen, 15 weitere Kitas werden von freien Trägern betrieben. „Da sollten alle näher zusammenrücken.“ Zudem schlug sie „schweren Herzens“ vor, „für einen begrenzten Zeitraum nicht mehr so viele Kinder von außerhalb aufzunehmen“ und dafür die Priorität auf Würselener Heranwachsende zu legen, „um deren Rechtsanspruch zu erfüllen“.

Heißt: Die Stadt soll vermeiden, dass Erziehungsberechtigte für ihre Kinder Plätze einklagen. Zudem, so die Ratsfrau, müsse der Kita-Bedarfsplan der Entwicklung angepasst werden, um in Zukunft erneute Unterdeckung zu vermeiden. Weiterhin könne beispielsweise in einem „schnellen Verfahren“ auf einem „Riesengrundstück“ am städtischen Familienzentrum Heidegarten ein Anbau errichtet werden. Die Stadtverwaltung müsse zudem schauen, in welchen Gebäuden Übergangskindergärten eingerichtet werden könnten.

„Wir sind uns klar darüber, dass Kinder diese Plätze brauchen, weil der Kindergarten der erste Stein in der Reihe der dann folgenden Bildungsstätten ist.“ Zudem müsse dem Aspekt Vereinbarkeit von Familie und Beruf oft schon aus ökonomischen Zwängen entsprochen werden: „In vielen Familien müssen beide Elternteile arbeiten, um über die Runden zu kommen.“ Wichtig sei zudem, in Würselen ein zentrales Anmeldesystem für Kitas zu schaffen, um nicht überrascht zu werden. Auf diese Weise könnten zum Beispiel Mehrfachanmeldungen schnell erkannt werden.

Sylvia Köhne (CDU) ergänzte, dass die Bevorzugung von Würselener Kindern gegenüber Kindern aus anderen Kommunen nur „absolute Notfalllösung sein kann“. Dagegen müsse sich Würselen geradezu glücklich schätzen, dass sich hier so viele junge Familien niederlassen. Seitens der Sachbearbeiterin Svenja Willeke wurde ohnehin klargestellt, dass bereits jetzt schon kaum noch Kinder aus anderen Gemeinden in Würselen aufgenommen werden, also durch einen Stop ohnehin kaum Plätze zu gewinnen seien. „Die Schlacht um Kita-Plätze ist bereits sehr groß geworden.“

Christoph Simon (Grüne) zeigte sich verwundert, dass die Verwaltung mit der Mitteilung, dass 200 Betreuungsplätze fehlten, nicht von sich aus schon ein Konzept vorgelegt habe und nun erst einmal damit beauftragt werden will.

Herbert Zierden vom Fachdienst Schule, Jugend und Soziales, wehrte sich gegen den Eindruck, die Verwaltung hätte zu spät reagiert oder nicht frühzeitig gewarnt. Es habe immer wieder Konferenzen mit den Kita-Trägern gegeben. Zuletzt abgestimmt gewesen waren die Zahlen im Oktober 2015. Es habe eben eine erheblich Zunahme der Kinderzahl gegeben.

Hinzu komme, dass eingeplante Kapazitäten nicht oder nicht rechtzeitig zur Verfügung stehen, so etwa die Erweiterung des AWO-Kindergartens um zwei Gruppen. Gleiches gelte für das Ausbauvorhaben Helleter Feldchen. Auf Nachfrage sagte Zierden, dass die Zahl der Flüchtlingskinder nur sehr schwierig festzustellen sei. Grob geschätzt seien rund 90 Heranwachsende „bis zum Schulalter“ in Würselen untergebracht.

Hier verwies CDU-Sprecherin Köhne auf die Pläne des Bundeskabinetts, ein Sonderprogramm zur Förderung des Ausbaus der Infrastruktur mit Blick auf Flüchtlinge aufzulegen. Auf diese Weise könnten im nächsten Jahr 200 Millionen Euro zur Verfügung stehen. Die Verwaltung, so ihre Anregung, möge prüfen, wie hier schnellstens ein Förderantrag gestellt werden könnte.

Technischer Beigeordneter Till von Hoegen machte deutlich, dass das Fehlen der angesprochenen vier Gruppen nicht den Trägern der entsprechenden Kitas anzulasten sei. Bei dem AWO-Projekt wäre es um fehlende Parkplätze gegangen. Das sei nun gelöst, der Bauantrag klar. Im Helleter Feldchen hätte die Nutzung der alten Schule durch Flüchtlinge dem Ausbauplänen entgegengestanden.

„Spaßbremse Bauordnung“

Grundsätzlich verwies von Hoegen darauf, dass nicht so schnell Kitas in anderen Gebäuden eingerichtet werden könnten – mit Blick auf die „Spaßbremse Bauordnung“. Zudem wurde deutlich, dass mittelfristig ein neuer Kindergarten „nicht aus dem Boden zu stampfen ist“, weil derzeit Grundstücke kaum zu haben oder nicht erschwinglich sind – wegen des Baubooms in Würselen.

Herbert Zierden – danach gefragt, wie es denn um kreative Ideen in der Verwaltung stehe – sagte, dass auch das Aufstellen von Containern denkbar sei. Es folgten Hinweise aus Reihen des Ausschusses auf leerstehende Häuser.

Letztlich soll nun die Verwaltung schnellstens Raum für fünf weitere Kita-Gruppen schaffen und Lösungsmöglichkeiten erarbeiten. Dann soll möglichst noch im August eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschuss hierzu stattfinden.

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