Ein Hauch New York weht durch Alsdorf

Von: Joachim Peters
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Großer Genuss: Den gab es jüngst für Opernfreunde in feinem Ambiente im Cinetower. Foto: Joachim Peters

Alsdorf. Opern-Kenner sehen Star-Sopranistin Anna Netrebko in den Fußspuren der legendären Maria Callas wandeln. Und niemand Geringere als die „Primadonna assoluta” aus Russland war jüngst zu Gast im Alsdorfer Cinetower. Zumindest so gut wie live.

Zwar war sie nicht leibhaftig anwesend, aber aus der Metropolitan Opera in New York zugeschaltet. Im großen Kinosaal machte es Digital-Technik möglich. Betreiber Leo Stürtz hatte weder Kosten noch Mühen gescheut, um die Konzession für eine Live-Übertragung der Oper „Anna Bolena” von Gaetano Donizetti zu erhalten. Was sonst nur in Köln und Düsseldorf - und seit einiger Zeit auch im Aachener Eden-Palast - zu sehen ist, gab es jetzt im Alsdorf: „Oper im Kino”.

Dass an diesem Herbstabend im Cinetower einiges anders war als sonst, war an der Kleidung der in den Tower strebenden Gäste zu sehen: Festgarderobe statt Freizeitlook war angesagt, köstliche Kanapees und gepflegte Weine an runden Stehtischen zwischen Kinovorhang und Sitzreihen stimmten auf das Highlight ein - samt „Happen” von leise-dezent eingespielten Opern-Arien im Hintergrund.

Die Mehrheit der Besucher: Mitglieder des Rotary-Clubs, Nordkreis Aachen, samt Partnern und Familien. Neben dem Genuss der Oper und der Gaumenfreuden kommt dann der Abend auch einem guten Zweck zugute, wie Präsident Thomas Basten bei der Begrüßungsansprache ausführte. Der Erlös der Gala ist für ein Brunnenprojekt in Nigeria bestimmt. 40 000 Liter Wasser sollen nach oben gepumpt werden: eine Lebensnotwendigkeit für 3500 Schulkinder und 2500 Wohnungen im Umland. Basten lobte seinen Rotary-Vorstandskollegen Leo Stürtz, der diesen Abend ermöglicht habe.

Dann mutiert, heiß ersehnt, der gewohnte Kinovorhang zum magischen Opernvorhang. Die prächtige Orchester-Ouvertüre und das Bühnenbild entführen die Besucher in die Welt des englischen Hofes im Jahre 1536, die Zeit des frauenmordenden und prunkenden Königs Heinrich VIII.

Besucher schwelgen beim Anblick der Gewänder und Belcanto-Arien, fiebern und leiden mit der hintergangenen Anna Bolena, verkörpert durch Anna Netrebko. Zum Beispiel Traude Kikull-Stamm. Die Rotary-Vorständlerin mit Wohnsitz Geilenkirchen befindet, dass so ein Ereignis auch auf dem Lande einmal nötig war. „Wir kennen die tollen Met-Aufführungen aus Aachener Kino-Besuchen. Wir waren dadurch ermutigt, so etwas auch einmal in Alsdorf anzugehen”.

Begeisterte Aufnahme findet die Gala auch bei Gästen aus Alsdorfs niederländischer Partnerstadt Brunssum. Der diesjährige Präsident des Rotary-Distrikts Brunssum-Onderbanken, Marcel Dols, resümiert: „Die Oper ist ein global player. Solche Aufführungen laufen im Moment zeitgleich in Alsdorf, Heerlen - und der ganzen Welt. Und wenn wir so eine schöne Atmosphäre speziell hier noch mit einem guten Zweck verbinden können, umso besser!”

Rund 1000 Kilometer sind Rotarier aus der Bretagne auf Einladung ihrer Nordkreis-Freunde nach Alsdorf angereist. An der Spitze der kleinen Delegation: die Rotary-Pastpräsidentin und deutsche Honorakonsulin für die Bretagne, Silviane G. Baker aus Rennes. In perfektem Deutsch fachsimpelt sie mit ihren hiesigen Freuden über die Darbietung. Wenn es emotional wird, bricht bei allen Menschen dann doch die Heimatsprache durch. „Formidable” entfährt es der temperamentvollen kleinen Französin als Fazit des Opern-Besuches wie des gesamten Events im Cinetower.

Dass die Gäste des Kinos inzwischen verinnerlicht haben, dass sie mental in der Oper weilen, zeigt sich an ihrem „Theater-Verhalten”. Nach atemberaubenden Arien von Anna Netrebko, Ekaterina Gubanova (als Anne Boleyns reumütige Rivalin Jane Seymour) und Ildar Abrazakov (als dämonisch-diabolischer König Heinrich VIII.) gibt es richtigen Szenen-Applaus. Schade, dass „Bella Anna” und ihre Künstler-Kollegen das nicht sehen und hören, was gerade im Cinetower geschieht. Sonst hätten sie vielleicht gerufen: „Da capo! Besucht uns wieder in New York!”
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