Alsdorf - Ein dickes Fell bietet Schutz

Ein dickes Fell bietet Schutz

Von: Holger Bubel
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Am Samstag um 14 Uhr in Unterhachingen im Einsatz: Der Alsdorfer Stefan Glasmacher leitet dort das 3. Liga-Spiel gegen Erfurt. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Startschuss für die Bundesliga. Der Ball rollt wieder. Aber nicht nur für die je 22 Akteure zweier Profi-Fußballteams geht es jetzt wieder Woche für Woche rund auf dem Platz. Auch für die Schiedsrichter hat „der Ernst des Lebens” wieder begonnen.

Der 23-jährige Alsdorfer Stefan Glasmacher ist Schiedsrichter im Profifußball. Er ist allerdings bereits seit ein paar Wochen wieder in Sachen Spielleitung unterwegs. Der Jurastudent pfeift Spiele der dritten Liga, die mittlerweile auch profimäßig betrieben wird, Ansetzungen in der 2. Bundesliga hat er mit der Fahne in der Hand an der Seitenlinie.

„Glasmacher kennt kein Pardon”

Als Schiedrichterassisten entscheidet er über Abseits oder Foulspiel, muss also alles das sehen, was dem Schiri entgeht. „Spielleitung macht Spaß”, sagt der Referee, der für Glück-Auf Ofden zur Pfeife greift. Ob das mit dem Spaß auch die Spieler so sehen? „Glasmacher kennt kein Pardon”, titelte das Fußballmagazin „kicker” zum Ende der Hinrunde im vergangenen Jahr. Und: „Vorsicht also ist geboten, wenn Herr Glasmacher zur Pfeife greift.”

Über solche Einschätzungen ärgert sich Stefan Glasmacher nicht einmal mehr. Seit er 14 war - da hat er sich für die Schiedsrichterkarriere und gegen eine Fußballerlaufbahn entschieden - leitet er Spiele. „Ich habe in sechs Spielen sechs rote Karte gezeigt. Man muss die Dinge kritisch aufbereiten. In der Rückrunde waren es dann null Platzverweise.”

Schiris müssen ein dickes Fell haben, und das hat der Alsdorfer sich zugelegt. Beschimpfungen aus dem weiten Rund eines Stadions prallen an ihm ab. „Da haben es die Schiedsrichter auf den Dorfplätzen oftmals schwerer, wenn sie aufbrausenden Zuschauern vis-a-vis gegenüberstehen”, weiß Glasmacher aus seiner Zeit, als er noch im Aachener Raum unterwegs war.

Mittlerweile leitet er Spiele in Rostock, Braunschweig, Burghausen oder Offenbach. Oder aber in den Zweitliga-Städten. „Außer bei der Alemannia natürlich.” Die Daumen drückt der Unparteiische übrigens nur, wenn die Nationalmannschaft aufläuft. Dann fiebert er mit. Aber auch dabei sieht er ein Spiel aus einem ganz speziellen Blickwinkel: „Man guckt, was die Kollegen da auf dem Platz machen, versucht, sich auch das eine oder andere abzuschauen.”

Fehlentscheidungen fallen ihm dabei auch auf. Und die eigenen? „Da hinterfragt man sich natürlich, wenn man nach dem Spiel die Fernsehbilder sieht. Wir arbeiten vermeintliche Schlüsselszenen im Team und mit dem Schiri-Coach auf. Fehler oder Fehleinschätzungen sind halt nicht immer vermeidbar.”

Neben dem genauen Hinsehen und dem Einschätzen von Spielsituationen und -stimmungen braucht ein Schiedsrichter vor allem eine Gabe: Flexibilität im Verein mit einem optimalen Zeitmanagement. „Zwei oder drei Tage vor einem Spiel erfahren wir erst die Ansetzungen. Dann muss die Reise geplant werden.” Für eine Wochenendfreizeitgestaltung ist da nicht viel Raum. „Aber das kennen meine Freunde schon seit zehn Jahren bei mir.”

Wichtig ist ihm aber, sein Studium in Bonn aufgrund seiner Schiedsrichtertätigkeit, die ihn durch die ganze Republik führt, nicht zu vernachlässigen. Das funktioniert sehr gut: „Im kommenden Jahr mache ich das erste Staatsexamen. Da läuft alles nach Plan”, sagt der Student im achten Semester. Ziele hat er aber auch in seinem Hobby, das ganz nebenbei sein Studium finanziert: „2. Liga würde ich gerne pfeifen. Das wird schwer. Nach oben wird die Spitze immer enger.”
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