Alsdorf - Ein Aachen-Krimi, der die Stadt wochenlang in Atem hält

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Ein Aachen-Krimi, der die Stadt wochenlang in Atem hält

Von: Annika Thee
Letzte Aktualisierung:
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Frank Esser schreibt in seinem Arbeitszimmer bereits an seinem sechsten Roman: Seinen ersten Krimi hat er nun veröffentlicht. Foto: Annika Thee

Alsdorf. In seinem kleinen Arbeitszimmer sitzt Frank Esser angestrengt über seinem Laptop. Um ihn herum liegen vollgeschriebene Notizblöcke, bunte Haftnotizen und Bücher, die der Autor für seine Recherche benötigt. Neben dem Schreibtisch liegen die Früchte seiner Arbeit: 50 frisch gedruckte Exemplare seines Debütromans, den er erst vor kurzem selbst veröffentlicht hat.

Esser ist mit dem Roman „Der Racheengel – Ein Aachen-Krimi“ gelungen, eine spannende Verfolgungsjagd zwischen einem Serienmörder und Kommissaren der Aachener Kriminalpolizei darzustellen, die den Leser bis zum letzten Kapitel fesselt.

Der Roman begleitet das Katz-und-Maus-Spiel zwischen den Kommissaren Karl Hansen und Stefan Riedmann und dem Mörder, der die Stadt Aachen wochenlang in Atem hält und seinen Rachefeldzug noch nicht beendet zu haben scheint.

Hauptberuflich ist Autor Frank Esser Industriekaufmann. Mit seiner Frau und einer Tochter lebt der 43-Jährige in Alsdorf. Bis 2003 spielte Esser als Schlagzeuger in der Heavy-Metal-Band Solicitude, mit der er drei CDs veröffentlichte und von einer Plattenfirma unter Vertrag genommen wurde. „Texte habe ich schon immer produziert“, sagt der Autor, damals für die Songs seiner Band. Nach seinem Ausstieg aus der Musik widmete er seine Freizeit ganz dem Schreiben.

Zunächst verfasste Esser Kurzgeschichten, die später in das Manuskript seines ersten Kriminalromans mündeten. „Krimis und Thriller lese ich seit meiner Kindheit gerne. Das Genre hat es mir einfach angetan“, sagt Esser. Besonders beeinflusst haben ihn die Bücher von Sebastian Fitzek. Von ihm habe er versucht, sich einiges von der Kunst des Schreibens abzuschauen. „Aber ich habe auch bewusst versucht, einiges anders zu machen“, sagt Esser.

Als Frank Esser vor zehn Jahren seinen ersten Kriminalroman schrieb, hatte er keinesfalls die Absicht, diesen zu veröffentlichen. Dennoch packte ihn der Ehrgeiz und er versuchte, sich als Schriftsteller weiterzubilden, las Fachliteratur und besuchte Seminare. Vor zwei Jahren holte er den Roman nochmals aus der Schublade und begann, intensiv an dem Manuskript zu arbeiten.

Esser zog einen Lektor zu Rate, schickte mit ihm Entwürfe hin und her, korrigierte, kürzte, schrieb ganze Kapitel um. Zudem bat Esser seine Bekannten, denen er seine Bücher unter falschem Namen zu lesen gab, um ausführliche Kritik. „Sogar vor meinem Vater habe ich geheim gehalten, dass ich Bücher schreibe“, sagt Esser. Auf diese Weise wollte er sicherstellen, objektive Kritik zu erhalten. Die ermutigenden Rückmeldungen ließen Esser dann doch mit der Idee spielen, den „Racheengel“ zu veröffentlichen.

Während Esser an seinen Manuskripten arbeitet, entflieht er dem Alltag. „Wenn die Musik so laut ist, dass ich nichts mitkriege, und ich in meiner eigenen Welt bin, kann ich am besten schreiben. Dann sitze ich schon mal sechs bis sieben Stunden pro Tag am Schreibtisch“, sagt Esser. „Für mich ist das Schreiben ein wichtiger Ausgleich. Neben meinem Beruf pflege ich mit meiner Frau zusammen einen Familienangehörigen. Am Wochenende und im Urlaub kann ich mich dann dem Schreiben widmen“, erklärt der Autor.

In den Phasen intensiven Schreibens kreisen die Gedanken des Autors auch im Alltag immer wieder um seine Romane. „Ich habe ein Diktiergerät neben dem Bett, falls mir nachts eine Idee kommt, und ich benutze Apps auf dem Handy, um mir Notizen zu machen, wenn ich nicht zu Hause bin“, beschreibt Esser seine Arbeitsweise.

Jeder Roman beginne zunächst mit einer einzigen zentralen Idee. „Ich beginne am Ende und entwickle die Geschichten dann zurück“, erklärt Esser. Dem Autor gelingt es auf diese Weise, dass die Handlung seines Debütromans zunehmend komplexer wird, in dem immer neue Charaktere und Tatorte eingebracht werden.

Esser spinnt Verbindungen zwischen Studenten, Zwangsprostituierten aus Osteuropa, Drogendealern, Kommissaren aus Belgien und der Aachener High Society und wechselt mit den Kapiteln auch die Erzählperspektive, so dass der Leser den Kommissaren immer einen Schritt voraus auf der Suche nach dem Täter ist.

Durch den Verzicht auf Ausschmückungen treibt Esser die Handlung schnell voran und schweift niemals von den Ermittlungsarbeiten ab. Damit drängt der Autor die Leser ebenso, wie sich die Ermittler im Roman gedrängt fühlen, möglichst bald den Täter zu stellen, bevor dieser erneut zuschlagen kann.

Doch dieser Schreibstil hat auch Nachteile, denn nur die wichtigsten Details finden Erwähnung, die Handlung wird durch kurze, nüchterne Sätze erzählt, die mehr an einen Bericht, als an einen Roman erinnern und das Vokabular ist einfach gestaltet. „Die Kriminalromane sollen den Leser unterhalten und ein möglichst kurzweiliges Lesevergnügen bieten. Der Roman ist damit auch für Leute geeignet, die sonst nicht so regelmäßig Bücher lesen“, erklärt Esser seinen simplen Schreibstil.

Ein riskanter Schritt

Der nüchterne Schreibstil führt allerdings auch dazu, dass der Leser nur wenige Informationen über die Protagonisten erhält. Dadurch erscheinen die Charaktere des Buches eher flach und klischeebehaftet. „Die Charaktere entwickeln sich im Lauf des Schreibens. Sie werden in den folgenden Romanen immer komplexer“, hält Esser dagegen.

So habe er der Hauptfigur des Romans, dem Kriminalkommissar Karl Hansen, eine Charaktereigenschaft verliehen, mit der der Autor selbst vertraut ist: „Das stark ausgeprägte Bauchgefühl von Hansen kenne ich gut“, gibt Esser zu. Auch, dass der Roman ausgerechnet in Aachen spielt, war kein Zufall. „Ich liebe meine Heimatstadt“, lautet die Erklärung des Autors, der davon ausgeht, dass seine Leser die Stadt genauso gut kennen wie er selbst. Denn auch auf eine ausführliche Beschreibung der Szenerie verzichtet Esser. „Ich befinde mich in einem ständigen Lernprozess und möchte im nächsten Band einiges anders machen“, erläutert der Autor.

Die Veröffentlichung seines Debütromans war für Frank Esser ein riskanter Schritt, da ihn der Druck der Bücher und die Arbeit mit dem Lektor viel Geld gekostet haben – Geld, das er vermutlich durch den Verkauf des Buches nicht wieder einnehmen wird. „Reiner Idealismus“, erklärt Frank Esser mit einem Augenzwinkern, weshalb er sich dennoch für die Veröffentlichung seines Buches entschieden hat.

Mit der Resonanz zufrieden

Das Buch hat der Autor über eine Internetplattform veröffentlicht. „Bei den Verlagen habe ich es erst gar nicht versucht“, sagt Esser. Seine Begründung: „Wir haben als Band mit einer Plattenfirma schlechte Erfahrungen gemacht. Ich wollte nicht, dass sich das mit dem Buch wiederholt.“ Also trug er die Kosten selbst. „Ich musste es einfach versuchen, und bisher bin ich mit dem Feedback der Leser mehr als zufrieden“, sagt der Autor nicht ohne Stolz. Inzwischen liegen vier weitere Manuskripte in seinem Arbeitszimmer, die zentrale Idee für den sechsten Band der Reihe stehe auch schon fest, verrät er.

Parallel dazu habe er vor einigen Wochen begonnen, das zweite Buch aus seiner Kriminalreihe intensiv zu bearbeiten. Sollte das erste Buch weiterhin auf so viel positive Resonanz stoßen, möchte Esser den zweiten Band nächstes Jahr publizieren.

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