Alsdorf - Eigene Skulpturen aus der Zechenzeit entdeckt

Eigene Skulpturen aus der Zechenzeit entdeckt

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
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Ein Hund aus dem Bogen eines Streckenausbaus, Verbindungsschrauben, Kettenschlössern einer Förderkette und einer Streckenverbolzung: Josef Hilgers (r.) hat ihn und fünf weitere Skulpturen auf dem Gelände des Energeticons geschaffen, Werner Sprenker hat sie hergeholt – damals noch ins Bergbaumuseum. Foto: Verena Müller
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Ein Marabu aus einer Pfannenschfel, Pickhammer-Spitze, Rohrschelle und Muttern.
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Eine Eule bestehend aus der Radachse eines Förderwagens, Schlössern eines Kettenförderers und Rohrschellen.

Alsdorf. Eine Zeichnung brauchte Josef Hilgers nicht und er musste auch keine metaphysischen Ebenen bemühen, um seinem kreativen Schaffensakt Gewicht zu verleihen. „So‘n Künstler bin ich nun ooch nit“, sagt der 76-jährige Hoengener und lacht.

 Fast vierzig Jahre ist es her, dass er über Metallschrott gebeugt stand. Mit jedem Teil, das neu in seine Werkstatt kam, kristallisierten sich nach und nach verschiedene Figuren heraus. So wurden etwa aus einer Pfannenschaufel Rücken und Flügel, aus der Pickhammer-Spitze der Schnabel und aus Muttern die Augen eines Marabus.

Zu sehen sind die insgesamt sechs Skulpturen auf dem Außengelände des Energeticons. Hilgers hat sie erst vor kurzem dort wiederentdeckt, als er mit einem seiner acht Enkel die Ausstellung besuchte und seine Tochter (eine der vier) monierte, es sei doch schade, dass nicht der Name des Vaters daran steht. Das soll sich nun ändern. Aber der Reihe nach:

Die einzelnen Teile von Marabus, Hund, Rittern und Eule stammen aus der Grube Maria II, wo Hilgers jahrelang die Materialprüfungen unter Tage vornahm. Was ausgemustert wurde, unterzog Hilgers einer zweiten Prüfung. Neben seiner Arbeit bei der Prüfstelle hatte er sich nämlich privat eine Schlosserwerkstatt eingerichtet. Schlosser hatte Hilgers einst bei der Deutschen Bundesbahn in Jülich gelernt, bevor er zum EBV wechselte. In seiner Freizeit machte er sogar seinen Meister und Schweißfachmann. Er baute Treppengeländer und Wintergärten und eben die Skulpturen aus Maschinenteilen und bergmännischem Gezähe, so der Fachausdruck für Werkzeuge und Arbeitsgeräte der Bergleute.

Die Figuren stellte Hilgers vor seinem Haus an der Hoengener Kirchstraße auf Pfähle. Wer hier vorbeikam, kannte sie. Vorbei kamen auch Josef Kohnen, damals noch Vorsitzender des Bergbaumuseum-Vereins und Werner Sprenker, bis 1983 Leiter der Technischen Abteilung unter Tage – ein Kollege Hilgers‘ also, wenn auch in der Hierarchie mehrere Stufen über ihm. Sprenker hat beispielsweise die Einschienenbahn erfunden, die unter Tage eingesetzt war. Nicht nur in Alsdorf.

Kohnen und Sprenker hatten die Idee, die Skulpturen in das Bergbaumuseum zu holen, wo sie dann auch vor zwanzig Jahren in der Waschkaue aufgestellt wurden. Im Rahmen der Umbaumaßnahmen zum Energeticon verschwanden sie zwischenzeitlich, mit der Eröffnung erhielten sie einen neuen Platz: die Eule am Eingang des Fördermaschinenhauses, der Rest unter dem Dach, wo Bänke zum Pausieren stehen.

Die Skulpturen sind übrigens Unikate. Es kamen keine mehr nach. Die Zeche, wo Hilgers bis zuletzt (Anfang der 90er) gearbeitet hat, ist geschlossen, damit versiegte auch der Materialfluss. Und seine Werkstatt hat Hilgers längst aufgegeben.

Geblieben ist die Begeisterung für Maschinen und das Fachsimpeln übers Tüfteln. Wenn Sprenker (91!) und Hilgers zusammensitzen, wird es recht schnell technisch anspruchsvoll: Welche Entwicklungsschritte Maschinen vollzogen haben, welche Patente Sprenker angemeldet und welche Verbesserungen Hilgers eingebracht hat. Stolz sind beide darauf, dass man das in Teilen im Energeticon nachvollziehen kann. Und bei seiner Bescheidenheit, was die privat angefertigten Skulpturen anbelangt, freut es Josef Hilgers doch, dass sie bald ein Täfelchen mit seinem Namen erhalten. Die nächsten Enkelkinder, die noch nicht das Energeticon besucht haben, können dann vielleicht schon Opas Namen auf einer solchen Tafel lesen.

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