Ehrenamtlicher Hospizdienst im Seniorenwohnheim braucht Verstärkung

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
6999154.jpg
Es darf gelacht werden: Die Ehrenamtlerinnen Jeanine van Elsland (l.) und Anni Bretthauer (stehend r.) sowie die Pflegerinnen Zehla Ostwald (sitzend r.) und Bernadette Hagedorn (2.v.l.) ziehen aus ihrer Aufgabe als Sterbebegleiterinnen auch Kraft für sich selbst. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Nein, so darf man sich das nicht vorstellen, dass die Damen vom Hospizdienst St. Josefshaus mit ständig ernster Miene, Gebete vor sich hinmurmelnd durch die Gänge wandeln und am Bett von Sterbenden betreten die Augen senken und den Herrgott inbrünstig um Aufnahme der heimkehrenden Seelen anflehen.

Wer den ehrenamtlichen, lebenslustigen Sterbebegleiterinnen Jeanine van Elsland und Anni Bretthauer sowie die Pflegerinnen Bernadette Hagedorn und Zehla Ostwald auf den Fluren des Wohnheims St. Josefshaus in Alsdorf-Busch begegnet, sieht schnell, dass die Damen alles andere als mit Bestattermienen ihre Aufgabe erfüllen: „Humor ist wichtig. Es wird viel gelacht. Auch mit den Bewohnern in der Sterbebegleitung“, erzählt etwa Jeanine van Elsland. Der Tod, so sagen die Sterbebegleiterinnen einhellig, ist ein Thema, vor dem man Angst hat – doch durch Lachen entspanne sich die gesamte Gruppe, die derzeit nur noch aus sechs Damen besteht. Da liegt das Problem, sagt Diplom-Pädagoge Klaus Versin: „Wir brauchen Unterstützung bei unserer Aufgabe.“

Der Hospizdienst in dem Seniorenwohnheim ist ehrenamtlich und somit auch kostenfrei für Bewohner und Angehörige. „Dieser Dienst am Menschen kann sehr erfüllend sein“, sagt Versin, „man kann es ausprobieren. Für wen diese Aufgabe nichts ist, der kann ohne ein schlechtes Gewissen zu haben auch wieder aufhören.“

Die Beweggründe, sich auf diese Weise zu engagieren, interessieren erstmal überhaupt nicht. Diese können sehr unterschiedlich sein: „Als meine Eltern gestorben sind, konnte ich nicht bei ihnen sein. Das hat mich sehr traurig gemacht. Ein bisschen arbeite ich das durch meine Arbeit hier auf“, sagt Ehrenamtlerin Jeanine van Elsland. Anni Bretthauer hat 15 Jahre lang ihren Mann bis zum Tod gepflegt: „Jetzt helfe ich alten Menschen, die zum Beispiel keine nahen Angehörigen haben. Deren Dankbarkeit und die Freude, nicht alleine gelassen zu werden in ihrer Sterbesituation, gibt mir ungemein viel.“

Neuester Tratsch über Pfleger

Pflegerin Zehla Ostwald hat selbst monatelang im Koma gelegen, diese Hilflosigkeit hat sie dazu bewogen, anderen Menschen dieses Gefühl zu nehmen. Und wie helfen die Damen den Sterbenden? „Indem wir da sind“, sagt Anni Bretthauer. „Wir erzählen ihnen, was im Haus vorgeht oder vom eigenen Leben. Auch den neuesten Tratsch über die Pfleger. Wenn der Wunsch vorhanden ist, dann beten wir auch mit ihnen.“ Und bei der Beschäftigung mit den Senioren darf durchaus auch einmal gelacht werden. Dem Tod, so haben es die Hospiz-Damen im Seniorenheim festgestellt, schauen viele Bewohner offen ins Gesicht. „Da braucht man gar keine Kontaktängste mit den Sterbenden zu haben. Zumal man auch auf die Aufgabe der Begleitung vorbereitet und geschult wird“, sagt Pflegerin Bernadette Hagedorn. Standardantworten auf viele Fragen in den letzten Stunden gibt es nämlich nicht. Was sollten Interessierte mitbringen, wenn sie im Hospizdienst St. Josefshaus mitwirken wollen? „Drei bis fünf Stunden Zeit in der Woche. Dabei ist jeder herzlich willkommen“, erklärt Klaus Versin. Eine gewisse Lebenserfahrung, sprich Alter, wäre nicht von Nachteil. Und: „Ein offenes Herz, um auch Erfahrungen, die man an sich selbst macht, wirken zu lassen“, sagt Jeanine van Elsland. Übrigens: Auch Männer sind in der Gruppe der Hospizdienstler willkommen. Diese sind bislang noch eine Rarität.

Wer ältere Menschen auf ihrem letzten Weg begleiten, oder sich über den Hospizdienst informieren möchte, der kann das direkt im St.-Josef-Haus in Alsdorf-Busch, Alte Aachener Straße 18 tun. Oder sich telefonisch mit Klaus Versin Telefon 02404/22014 in Verbindung setzen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert