Alsdorf - Ehrenamtliche Betreuung: Begleiterin schafft kostbare Auszeiten

Ehrenamtliche Betreuung: Begleiterin schafft kostbare Auszeiten

Von: Stefan Schaum
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Jetzt wird gespielt: Wenn Sabine Busch zu Besuch bei Auguste Engel ist, liegen oft die Rummikub-Kärtchen auf dem Tisch. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. An der Konzentration mangelt es bei ihr nicht. Wenn Auguste Engel vor ihren „Rummikub“-Kärtchen sitzt, ist sie immer noch eine ernst zu nehmende Gegnerin. Rommé spielt sie schon ihr Leben lang. Doch ihr Gedächtnis ist nicht mehr das, was es mal war.

Fragt man die 78-Jährige, ob sie auch am Dienstag eine Partie gespielt hat, muss sie passen. Sie klopft sich an den Kopf. „Ach, wissen Sie, da oben ist kaum noch was drin...“ Sie lächelt kurz. Dann schaut sie weg.

Die Demenz hat so vieles bei ihr weggefressen. Erinnerungen an ein langes Leben. Was vor vielen Jahren mal da war und was erst ein paar Minuten her ist – es ist verschwunden. Sie weiß, dass in ihrem Kopf nicht mehr alles stimmt. Doch manchmal vergisst sie auch das. Dass sie noch immer in ihrem Häuschen in Begau lebt, ist der Pflege ihrer drei Töchter zu verdanken. Und den Besuchen von Sabine Busch. Sie ist eine Ehrenamtlerin, die sich kümmert, damit Angehörige von Demenzkranken sich kleine Auszeiten gönnen können.

So sitzen Frau Busch und Frau Engel jüngst wieder gemeinsam am Tisch und spielen Karten. Dass die Jüngere dabei oft den kürzeren zieht, kennt sie schon. Seit einem Jahr besucht die 54-Jährige aus Warden die alte Dame in Begau. Sie sind ja beinahe Nachbarinnen. Doch ist ihr Engagement alles andere als normal. Die gelernte Zahnarzthelferin hat drei Kinder, blieb als Mutter lange daheim. Als die Kleinen größer wurden, hat sie sich ehrenamtlich engagiert und für die Caritas Senioren an deren Geburtstag besucht. „Ich bin eine gute Zuhörerin“, sagt sie.

Als sie erfuhr, dass es in Hoengen einen ehrenamtlichen Dienst gibt, um pflegende Angehörige Demenzkranker zu entlasten, war sie gleich dabei. Sechs Jahre ist das her. Bereut hat sie es nie. Sicher: Es gab in der Zeit Begegnungen, Dinge, Gespräche, die ihr ans Herz gingen und vielleicht auch mal an die Nerven. Sie hat auch schon an Gräbern von Menschen gestanden, die sie zuvor besucht hatte. „Aber wirklich belastende Situationen hat es nie gegeben“, sagt sie. „Nicht sehr jedenfalls.“ Denn sie erlebe die von der Krankheit Gezeichneten in der Regel ja nicht so, wie ihre Kinder oder Partner das häufig tun. Diejenigen, die rund um die Uhr da sind und sich dabei womöglich aufreiben. „Ich kann da eher Abstand halten.“

Die Enkel vergisst sie nicht

Ein, zwei Mal pro Woche kommt Sabine Busch zu Frau Engel und bleibt für zwei, drei Stündchen. Sie hat schon manches erfahren aus der Vergangenheit der alten Dame, die sich mitunter ein wenig daran erinnert, dass sie vor vielen Jahrzehnten Verkäuferin in einem Feinkostgeschäft in Mariadorf war. „Auch die Namen ihrer fünf Enkel vergisst sie nie.“ Oft wird es richtig heiter. Und sie mag es, mit Auguste Engel zu spazieren. Lang sind sie selten draußen. So gut ist die Seniorin nicht mehr zu Fuß, ihr wird auch rasch kalt. Doch Spaß haben die beiden, wenn sie so unterwegs sind.

Derweil kann Birgit Engel, die sich die Pflege der Mutter mit ihren Schwestern teilt, sich Zeit nehmen für einen Einkaufsbummel, für einen Frisörbesuch. Für andere Dinge. Oder einfach nur: für sich. „Vor vier Jahren wurde sie vergesslicher“, erinnert sich Birgit Engel an den Beginn der Krankheit, die ihren eigenen Zeitplan zunehmend bestimmte. „Zuerst dachten wir, dass Mama ins Heim muss, aber dann haben wir gewagt, sie daheim zu begleiten.“ Leicht sei das nicht immer. Dass es einen Betreuungsdienst gibt, begrüßt sie sehr. „Wir sind sehr froh, dass wir da Unterstützung haben. Wenn man weiß, dass an ein, zwei Nachmittagen verlässlich jemand da ist, kann man schon ganz anders planen.“ Ob es schwer sei, eine Fremde ins Haus zu lassen? Nein.

Diese Erfahrung hat auch Sabine Busch bislang nicht gemacht. Klar: Zu Beginn beschnuppert man sich ein wenig – und bei den ersten Terminen bleiben die Angehörigen gern in der Nähe. Doch meist ist es so wie bei ihr und Frau Engel. Da saßen die beiden rasch allein am Tisch. Als das Gespräch dann auf das Spielen und Rommé kam, wurden die Karten rausgeholt. Und dabei ist es bis heute geblieben.

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