Durch Höhenmessdaten genauer als das schärfste Auge sehen

Von: mabie
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Vermessungsingenieur Michael Drießen kalibriert das digitale Messequipment genau, um hoch genaue Messdaten zu erhalten. Foto: Bienwald
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Mitarbeiter Daniel Röder muss mit der digitalen Nivellierlatte genau die Messpunkte treffen.

Nordkreis. „Wir haben hier eine Genauigkeit von zwei Hundertstel Millimetern“, sagt Michael Drießen. Er ist Vermessungsingenieur und ist derzeit mit seinen Kollegen Andreas Bruchhage, Marcus Backes und Daniel Röder in Alsdorf, Eschweiler und Herzogenrath unterwegs, um die Höhenmessdaten zu aktualisieren.

Zwei Hundertstel Millimeter: Das ist weniger als die durchschnittliche Dicke eines menschlichen Haares. Mit der früheren Technik, der Nivellierlatte mit aufgedruckten Metermaßen und der Peiloptik, ist das natürlich nicht zu erreichen. Das wäre nicht nur sehr anstrengend, sondern schlicht nicht zu schaffen, da selbst ein trainiertes, gutes Auge nach einiger Zeit beim Messen nicht mehr die nötige Feinleistung erbringen kann.

„Wir arbeiten mit digitalen Messgeräten und ebenso digitalen Nivellierlatten“, erzählt Michael Drießen bei einem Außentermin auf dem Gelände des Anna-Parks in Alsdorf. So ist auf der Latte nur ein Strichcode zu sehen und das früher mit Gesten und langem Blick durch das Okular nötige Peilen erledigt sich heute viel schneller. Und genauer, wenn alle Bedingungen stimmen.

Abweichungen schnell möglich

„Da reichen manchmal schon die Erschütterungen des Straßenverkehrs und die Messungen stimmen nicht mehr“, weiß der erfahrene Ingenieur. Oder auch Regen und Wind, aber auch zu starke Sonneneinstrahlung können das dringend benötigte, hochgenaue Messergebnis verhindern. Wenn es warm genug ist, können Marcus Backes und Daniel Röder die Nivellierlatten noch so genau auf den im Boden eingelassenen Messpunkten aufsetzen.

„Es kommt dann vor, dass der Untergrund, beispielsweise eine Schwarzdecke, leicht einsinkt und die Messungen sind ungenau“, weiß Drießen. Oder die Luft flimmert unter der Hitze und macht so genaue Messungen unmöglich. Und wenn genau das am Ende eines durchaus langen Tages mit vielen Märschen auf vier Kilometer Hinweg und vier Kilometern Rückweg passiert, ist das mehr als ärgerlich. Denn dann landet das im Außendienst durch mühsames Ausrichten, Peilen und Messen gesammelte Datenmaterial unter Umständen im Papierkorb.

Digitale Technik im Einsatz

„Wir müssen einfach zügig und gleichmäßig arbeiten, um Fehler zu minimieren“, zuckt Michael Drießen mit den Schultern. So läuft immer einer der Mitarbeiter zum nächsten Punkt, während der aktuelle Punkt angepeilt und gemessen wird. Das digitale Messkästchen, das in diesem Fall übrigens auf einem zwar alten, aber immer noch gern genutzten Holzstativ sitzt, wird vor der Messung mit zwölf Parametern kalibriert, dann kann der Gang losgehen.

„Das Gerät registriert die Daten dann automatisch und wir machen zur Verfestigung der Datensammlung dann noch Bilder, damit der Messpunkt immer wieder gefunden werden kann“, schließt Drießen. Und so bekommt jeder gemessene Ort einen eigenen Steckbrief mit genauesten Koordinaten wie Lage und Höhe. Doch draußen mit den Geräten unterwegs zu sein, ist nur ein Teil der Arbeit dieser Männer, die augenzwinkernd zugeben, unterwegs immer die besten Imbisse zu kennen. Im Innendienst wird alles vorbereitet und auch aufbereitet.

„Für unsere aktuellen Messungen haben wir eine Vorbereitungszeit von vier Wochen“, ergänzt Diplomingenieur Andreas Bruchhage vom Kataster- und Vermessungsamt der Städteregion Aachen. „Nachdem wir die Strecken bekommen haben, müssen wir überlegen, wie wir die Abstände bei den Nivellierungen wählen, um vor Ort genau und zügig arbeiten zu können“, unterstreicht er.

Unterm Strich stecken so Unmengen von Arbeit in dem Tun der in orangen Westen gewandeten Männer. Aber genau das ist auch nötig, um immer aktuelle Höhenmessdaten zu haben, mit denen dann beispielsweise Bebauungspläne erstellt oder Kanäle perfekt gerechnet werden können.

„Ohne uns geht es nicht“, lächelt Bruchhage, „und alles über Satellit zu machen, geht schon mal gar nicht.“ Denn entgegen der landläufigen Meinung, dass in Zeiten GPS-unterstützter Systeme alles vom Rechner aus zu messen sei, wendet er ein, dass es dafür zu viele Unsicherheitsfaktoren in den nur per Satellit erreichten Ergebnissen gebe.

„Das ist zu ungenau, und manchmal reicht schon ein Baum oder eine Wolke aus, und wir können mit den gesammelten Daten nichts anfangen“, schließt der Fachmann. Zwei Hundertstel Millimeter Genauigkeit fordern eben einen großen Einsatz, auch in modernen Zeiten und mit modernen Geräten, um sich beim Vermessen eben nicht zu vermessen.

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