Dubiose Schreiben prüfen und nicht einfach zahlen

Von: Jessica Küppers
Letzte Aktualisierung:
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Schuldenberaterin Ulrike Ermert (l.) und Leiterin der Beratungsstelle der Verbraucherzentrale in Alsdorf Claudia Schmitz betreuen täglich viele Klienten, die Probleme in finanziellen Fragen haben.

Nordkreis. Wie ein Chamäleon wandeln sich die Abzockmethoden, mit denen die Berater der Verbraucherzentrale in Alsdorf täglich konfrontiert sind. Dubiose Firmen finden ständig neue Hintertürchen, um ahnungslose Verbraucher in eine Schuldenfalle zu locken.

Vor allem mit zweifelhaften Handyverträgen und Krediten haben die Betrüger im vergangenen Jahr versucht, Kasse zu machen. Berater der Verbraucherzentrale wie Schuldnerberaterin Ulrike Ermert können anschließend nur den entstandenen Schaden minimieren. „Manchmal ist das echt frustrierend, weil wir immer nur reagieren können, statt zu agieren“, sagt sie.

Welche Maschen im Einzelnen hinter den Schulden und Inkassobriefen stecken, erfordert von den Beratern akribische Detektivarbeit. Beispielsweise wird auf türkischen Fernsehsendern gezielt mit Kleinkrediten geworben, die beim Abschluss mehrerer Handyverträge möglich sind. Im Gegenzug müssen die Nutzer hohe Gebühren zahlen, die vorher nicht klar ersichtlich sind.

Claudia Schmitz, Leiterin der Beratungsstelle in Alsdorf, sagt: „Aus der Not heraus gehen die Klienten darauf ein, weil sie anders nicht mehr an Geld kommen.“ Wie die Betrugsmasche funktioniert, hat sie schließlich über einen türkischsprachigen Kollegen erfahren, der die Werbung im Fernsehen gesehen hat. „Wenn man nicht gezielt nach solchen Angeboten sucht, findet man sie gar nicht.“ Das mache es für sie zum Teil schwer die jeweilige Methode herauszufiltern.

Solche Fälle werden im Jahresbericht der Verbraucherzentrale Alsdorf dokumentiert. Insgesamt 58 Prozent aller Anfragen fallen demnach in die Kategorie Finanzen. Rund 70 Prozent davon seien Handy-Angelegenheiten, schätzt Ulrike Ermert. Die Nachfrage hält weiter an. Pro Woche kämen mindestens fünf solcher Anfragen rein, sagt sie.

Steht dann eine Kontopfändung an, suchen viele Schuldner Hilfe bei der Verbraucherzentrale. Mit einem Pfändungsschutzkonto, einem sogenannten P-Konto, lässt sich das Guthaben schützen. Die Nachfrage ist in Alsdorf sehr hoch. Woran das liegt, ist auch für die Mitarbeiter der Beratungsstelle ein Rätsel. „Es ist auffällig, dass die Pfändungen der Gläubiger nicht nachlassen“, sagt die Schuldnerberaterin. Das sei selbst dann der Fall, wenn es sich um einen öffentlichen Gläubiger handele.

Ein weiteres Thema, das viele Verbraucher im vergangenen Jahr beschäftigt hat, ist die Berechnung von Entgelten für Kreditbearbeitungen. Grund dafür ist ein Urteil des Bundesgerichtshofes, dass solche Kosten unzulässig sind. „In diesen Fällen war Eile geboten, weil die Frist bis zum 31. Dezember gesetzt war“, sagt Schmitz.

Viele der Themen aus dem vergangenen Jahr bleiben im Jahr 2015 noch aktuell. Doch eines liegt Schmitz in diesem Jahr besonders am Herzen. Sie will den Kontakt zu den Menschen in Herzogenrath intensivieren. Ab September soll es deshalb dienstags im Frauenkommunikationszentrum Beratungstermine in „geschützter Beratungsatmosphäre“ geben.

Grundsätzlich raten die Berater immer dazu, sich erst zu informieren und die Schreiben zu prüfen, bevor gezahlt wird. Dadurch lasse sich der Schaden oft schon eingrenzen, sagt Schmitz. „Es ist schön, wenn von 4000 Euro Schulden am Ende nur noch 400 übrig bleiben.“ Solche Erfolge motivieren das Team zum Weitermachen.

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