Würselen - „Dringendster Handlungsbedarf“: Familien- und Bürgerzentrum in Planung

„Dringendster Handlungsbedarf“: Familien- und Bürgerzentrum in Planung

Von: Karl Stüber
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Bedingt durch den Zuzug von Familien mit Kindern ist der Bedarf an Betreuungsmöglichkeiten stark gestiegen. Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa

Würselen. Eltern werden in Würselen zunehmend Probleme haben, kleine Kinder in Tageseinrichtungen unterzubringen. Und die Stadt wird das gegenüber den Erziehungsberechtigten auch deutlich sagen müssen. Im Jugendhilfeausschuss wurde angesichts alarmierender Entwicklungen dringender bis „dringendster“ Handlungsbedarf konstatiert.

Und das kommt so: Eigentlich ist auch die Bedarfsplanung für Kindertagesbetreuung klar geregelt. Laut Kinderbildungsgesetz ist der Aufgabe der Jugendhilfeplanung vor Ort, wobei die Stadt den Hut auf hat. Es muss festgelegt werden, welche Gruppenformen mit welchen Betreuungszeiten in den Einrichtungen angeboten werden. Das will auch mit den Trägern der Einrichtungen abgesprochen sein.

Aber alle Berechnungen werden über den Haufen geworfen, denn der Zuzug von Familien mit Kindern ist deutlich gestiegen. Bisher verwendete Prognosezahlen entsprechen nicht der tatsächlichen Zuwanderung, „so dass auch die Planung für die nächsten Jahre zum jetzigen Zeitpunkt äußerst unsicher ist“. Die im Fachausschuss vorgelegte Bedarfsplanung beruht noch auf den zum September 2015 in Würselen tatsächlich gemeldeten Kindern und ist längst überholt.

Auf Basis dieser etwa ein halbes Jahr alten Zahlen besteht für die über dreijährigen Kinder bei einer hundertprozentigen Belegungsquote ein Bedarf in Höhe von 1055 Plätzen. Für die unter dreijährigen Kinder „bei einer unterstellten Bedarfsquote von 40 Prozent ein Bedarf von 396 Plätzen“ (279 Kita-Plätze und 117 in der Tagespflege), trug die Verwaltung vor.

Nach Stand der Dinge stehen aber für die älteren Kleinen nur 1038 Plätze in den Tageseinrichtungen zur Verfügung, für die U-3-Kinder gar nur 232. Die Differenz bei den über Dreijährigen will die Stadt durch Überbelegung kompensieren. Bei den unter Dreijährigen will man die Unterversorgung zum größten Teil durch Plätze in der Tagespflege auffangen.

Aber selbst dieses Konzept ist praktisch schon Makulatur, muss doch – siehe oben – mit weiterem „erheblichen Zuzug von Kindern im Elementarbereich gerechnet werden“. Und es kommt noch eine Einschränkung hinzu. Bislang war die Kommune davon ausgegangen, dass der neue Kindergarten der AWO mit vier Gruppen im nächsten Kindergartenjahr bezugsfertig ist, was zwei Gruppen mehr bringt. Darüber hinaus haben die Planer unterstellt, dass die derzeit von der AWO genutzte zweigruppige Einrichtung (ehemals Balbina) weitergeführt wird. Dadurch können weitere zwei Gruppen angeboten werden. Allerdings, so sagte Herbert Zierden vom Jugendamt, werde der neue AWO-Kindergarten nicht rechtzeitig fertig.

Zudem sei noch unklar, ob die beiden Gruppen in der ehemaligen Kindertagesstätte St. Balbina weitergeführt werden können. Und weiter noch: Die unklare Ausbauplanung, so die Verwaltung, ist der Tatsache geschuldet, dass die ursprünglich geplante Einrichtung einer zweigruppigen Kindertagesstätte im ehemaligen Schulgebäude Helleter Feldchen „aufgrund der Flüchtlingssituation“ nicht umgesetzt werden konnte. Zierden: „Wir werden wohl Engpässe haben.“

Da kommen kurzfristig vom Land NRW in Aussicht gestellte Fördermittel gerade recht. Das Sonderprogramm „Hilfen im Städtebau für Kommunen zur Integration für Flüchtlinge“ soll vollständig noch in diesem Jahr ausgeschüttet werden. Dabei geht es nicht nur um den Bau von Kindergärten, sondern auch weiteren Einrichtungen, die der Integration zuträglich sind. Derzeit sind in Würselen 567 Asylsuchende registriert.

Die Stadtverwaltung ist im Rahmen der Antragsfrist (bis 19. Februar) auf den schon anrollenden Zug aufgesprungen und hat schnell ein Projekt zusammengestellt. Das fiel mit einem entsprechenden Antrag der Fraktion der Grünen zusammen, wie es im Ausschuss hieß. Die Stadt hat die Förderung eines Familien- und Bürgerzentrums beantragt, das bis Ende 2018 realisiert werden soll. Es geht um den Bau eines fünfgruppigen Kindergartens in zentraler Lage. Dabei soll der Kindergarten zu einem Familienzentrum „mit Funktion als Bürgerbegegnungsstätte“ ausgebaut werden.

Der Verein „Förderkreis Asyl“ würde sich einbringen. Inklusive Betreuungsmanagement hat das Projekt ein Volumen von 2,57 Millionen Euro. An Eigenmitteln müssten 20 Prozent aufgebracht werden. So weit, so gut. Ansatzpunkt zur Kritik bot die Wahl des Grundstücks. Variante 1 – ein anzukaufendes Grundstück – hat sich laut Verwaltung bereits zerschlagen. Bleibt Variante 2: Hier hat die Stadt in dem Antrag auf Förderung eine Grünfläche an der auslaufenden Realschule (zur Ravelsberger Allee hin) genannt. Begründung: „Dieses Grundstück befindet sich im städtischen Eigentum und erscheint auf Grund der zentralen Lage sehr geeignet.“

Erster Beigeordneter Werner Birmanns verteidigte diese Wahl. Auf Grund der Kürze der Zeit und der Verfügbarkeit von Baugrund sei dies so formuliert worden, um sich nicht die Chance auf Förderung entgehen zu lassen. SPD-Sprecherin Eva-Maria Voigt-Küppers machte geltend, dies erst einmal innerhalb der eigenen Fraktion abklären zu wollen. Zudem wurden Zweifel laut, ob die Grundstückswahl richtig ist. Sylvia Köhne (CDU) verwies darauf, dass es noch nicht sicher sei, dass die Gesamtschule wirklich neu errichtet wird. Der Standort Realschule sei noch nicht aus dem Rennen. Sie schlug vor, gegenüber dem Land einen Nachtrag zu formulieren. Gemäß Förderrichtlinien würde ja auch der Umbau in einem bestehenden Gebäude förderwürdig sein.

Markus Carduck (FDP) regte an, im Fachausschuss noch keine Entscheidung zu treffen und die Angelegenheit an den Hauptausschuss zu verweisen. Ohnehin müsste ja auch noch eine politische Entscheidung gegenüber dem Land Anfang März nachgereicht werden. Ergänzend schlug Voigt-Küppers vor, dass der Jugendhilfeausschuss zumindest den Vorschlag der Verwaltung unterstützen, ja begrüßen soll. So geschah es.

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