Herzogenrath - Dringend gesucht: Platz für junge Biker

Dringend gesucht: Platz für junge Biker

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
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Ole (l.) und Tom zeigen ihre Künste: Die Rampe, auf der sie stehen, ist aus Totholz zusammengebaut und vom Spazierweg aus zunächst gar nicht zu erkennen. Foto: Beatrix Oprée
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Einen Tag später: Das Gelände ist weitläufig abgesperrt und mit Verbotshinweisen versehen.

Herzogenrath. Balanceakte auf dem Hinterrad oder spektakuläre Sprünge – sie beherrschen beides. „Freeride“ und „Downhill“ sind ihre Leidenschaft – Sportarten, hinter denen sich kunstvolle Elemente und rasante Zeitfahrten auf Spezialrädern verbergen.

Ole Denk (14) und Tom van den Berg (15) sind ambitionierte Jungs, Schüler der Europa-Gesamtschule in Merkstein. Offen und aufgeweckt blicken sie in die Welt, auch, was die Gestaltung ihres Hobbys angeht. Das begann richtig interessant zu werden, als sie am Waldrand eine Strecke entdeckten, die alles bot, was man braucht.

Eine richtige „Line“ hatten da Biker in den Hang gebaut: aus Totholz zusammengesetzte Schanzen, in den Boden geformte Kurven und diverse Plateaus. Das Ganze fügt sich harmonisch ein in die Waldlandschaft oberhalb des Erlenbruchs jenseits der Gaststätte „Bergquelle“ und ist für Spaziergänger nur auf den zweiten Blick erkennbar.

Ole und Tom zeigen gerne, was sie drauf haben: Ruckzuck preschen sie den schmalen Pfad nach oben, um sich – selbstverständlich gut behelmt – in Position zu bringen. Ole tritt kräftig in die Pedale, hebt an der ersten Rampe meterhoch ab, landet souverän, hechtet mit Bravour und noch kühnerem Sprung über die zweite Schanze, um geschmeidig in einer Kurve auszufahren. Freund Tom steht dem in nichts nach. Und ehe man sich versieht, stehen beide wieder oben am Ausgangspunkt, mit breitem Grinsen im Gesicht.

Alles könnte so schön sein für die beiden und ihre rund 20 Kumpel – wenn sie sich nicht auf öffentlichem Grund befänden. Mit Spaziergängern habe es zwar noch nie Probleme gegeben: „Wir halten alle, die hier fahren, an, freundlich zu sein und Rücksicht zu nehmen“, beteuern beide glaubhaft. „Manchmal setzen sich Leute sogar zu uns und beobachten, was wir machen!“, erzählen die beiden nicht ohne Stolz. Nur mit einer Bewohnerin des Ortsteils habe es bisher Konflikte gegeben. Oles Vater, Jens Denk, appelliert, Verständnis für die Jugendlichen aufzubringen: „Das sind doch die Steuerzahler von morgen!“

Seit Freitag allerdings jumpen die Bikes nicht mehr in Noppenberg: Rotweißes Flatterband ist weiträumig rund um das Gelände gespannt worden. „Das Betreten und Benutzen der Anlage ist streng verboten. Stadt Herzogenrath – Der Bürgermeister“ heißt es auf laminierten Schildern.

Ob besagte Bewohnerin mittels angedrohter Anzeige den Anstoß gab oder der im Mai gestellte Antrag aus Reihen der Jungs an die Stadt, hier biken zu dürfen, sei dahingestellt – und ist auch irrelevant: Dr. Gerd Krämer, Abteilungsleiter des Gemeindeforstamts Aachen, Revierförster Herbert Koch sowie Vertreter der Stadt Herzogenrath und der Unteren Landschaftsbehörde haben das Gelände nochmals unter die Lupe genommen: „Zunächst einmal“, so stellt der Revierförster auf Anfrage unserer Zeitung fest, „handelt es sich hier um Sachbeschädigung. Es ist verboten, mit dem Rad auf unbefestigten Wegen im Wald zu fahren.“ Die Wurzeln der Bäume würden beschädigt, der Boden zu stark verdichtet. Dazu komme: Herzogenrath, „das waldärmste Gebiet in NRW“, sei Naturwaldgemeinde, rund 80 Prozent der geringen Waldfläche stehen unter Naturschutz oder sind Fauna-Flora-Habitat-Gebiet. Der Rest solle nicht an Interessengruppen aufgeteilt werden. So habe er etwa auch einem Retriever-Verein eine Fläche für Agility-Übungen verweigern müssen. Koch: „Der Wald dient dem Gemeinwohl. Das ist eine gesetzliche Verpflichtung.“ Überdies sei besagtes Gebiet schlichtweg ungeeignet, da zu gefährlich: In den alten Bäumen hänge schweres Totholz, das unvermittelt herunterfalle. Ganz zu schweigen von der Haftungsfrage: Ein Waldbesitzer haftet per Gesetz nur auf befestigten Wegen, wie er im übrigen direkt unterhalb der Anlage verlaufe, „stark frequentiert“. Würde die Stadt die Aufbauten der Jungs aber dulden, unterliege sie der Verkehrssicherungspflicht. Mit unvorhersehbaren Folgen.

„Kein Spielverderber sein“

Noch ist nicht alles verloren: „Ich will kein Spielverderber sein“, sagt Förster Koch. So wolle man mit Alsdorf und Würselen Kontakt aufnehmen auf der „ernsthaften Suche“ nach einem geeigneten Gelände für die Biker. Und Jugendpfleger Oliver Krings sagt zu, über die Streetworker mit den Jungs ins Gespräch zu kommen.

Am Dreiländereck wird am Sonntag ab 11 Uhr derweil eine Anlage des 251 Mitglieder zählenden Vereins Geländefahrrad Aachen eröffnet – im Einvernehmen mit Kommune, Bürgern und Forstamt, wie Vorstandsmitglied Sven Dominik Brachmanski betont: „Es war sehr schwierig, ein geeignetes Gelände zu finden.“ Zum Vertrag mit der Stadt Aachen gehöre, dass der Verein die volle Verantwortung für die Strecke trage. „Wir sind keine Gesetzlosen, die Schäden verursachen.“ Und: „Wir hoffen, dass in Herzogenrath eine ähnliche Sache entsteht, wir wissen, dass das Forstamt es gut meint!“

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