Dreister Einbruch ohne jede Spur von Eile

Von: Stefan Schaum
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Hier sind sie rein: Karl Wesner, Mitglied der Geschäftsführung, zeigt die aufgeschweißte Wand, durch die sich die Täter Zutritt zum Container verschafften. Foto: Stefan Schaum
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In aller Seelenruhe: Gut zwei Stunden lang haben die Einbrecher vor den laufenden Videokameras auf dem Gelände hantiert.

Baesweiler. Die Täter nahmen sich zwei Stunden Zeit, um das Außengelände einer Firma im Baesweiler Gewerbegebiet zu durchsuchen. Bereits vor zehn Monaten wurde dort eingebrochen.

Jürgen Baues weiß Donnerstagmorgen nicht so genau, welches Gefühl gerade überwiegt. Ist er eher wütend? Oder fühlt er sich hilflos? Wahrscheinlich beides. Wahrscheinlich ist er wütend darüber, dass er sich so hilflos fühlt. „Ach“, sagt er, „ich hab‘ einfach die Schnauze voll!“ Denn in der Nacht zum Donnerstag waren Einbrecher auf seinem Firmengelände unterwegs. Schon wieder. „Erst vor zehn Monaten waren welche da.“

Und auch davor, insgesamt schon etliche Male. „Was soll ich denn noch machen, damit ich endlich mal verschont bleibe?“, fragt der Geschäftsführer der Firma SMW-Schaltschrankbau im Baesweiler Gewerbegebiet. „Gar nichts, oder?“

Videokameras hat er installiert und Stacheldraht auf die Zäune gepackt. Gitter hat er vor alle Fenster montiert, nachts erhellen Lampen das gesamte Gelände. Alles für die Katz‘ – denn es hat die Einbrecher nicht davon abgehalten, sich für ihren nächtlichen Beutezug richtig viel Zeit zu nehmen. Ebenso professionell wie dreist sind sie dabei zu Werk gegangen. Dass sie am Ende ohne Diebesgut wieder abzogen, war eher ein Zufall.

Gegen 1 Uhr haben die Überwachungskameras erste Bilder aufgezeichnet, die Baues sich wieder und wieder anschaut und dabei den Kopf schüttelt. Er sieht vier Männer, die ohne große Eile über sein Gelände gehen. Kräftige Kerle sind das, richtige Schränke. Alle in Bomberjacken, Kapuzen über dem Kopf, zusätzlich tragen sie Sturmhauben.

Einen Schweißbrenner haben sie dabei, mit dem sie zunächst Gucklöcher in die Wänder der fünf großen Container schneiden, die auf dem Gelände stehen. Als sie in einem davon lohnenswerte Beute sehen – Metall, dicke Kabel, viele Geräte – brennen sie ein fast mannshohes Loch hinein. Das alles geschieht ohne jede Hast. Einer von ihnen schweißt, die anderen stehen dabei und unterhalten sich.

Ton zeichnen die Kameras zwar nicht auf, aber dass es abgezockte Kerle sind, die offenbar keine Angst vor dem Entdecktwerden haben, versteht der Betrachter auch so. Zudem spricht es Bände, dass die Männer nicht einfach die Türen der Container aufgebrochen haben. Denn dann hätten sie einen Alarm ausgelöst. „Der geht los, sobald die Türen geöffnet werden“, sagt Baues. Vor zehn Monaten hatte genau das die Täter in die Flucht geschlagen. Gut möglich, denkt Baues laut nach, dass es dieselben Männer waren. „Denn die wussten offenbar, dass sie jetzt anders reinkommen mussten.“

Kein Schutz möglich?

Gegen 3.15 Uhr passierte dann etwas, mit dem die Einbrecher nicht gerechnet hatten: Ein Streifenwagen der Polizei fuhr am Gelände vorbei. Eine Routinefahrt, wie Polizeisprecher Paul Kemen Donnerstag auf Anfrage unserer Zeitung sagt. „Die Kollegen haben die Männer gleich gesehen und die Verfolgung aufgenommen.“ Doch durch das Loch im Zaun auf dem Hof, durch das die Täter übers Feld aus Richtung Carl-Alexander-Park hineingekommen waren, waren sie auch im Nu wieder raus.

Auch mehrere hinzugerufene Streifenwagen und der Einsatz von Hunden brachten die Beamten nicht auf ihre Spur. Einen Transportwagen, den die Einbrecher im Lauf ihrer Aktion vom Arnold-Sommerfeld-Ring aus durch das aufgehebelte Tor aufs Gelände gefahren hatten, ließen sie zurück. Das Kennzeichen stammt aus Düren – und ist als gestohlen gemeldet, wie Paul Kemen sagt.

Die Zahl der Einbrüche hat zugenommen – das zeigt auch die jüngst vorgestellte Kriminalitätsstatistik. „Aber das hier war schon ein besonderer Fall“, sagt Paul Kemen. Jürgen Baues sagt es anders: „Das ist einfach eine Sauerei! Kann man sich denn gar nicht mehr schützen?“ Die Container muss er nun reparieren, den Zaun ebenfalls. Dafür hat er einen Schneidbrenner, denn den ließen die Täter ebenfalls zurück. Aber ein Trost ist das nicht. „Ich bin einfach fertig.“

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