Nordkreis - „Dreiste Abzocke“ mit Online-Branchenbuch-Einträgen

„Dreiste Abzocke“ mit Online-Branchenbuch-Einträgen

Von: Holger Bubel
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Wer einen solchen Brief bekommt, sollte aufmerksam sein. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. „Das ist schon kackedreist.“ Der Alsdorfer Rechtsanwalt Achim Schmitz nimmt kein Blatt vor den Mund bei der Einschätzung eines Schreibens, das ihm seine Mitarbeiterin vorgelegt hat. Man beachte: Der Mann ist Jurist. Selbst davor schreckt aber der Absender, ein Branchenbuchverlag aus Nürnberg, nicht zurück.

In dem Brief werden die Empfänger – ausschließlich Unternehmen, Selbstständige, Institutionen, Behörden, Vereine und Verbände – gebeten, zur Aufnahme in ihr regionales Branchenbuch (im vorliegenden Fall Alsdorf) „im Rahmen einer Aktualisierung im Online Branchenbuch... die Richtigkeit und Vollständigkeit (der) gespeicherten Daten zu prüfen und gegebenenfalls zu vervollständigen“.

Natürlich sind die Angaben nicht vollständig. Und kommt der Empfänger der Aufforderung mit dem beigefügten Formular nach, wird aus einem scheinbar kostenlosen Eintrag ein kostenpflichtiger – der sich gewaschen hat: Das Kleingedruckte verkündet das erkleckliche Sümmchen von 1548 Euro jährlich, zuzüglich der gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Mit dem unterschriebenen Formular schließt der Unterzeichner einen Vertrag über zwei Jahre ab, macht satte 3100 Euro plus Mehrwertsteuer, die der Branchen-Inserent besser investieren könnte.

Rechtsanwalt Schmitz jedenfalls ist sauer und möchte andere Empfänger des auf den ersten Blick seriös anmutenden Schreibens warnen: „Wie schnell hat man im Tagesgeschäft den Wisch ausgefüllt und unterschrieben, wenn die diensteifrige Sekretärin einem die Unterschriftenmappe vorlegt.“

Auch Claudia Schmitz von der Verbraucherzentrale für den Nordkreis ist empört angesichts der „dreisten Abzockermethode“. „Gewerbetreibende gehören nicht zu unseren Kunden, aber Kleinstgewerbetreibenden oder Freiberuflern, die jede Möglichkeit zu werben nutzen, kann das richtig weh tun.“

Claudia Schmitz rät bei Unterzeichnung des Aktualisierungsbogens zum Gang zur Handwerkskammer oder Industrie- und Handelskammer, die prüfen können, ob und wie rechtlich gegen das Gebaren des Online-Branchenbuch-Verlages vorgegangen werden könne. Ein 14-tägiges Widerrufsrecht wie Privatpersonen hätten Gewerbetreibende nicht, doch „arglistige Täuschung“ sei wohl ein Ansatzpunkt zum Widerspruch.

Übrigens: Wer das unterzeichnete Formular „gratis“ an den Verlag schickt, erklärt sich auch damit einverstanden, dass dieser seine Daten an Dritte abtreten und sogar verkaufen darf, wie es die Allgemeinen Geschäftsbedingungen des Vertrages mitteilen.

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