Dokumentarfilmer machen Station bei Familie Ünal

Von: Holger Bubel
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Dem Alltag auf der Spur: Journ
Dem Alltag auf der Spur: Journalist Sven Kunze (3.v.r.) und sein Filmteam schauten im Ramadan Sadi Ünal und seiner Familie auch in der Baesweiler Moschee über die Schulter. Foto: Holger Bubel

Alsdorf/Baesweiler. Vier Vorurteile brachte Sven Kunze mit auf seiner Suche „zum rechten Glauben” im Islam, drei davon fand der (ehemalige) TV-Moderator - Frühaufsteher kennen den 69-Jährigen aus dem Frühstücksfernsehen der Öffentlich-Rechtlichen in den 90er Jahren - schon bald widerlegt.

Auf seiner „islamischen Station” zu seinem Dokumentarfilm „Glauben auf Probe” (als Ausstrahlungstermin ist der 31. Oktober im Spätprogramm der ARD geplant) begleitete er drei Tage lang die türkische Familie Ünal aus Alsdorf, ging mit ihr einkaufen, besuchte Kranke und - vor allem - lebte er mit ihnen nach den muslimischen Gesetzen des Ramadan.

„Sven Kunze ist in diesen Tagen wie mein Schatten gewesen - allerdings ein sehr großer Schatten”, beschreibt Sadi Ünal, Familienoberhaupt und vielen bekannt als Mitglied des Alsdorfer Integrationsrates (wir berichteten), die Arbeit des groß gewachsenen Fernsehmannes und seines dreiköpfigen Drehteams in Alsdorf und Baesweiler.

Besagte Vorurteile fasst Sven Kunze knapp zusammen. „Ich dachte, türkische Frauen hätten nichts zu sagen - aber die reden wie ein Wasserfall. Zweitens: Eine muslimische Andacht ist gestaltet nach dem Habitus eines preußischen Kasernenhofs, aber nach zwei Minuten geht es eher zu wie auf dem Schulhof. Drittens: Die türkische Küche ist reine Dönerküche. Aber wenn Frau Ünal und die Frauen zum abendlichen Fastenbrechen kochen, ist das einfach nur vorzüglich”, lobt Kunze.

Sechs Monate war Sven Kunze bereits unterwegs in Sachen Glaubensfindung, TV-gerecht in Bilder gefasst, bevor er mit der Euregiobahn am Annapark von Familie Ünal willkommen geheißen und als „Moslem auf Zeit” in die Familie aufgenommen wurde.

Liegengelassener Glaube

„Meinen Glauben”, sagt der humorige Moderator, „den habe ich irgendwann irgendwo liegen lassen wie einen vergessenen Regenschirm.”

Vor seinem Besuch bei den Ünals hat er auf seiner Reise bereits Einblicke erhalten in den Buddhismus, er hat den (liegengelassenen) christlichen Glauben intensiv im Kloster gelebt und in weitere
„transzendentale Richtungen” hineingeschnuppert, zu denen er laut eigenen Angaben „keine Begabung” habe. „Man kommt ins Grübeln”, sagt er - doch den Regenschirm hat er nach all den Erfahrungen und Erlebnissen noch nicht wiedergefunden. Auch nicht im islamischen Glauben, wie er am dritten Tag feststellt. Selbst wenn er konstatiert: „Ramadan ist toll.”

Sonderlich schwer sei ihm das Fasten auch nicht gefallen: „Nach Sonnenuntergang kann man sich ja einen richtigen Ranzen anfressen, dass man gut über den nächsten Tag kommt”, hat Kunze sich eine Taktik zurechtgelegt. Freilich nur für diese drei Tage. Ob das auch bei Teilnahme am 30-tägigen Ramadan funktioniert?

Das Fastenbrechen - so scheint es, wenn Kunze von den gemachten Erfahrungen spricht - ist für den Agnostiker das Tollste, „auch wenn mir das Glas Wein beim Essen fehlt”. Trotzdem habe man bis tief in die Nacht in geselliger Runde gefeiert - was Sven Kunze zum vierten Vorurteil bringt: Türken sind unglaublich gastfreundlich. „Ein Vorurteil, das voll und ganz bestätigt wurde”, schickt der TV-Moderator einen Dank an Sadi Ünal und dessen Familie, bevor er sich zur nächsten Station seines „Glaubens auf Probe” zum Pilgern ins Brandenburgische macht.
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