Dioxin-Skandal: Bio-Boom mit Verfallsdatum?

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
bioei_lang_bu
Qualität im Blick: Auch bei Eiern achtet Einzelhändlerin Astrid Franzen-Piotrowski in ihrem Naturkostladen auf kontrolliert biologische Herkunft. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Auch am Dienstag hat Inge Heim wieder ein paar Leute vertrösten müssen. Menschen, die eigentlich gar nicht ihre Kunden sind. Die sich sonst nie in ihren Naturkost-Laden verirren. Nur jetzt, seit der jüngste Dioxin-Skandal ihnen den Appetit aufs Ei aus dem Discounter mal wieder gründlich verdorben hat.

Das Problem: Das garantiert unbelastete Bio-Ei ist dadurch zur Mangelware geworden. Heim: „Ich bekomme derzeit selbst kaum noch Lieferungen.”

Eigentlich könnte es sie ja freuen, dass mehr Menschen sich plötzlich für die Herkunft ihrer Lebensmittel interessieren. Dass sie bereit sind, für unbelastete Produkte womöglich auch etwas mehr zu zahlen. „Sechs Eier kosten bei mir 2,50 Euro. Die sind in den vergangenen Tagen aber wirklich rasant über die Ladentheke gegangen.” Doch glaubt sie nicht daran, dass das auch noch in zwei, drei Wochen der Fall sein wird. „Wenn so ein Skandal wieder aus den Köpfen ist, merkt man das gleich.” Dann sieht sie die neuen Gesichter nämlich nicht mehr.

„Von 50 Menschen, die jetzt neu in meinen Laden kommen, wird vielleicht einer ein Stammkunde.” Eine wie sie muss daher Idealistin sein. Seit zehn Jahren betreibt sie den Naturkost-Laden „Kleeblatt” an der Settericher Bahnstraße. Nicht des Geldes wegen. „Ich möchte auch gegen Vorurteile kämpfen und Überzeugungsarbeit leisten”, sagt sie.

Ähnliches hat Astrid Franzen-Piotrowski im Sinn. Die gelernte Drogistin hat kürzlich den Naturkost-Laden ihrer Mutter übernommen. In schwieriger Lage, an der Geilenkirchener Straße in Merkstein, umgeben von vielen leeren Ladenlokalen. Auf Laufkundschaft hofft sie schon daher nicht. „Zu mir kommt nur, wer gezielt nach Bio-Qualität sucht.”

Auch bei ihr sind es dieser Tage deutlich mehr. Die sie vor allem mit den gewünschten Eiern versorgen kann. „Als das Thema das erste Mal in den Nachrichten auftauchte, habe ich sofort immer wieder nachbestellt.” Nun kann sie mit den Eiern vielleicht auch für das ein oder andere Produkt in ihren Regalen werben. „Ich habe schon einige von Bio überzeugen können”, sagt sie.

Der Skandal selbst habe sie im übrigen nicht überrascht. Das habe ja so kommen müssen, bei dem Preiskampf, den sich in Deutschland die Discounter lieferten. „Ich finde es schlimm, dass Menschen aus Profitgier die Qualität der Lebensmittel und die Gesundheit der Verbraucher aufs Spiel setzen.”

Carmen Lehman riskiert da nichts. Die Kohlscheiderin ist überzeugte Schrebergärtnerin, zieht viel Gemüse selbst. Den Rest besorgt sie auch im Merksteiner Laden. „Wir ernähren uns grundsätzlich biologisch”, sagt sie, „ich möchte meinem Kind mit den Nahrungsmitteln schließlich etwas Gutes tun.” So denken viele Mütter. Junge Familien gehören daher zu den treuesten Kunden von Bio-Läden.

Die andere Gruppe: chronisch Kranke, denen ihr Arzt den Griff zum Bio-Produkt nahegelegt hat. Die Stammkunden von Inge Heim. „Es muss leider oft erst die Gesundheit in Gefahr sein, bevor Menschen über ihre Ernährung nachdenken.” Zumindest vorübergehend ist das jetzt wieder der Fall...
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert