Die Zukunft des Osterhasen ungewiss

Von: Annika Kasties
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Ein immer selteneres Bild: Die hoppelnden Langohren kann man auf Feldern und Wiesen kaum noch beobachten. Foto: Stock

Nordkreis. In der Osterzeit hat der Hase viele Gesichter. Ob groß oder klein, aus Vollmilch oder Zartbitter, in blaue oder goldene Folie gewickelt. Der Schokohase ist aus den Geschäften nicht wegzudenken. Und lebt inmitten menschlicher Naschkatzen gefährlich.

Deutlich schlechter steht es aber um sein tierisches Vorbild. Denn der Lebensraum für Feldhasen wird auch im Nordkreis immer enger.

„Im Moment sieht man den Hasen wieder häufiger, weil er sich im Grün noch nicht so gut verstecken kann. Doch insgesamt ist der Feldhase auf dem Rückzug“, sagt Hans Raida, Mitglied des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). In der freien Wildbahn hat der Hase einen schweren Stand. Immer weniger Hecken und Grabenböschungen bieten dem Rammler und seinem Nachwuchs Schutz vor Feinden. Auch die für den Feldhasen so wichtigen Wildkräuter gehen durchs häufige Mähen und Mulchen der Felder verloren.

Tierschützer sind alarmiert

Die Bedrohung des Feldhasen sieht Raida vor allem in der industriell geführten Landwirtschaft begründet: „Heute werden Felder so intensiv bearbeitet, dass für Wild keine Lebensmöglichkeit mehr besteht.“ Auch das Bundesamt für Naturschutz warnt: Die Bearbeitung der Felder erfolge mit immer größerer Geschwindigkeit, in kürzeren Abständen und mit größerer Intensität. Für Feldhasen sei dabei ein Ausweichen kaum noch möglich. Die Folgen sind dramatisch: Seit Jahren sinkt der Bestand des Feldhasen. Bundesweit ist er in der Roten Liste als gefährdet eingestuft.

Verglichen mit anderen Landesteilen Deutschlands geht es dem Feldhasen im Nordkreis noch vergleichsweise gut. Zwischen Puffendorf und Würselen lassen sich die scheuen Langohren immer mal wieder beim Morgensport beobachten. Trotzdem sind örtliche Tierschützer alarmiert. Denn selbst in Naturschutzgebieten, die eigens für Wildtiere hergerichtet wurden, scheint sich die Population des Feldhasen nicht zu erholen. So beschreibt Raida zumindest die Lage auf einem vom ihm betreuten Gebiet im Wurmtal.

Auf dem rund 40 Hektar großen Areal zwischen Barbenberg und Herzogenrath – einer ehemalige Mülldeponie – sollte eigentlich kein Hasentraum unerfüllt bleiben. Die Mitarbeiter des Nabu-Kreisverbandes Aachen-Land haben dort eine Zufluchtsstätte für Pflanzen und Tiere geschaffen, die aus der Agrarlandschaft verdrängt wurden. 140 verschiedene Pflanzenarten zählten die Tierschützer. Unter ihnen Kleearten, Löwenzahn, verschiedene Grassorten – eine Flora also, die sich der Feldhase selbst nicht besser hätte zusammenstellen können. Und dennoch: „Es gibt keine Zunahme in der Population der Hasen, der Bestand konnte nicht gehalten werden“, berichtet Raida.

Wenn er bei seinem Rundgang übers Feld fünf bis sieben Hasen entdecke, wäre dies schon außerordentlich viel. Warum sich der Feldhase trotz der abwechslungsreichen Flora im Wurmtal nicht erholt, kann sich Raida nicht erklären. „Möglicherweise ist die Fläche zu klein für eine größere Population“, mutmaßt der Herzogenrather Tierfreund.

Jäger halten sich zurück

Nicht nur Tierschützer beobachten die Anzahl der Feldhasen in der Region mit Sorge. Auch Jäger berichten, dass immer weniger Langohren über die Felder rasen. Laut Karl-Heinz Kuckelkorn gilt auch im Nordkreis für Jäger: Zurückhaltung walten. „Die Bestände des Feldhasen sind so stark zurückgegangen, dass sie kaum noch gejagt werden“, sagt der Jagdberater der Städteregion Aachen. Die Jagdsaison für Feldhasen ist auf drei Monate im Jahr begrenzt. Somit dürfen sie Jäger nur in der Zeit vom 1. Oktober bis zum 31. Dezember ins Visier nehmen. Die Abschusszahlen richten sich nach dem Bestand. Und dieser werde von den Jägern genau beobachtet, versichert Kuckelkorn.

Wie das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz mitteilte, hat sich die Zahl der in Nordrhein-Westfalen von Jägern erlegten Hasen in den vergangenen zehn Jahren auf 52.000 im Jagdjahr 2013/14 halbiert. Das sei der niedrigste Wert der Nachkriegszeit. Dies zeigt sich auch in der Region. Während in der Jagdsaison 2012/13 noch 1106 Feldhasen von Jägern erlegt wurden, seien es im Folgejahr lediglich 688 gewesen, wie Holger Benend, Sprecher der Städteregion, mitteilte.

„Wenn die Jäger merken, dass die Population der Hasen niedrig ist, dann schießen sie auch nicht. Würden wir uns nicht so zurückhalten, gäbe es bestimmt gar keine Feldhasen mehr“, ergänzt Kuckelkorn. Auch er sieht als Hauptgrund für die prekäre Lage die Zerstörung der Lebensräume. Von den Landwirten wünsche er sich deshalb ein Umdenken, auch wenn er für den Druck, unter dem sie stünden, Verständnis zeige.

Auch einen Großteil der regulären Spaziergänger sieht der Jagdberater in der Verantwortung. „Man darf nicht unterschätzen, dass auch freilaufende Hunde eine Gefahr für den Feldhasen darstellen. Schließlich haben die einen Jagdtrieb und schnappen gerne nach den Tieren.“

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