Die Tradition verbindet Generationen

Von: Sigi Malinowski
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Der Maibaum muss hoch: Schwielen an den Händen sind dabei garantiert, das wissen Baesweilers Junggesellen nur zu gut. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Von Marienkäfern weiß man es. Sie bringen Glück. Zum Beispiel Wetterglück. Aber ein Hirschkäfer, so ein richtiges Prachtexemplar? Bringt der auch Segen? Zum Beispiel Sonne?

Samstagmittag, Baesweilers Junggesellen sind im Vorbereitungsstress. Im Innenhof der Brauerei am Kirchplatz hat sich der Maibaum „lang” gemacht. In der angebrachten frischen Tanne findet Bernd Claßen einen Hirschkäfer. „Iiiiihh, ne Kakerlake”, jault ein anderer. Das Tierchen wird bestaunt. Es wird auch beschworen. Das der einsetzende Nieselregen bald aufhören möge.

„Alt-Junggeselle” Heinz Claßen inspiziert die Arbeit seiner Kollegen. Alles läuft „schnack” am 1,5 Tonnen schweren „Kavenzmann”. Die ganz jungen Aktiven des JVB müssen Fähnchen in die Kränze einstecken, die „Alten” sind noch auf dem Zelt. Aufräumen. Alle erinnern sich an die Zelt-Fete in der Vornacht. „Ein supertoller Abend”, wird JVB-Vorsitzender Daniel Janshoff schwärmerisch. Aber die nächsten „Events” warten schon.

Einer der vom intensiven Arbeiten im Brauereihof gar nichts mitbekommt, aber am Abend mit feiern wird, ist der in Baesweiler sehr beliebte und bekannte Brite Mel Kipling. Der Dauergast aus dem Partnerschaftsdistrict Easington geht in „seinem” Baesweiler spazieren. Und er freut sich aufs Maibaumaufstellen, auf die Party im Zelt, auf die vielen Freunde die er hier (nicht nur zur Kirmes) hat.

Gemeinsam stark sein

Vier Stunden später. Es „plästert” immer noch mittelprächtig. Nun spucken die Burschen in die Hände, schleppen den mörderisch schweren Baum zum Festplatz. Angetrieben von den Kommandos des Hauptmanns Michael Koch.

Zum ersten Mal dürfen auch die Anwärter des JVB den Baum schultern. Drei von ihnen sind Jonas Deutsch, Marcel Habisch und Marvin Staas. Nach dem schweißtreibenden Job haben die 16-jährigen Jungs die Nase noch lange nicht voll und versichern, sich auf ihre Aufnahme in die Jungmännerschaft noch mehr zu freuen. Hauptmann Michael Koch ist ebenfalls zufrieden.

Der 34 Meter hohe Baum war bei gerade mal 10 Wärmegraden und glitschig-nassem Zustand nicht einfach auf den Platz und in die Vertikale zu bringen. Stelle. Aber mit Unterstützung der heimischen Feuerwehr, Stahlseilen, Leitern und Böcken klappt´s wie immer. „Geregnet hat es zur Kirmes öfter, aber so kalt war es noch nie”, erinnert sich Volker Baues, seit 32 Jahren im Verein.

Gemeinsam findet sich die riesengroße Gesellschaft im Festzelt zum Kirmesball wieder. Aktive, Inaktive, Ehrengäste, Freunde aus der Partnerschaft mit Montesson und Freunde aus England sind wie immer da. Daniel Janshoff hat das Glück, Pauline Dussouchet, eins von drei hübschen Mädchen aus Montesson begleiten zu dürfen.

Mit dabei - natürlich - auch die Majestäten. Das Königspaar Frederik Königs und Britta Töller sowie die Maipaare Dennis Habisch und Tanja Sieprath sowie Mario Sieprath und Judith Stachowitz haben die Wetterunbillen angesichts toller Auftritte von „Wheels” und „Rain City Rollers” vergessen und hoffen nun. Auf einen schönen Sonntag. Der leitet sich ein mit Gottesdienst, Fahnenschwenken vor der Kirche und dem Frühschoppen.

Nachmittags um Vier ist es Gewissheit Petrus hat kein Einsehen. Oder weint er nur vor Freude? Als die Majestäten sich in der Petronellastraße präsentieren sollen, klatscht es wie wild. Aber aus dem Himmel. Die Parade und alles was damit zusammenhängt, fällt flach.

Hauptmann Michael Koch beordert die vielen Zugteilnehmer, Musiker, Majestäten, Schützengesellschaften zum Zelt und verkündet: „Wir mussten den Zug leider abbrechen und hoffen, dass wir am Montag besseres Wetter haben”. Dennoch: die sechs Majestäten lassen sich nichts anmerken. Sie sind glücklich.

Eine ganze Stadt hat ihnen trotz der schweren Regengüsse ihre Aufwartung gemacht. Das mag in diesen Stunden ein Gefühl sein, als habe man den deutschen Meistertitel nach Baesweiler geholt. Die Zuschauer im proppenvollen Zelt klatschen unablässig, genießen „Preußens Gloria”. Beifall der auch den Jubilaren gilt, die Aufstellung genommen haben. Verbindlicher kann man es nicht ausdrücken, was sich die Junggesellen auf die Fahnen geschrieben haben.

Tradition ist ein Band, das Generationen verbindet. Und noch ist die Kirmes ja erst in ihrer Mitte, das Ende weit entfernt...
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