„Die Toten müssen erst durch alle Wolken durch“

Von: Margret Nußbaum
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Kinder formulieren ihre Gedanken zu Ostern: Mädchen und Jungen des Katholischen Kindergartens St. Marien Baesweiler sprachen über Tod und Auferstehung. Hinten von links: Marita Görtz, Erzieherin, Jillian, Sofie, Elena, Elisabeth, Nadine Schunk, Erzieherin. Vorne von links: Lian, Tyler, Alper, Fe, Lisa, Lukas, Jayden. Foto: Margret Nußbaum

Baesweiler. Warum musste Jesus sterben? Wie kann es sein, dass er drei Tage nach seinem Tod auferstanden ist? Mit diesen und anderen Fragen beschäftigten sich Jungen und Mädchen des Katholischen Kindergartens St. Marien Baesweiler.

Auf dem Boden ist ein Tuch ausgebreitet. Eine Kanne mit Traubensaft steht darauf. Daneben liegen ein Brot, Buchsbaum und ein Kreuz. Auch eine Pflanzschale mit Frühlingsblühern und eine Osterkerze schmücken das Ensemble. Noch taufrisch sind die Erinnerungen der Kinder an den Palmsonntag.

Die Erzieherinnen Nadine Schunk und Marita Görtz hatten mit ihnen Palmsträußchen gebunden und vom Einzug Jesu in Jerusalem erzählt. „Die Leute in Jerusalem haben mit Palmen gewedelt“ erinnert sich Sofie. „In Baesweiler gibt es keine Wüste. Deshalb wachsen hier keine Palmen. Wir haben Buchsbaum“, weiß Lukas. „Die Leute glaubten, dass Jesus ein König ist“, sagt Jillian. „Aber der richtige König hat gedacht, sie würden mehr auf Jesus hören als auf ihn. Deshalb war er sauer.“

Auch über die Fußwaschung am Gründonnerstag haben sich die Kinder Gedanken gemacht. „Jesus hat seinen Freunden die Füße gewaschen. Iiih, wie eklig! Das würde ich nie tun!“ Sofie verzieht beim Erzählen das Gesicht. Ihre Freundin Elisabeth findet eine Erklärung: „Die Freunde konnten sich die Füße nicht selber waschen, denn sie hatten dreckige Hände.“

Nadine Schunk erzählt den Kindern, dass Diener in der damaligen Zeit ihren Herrschaften die Füße waschen mussten. Und dass Jesus dies für seine Freunde getan hat, um ihnen damit zu zeigen, dass es keine Unterschiede zwischen Herr und Diener geben sollte. Eine schlüssige Erklärung, mit der die Mädchen und Jungen zufrieden sind.

Sie betrachten ein Bild vom letzten Abendmahl. Dann teilen sie das Brot und trinken Traubensaft. „Jesus und seine Freunde haben Wein getrunken“, frischt Elena ihre Erinnerungen auf. „Weil es damals noch kein Bier gab“, ergänzt Tyler.

Dass es keine fröhliche Feier war, ist den Kindern klar. „Jesus hat seinen Freunden gesagt, dass der König nach ihm sucht und dass er sterben muss“, erzählt Elena. „Ein Freund von Jesus hat sich rausgeschlichen“, weiß Lian. „Der hieß Judas und hat ihn verraten.“ „Das tun Freunde nicht!“, entrüstet sich Alper. „Das hätte Petrus nie getan“, meint Lukas, „das war nämlich sein allerbester Freund.“

Dass Jesus am Kreuz sterben musste, finden die Kinder ungerecht. „Der hat keinem was getan!“, entrüstet sich Fe. Lukas wundert sich, als er das Karfreitagsbild betrachtet: „Warum sind da noch zwei andere Kreuze?“, möchte er wissen.

Als Marita Görtz erklärt, dass mit Jesus zwei weitere Männer hingerichtet wurden, entbrennt ein lebhaftes Gespräch: „Das waren bestimmt Verbrecher!“, vermutet Alper. „Aber Jesus war kein Verbrecher!“, meint Lukas. „Das hätte der doofe König doch wissen müssen.“

Szenenwechsel: Maria, die Mutter Jesu, und Maria Magdalena gehen zum Grab und wollen Jesus salben. „Meine Mama cremt mich auch immer ein, wenn ich gebadet habe“, sagt Lisa. „Aber du bist nicht tot“, meint Fe. „Tote brauchen keine Creme mehr.“ Die Kinder staunen, als sie erfahren, dass es damals Sitte war, Tote zu salben, und dass die Menschen ihren Angehörigen damit noch etwas Gutes tun wollten.

Die Auferstehung: nichts Besonders für Kinder. Denn sie glauben nicht daran, dass nach dem Tod alles aus ist. „Die Frauen und die Freunde konnten Jesus sehen, weil er der Sohn von Gott ist“, erklärt Elena. „Jesus ist in einen Engel verwandelt worden“, glaubt Elisabeth. „Er ist im Himmel geboren worden, auf irgend einem anderen Planeten“, meint Lian. „Als er lange genug auf der Erde war, wollte Gott seinen Sohn wieder bei sich haben“, ergänzt Lukas.

Auch über den Tod von Verwandten sprechen die Mädchen und Jungen. Jede und jeder hat eine Geschichte beizutragen – vom verstorbenen Uropa oder der Uroma, von einem Verunglückten, über den die Eltern erzählt haben, über einen Marienkäfer, den sie vorm Ertrinken bewahrt haben. „Kinder glauben fest daran, dass mit dem Tod nicht alles aus ist und dass ihre verstorbenen Verwandten bei Gott weiter leben“, erklärt Nadine Schunk.

Dass Uroma und Uropa sie von oben sehen können – auch daran glauben Kinder, sind sich aber über gewisse Hindernisse im Himmel einig: „Die Toten müssen erst durch alle Wolken durch, bis sie an der letzten angekommen sind. Dann können sie nach unten schauen“, meint Elena stellvertretend für alle.

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