Die Stadt Würselen soll Wort halten

Von: Karl Stüber
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Erwarten von der Stadt, ernst genommen zu werden: (v.l.) Marcus Franzen (Rhenania Würselen), Markus Carduck und Norbert Wilke (beide VfR Würselen) sowie Daniel Schewior (Rhenania). Foto: Karl Stüber

Würselen. Fußball ohne Regeln geht nicht. Das könnte bei den Spielern schnell zu einer schlimmen Holzerei auswachsen. Das dem entgegenwirkende Regelwerk ist abgemachte Sache. Schiedsrichter wachen über die Einhaltung. Fußball ohne (Trainings-)Plätze geht auch nicht. Aber wie steht es um Abmachungen zwischen der Stadt Würselen, dem Stadtrat und Fußballvereinen über die Bereitstellung von Spielflächen?

Wer sorgt denn da für die Einhaltung des einmal Aus- und Festgemachten? Wie steht es um Fair Play in der Tiefe des politischen Raumes? Stehen plötzlich ganze Fußballvereine und deren Mitglieder im Abseits? Diese Fragen stellen (sich) vier – im positiven Sinne – Fußballverrückte bei einem Gespräch mit unserer Zeitung im Vereinsheim des SV Rhenania 05 Würselen: Marcus Franzen, zweiter Vorsitzender der Rhenania, der erste Geschäftsführer der Rhenania, Daniel Schewior, sowie der Vorsitzende des VfL Würselen, Markus Carduck, und dessen Vereinskollege Norbert Wilke, Kassierer und Hauptansprechpartner in Sachen Vereinsheim.

„Einseitige“ Entscheidung

Thema sind die Auswirkungen des für Anfang 2017 geplanten Baubeginns der neuen Gesamtschule an der Krottstraße. Wenn die Bagger anrollen, endet auf den Ascheplätzen dort der Trainingsbetrieb der beiden Fußballvereine und der Kickerkollegen aus Linden-Neusen, die die Anlage aber nur zu einem geringen Umfang nutzen.

Die vier Vereinsvertreter erinnern daran, dass sich der Stadtrat dazu verpflichtet hat, gleichwertigen Ersatz für die Trainingsmöglichkeiten zu schaffen. Die Kritik daran lautet: Rat und Verwaltung hätten „einseitig“ die Entscheidung über den Standort der Ersatzfläche „mit den seit Jahrzehnten bestehenden Plänen zur Errichtung eines erwünschten Sportzentrums verknüpft“ – und zwar am Freizeitbad Aquana jenseits der vielbefahrenen K 30.

Eigentlich habe der Stadtrat die Regelung der Ersatzfläche „mit den Vereinen realisieren“ wollen. Davon sei nicht mehr die Rede – ganz im Gegenteil. Markus Carducks im Drischfeld angesiedelter VfR Würselen hatte sich bereits zum Beginn der Diskussion klar positioniert. Der Verein lehnt die Ersatzspielfläche am Aquana und das Sportzentrum ausdrücklich ab, zumal die neue Anlage nicht rechtzeitig fertig werde.

Auch die Rhenania hat sich nach anfänglichen Irritationen und Neuwahl des Vorstands klar positioniert, wie Marcus Franzen betont. „Wir haben unsere Mitglieder bei der letzten Versammlung befragt – mit einem klaren Ergebnis. 80 Prozent der rund 70 Teilnehmer haben sich gegen eine Aufgabe des Lindenplatzes als Heimat des Vereins entschieden.“

Zugleich wurde Gesprächsbereitschaft signalisiert, gemeinsam mit Verwaltung und Rat an einer Lösung zu arbeiten. Heißt: Für die beiden Vereine ist das Sportzentrum uninteressant. Sie wollen lieber im Herzen von Würselen und auf diese Weise der Bevölkerung und der eigenen Klientel engverbunden bleiben und sich nicht an den Rand der Stadt drängen lassen.

Im Sportausschuss Anfang März sei deutlich geworden, dass besagtes Sportzentrum nur über die Vermarktung des Lindenplatzes als Bauland realisiert werden könne. Da die Rhenania dies klar ablehne, sei das Thema eigentlich vom Tisch. Franzen sagt: „Die Nutzungsvereinbarung des Lindenplatzes mit der Stadt Würselen ist im Jahre 2011 um zehn Jahre verlängert worden – gilt also bis 2021.“

Kunstrasenplätze gefordert

Die Rhenanen fordern nun die Stadt auf, Wort zu halten, und sind gespannt, was auf der als entscheidend angekündigten Stadtratssitzung am 10. Mai geschieht.

„Bleiben Verwaltung und Politik bei ihren Aussagen, ist das Projekt Sportzentrum am Aquana gescheitert“, bringt Daniel Schewior die Konsequenzen auf den Punkt. Folglich müsse auch gemeinsam mit den Betroffenen überdacht werden, wie denn Ersatzspielflächen für die an der Krottstraße wegfallenden Trainingsmöglichkeiten bereitgestellt werden können.

Der Vorschlag von Rhenania und VfR lautet: „Die Rasenplätze am Lindenplatz und im Drischfeld sollen zu Kunstrasenplätzen umgewandelt werden!“ Die seien ganzjährig bespielbar. Der VfR hat längst sein Konzept mit Kostenberechnung öffentlich vorgestellt. Aus der Sicht Carducks rechnet sich das Modell. Auch die Rhenania hat eine Modellrechnung angestellt. Während das Sportzentrum am Aquana mindestens 1,7 Millionen Euro kosten würde, käme die Umwandlung der beiden Naturrasen- in Kunststoffrasenplätze auf knapp 1,4 Millionen Euro, sei also günstiger.

Das entsprechende Angebot einer Fachfirma liege vor. Zudem würde die jeweils vorhandene Infrastruktur der Vereine erhalten bleiben. Natürlich könnten umliegende Schulen bis in den frühen Nachmittag hinein die Kunstrasenplätze mit nutzen, wird als Argument angeführt. Dagegen müssten Schüler, sollte das Sportzentrum am Aquana errichtet werden, die gefährliche K 30 kreuzen.

„Die Stadt Würselen hat häufig formuliert, dass sie für junge Familien attraktiv werden will“, betonen die beiden Vereine. Gut zugängliche Sportstätten seien für (Neu-)Bürger wichtig. Diese könnten Rhenania und VfR bieten.

Entschlossen tritt Carduck dem „kolportierten“ Gerücht entgegen, die beiden Fußballvereine würden die Armada-Leichtathleten um die ersehnte Umlaufbahn bringen, wenn sie gegen das neue Sportzentrum seien. Der VfR-Vorsitzende hält es für unfair, so Sportvereine gegeneinander auszuspielen. Ein Foulspiel, das man pfeifen müsse.

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