Die Stadt Würselen muss tiefer in die Tasche greifen

Von: Karl Stüber
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Neues und Altes können teurer sein als gedacht: Die Kanalisierung zum Anschluss des im Bau befindlichen Wohn- und Bürogebäudekomplexes , zuvor „Gut Kaisersruh“, kostet die Stadt Würselen deutlich mehr. Foto: Karl Stüber
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Auch der Abriss der ehemaligen ESV-Halle ist mit der veranschlagten Summe angesichts der Altlasten nicht zu machen. Foto: Karl Stüber

Würselen. An der Krottstraße in Würselen wird aufgeräumt. Dort soll die neue Gesamtschule auf den Ascheplätzen des VfR Würselen errichtet werden. Wenn der Stadtrat planmäßig am 10. Oktober entscheiden sollte, dem besten Bieter für Bau und Betrieb den Zuschlag zu geben, geht es in der Sitzung auch um eine alte Halle an der Ecke Friedrich-/Krottstraße, die – umgeben von wucherndem Grün – schon fast in Vergessenheit geraten ist.

Das Gebäude soll jetzt abgerissen werden. Der Eisenbahner Sportverein 1928 Würselen (ESV) residierte dort. Zuvor diente die Halle als Lokschuppen. Um überhaupt in dem Gebäude Sport treiben zu können, wurde ein Fußboden über Gleise und Wartungsschächte eingezogen. Als Umkleidekabine diente anfangs ein alter Waggon. Beheizt wurde die Halle mit Hilfe einer Dampfheizung, die – wie sollte es bei einem Eisenbahnerclub auch anders sein – an eine unter Dampf stehende Lok angeschlossen wurde, wie in der Chronik des ESV nachzulesen ist.

Diese Vorgeschichte als Lokschuppen kommt die Stadt Würselen jetzt teuer zu stehen. Im Gebäude sind Altlasten festgestellt worden – sicherlich keine Überraschung. Aber das Ausmaß ist letztlich noch gar nicht abzusehen.

Klar ist auf jeden Fall, dass die für den Abbruch veranschlagten 52.000 Euro nicht ausreichen. „Nach ersten Planungen und vorbereitenden Arbeiten“ ist mit einer Verdopplung der Kosten zu rechen, genauer mit 110.000 Euro. Dabei geht es aber auch wieder nur um Schätzungen und Richtpreise, denn der Aufwand für die Bodensanierung wird von den Ergebnissen weiterer Analysen abhängig sein, wie die Stadtverwaltung darlegt. Ob unter dem Hallenboden weitere Schadstoff in Form von schwermetallbelasteten Schlacken vorhanden ist, kann erst bei den Abbrucharbeiten geklärt werden.

Neben dieser Wundertüte gibt es noch mehr Faktoren, welche die Rechnung nach oben treiben können. So muss im Rahmen der Artenschutzprüfung möglicherweise noch Ausgleich geschaffen werden: Ersatz-Quartiere für Fledermäuse. Bislang sind dort noch keine festgestellt worden. Auf jeden Fall stehen an der ESV-Halle teils schützenswerte Bäume. Das kostet Geld, gegebenenfalls für Ersatzpflanzungen.

Letztlich wird der Stadtrat nicht umhin kommen, den Mehrausgaben zuzustimmen, wenn die Halle abgeräumt werden soll. Weitere überplanmäßige Ausgaben werden zudem für die Kanalisierung der Fastradaallee (zuvor Küttgensallee) fällig. Dort wird derzeit „Gut Kaisersruh“ von einem Investor in großem Stil zu einem Wohn- und Bürogebäudekomplex umgebaut.

Abwasser muss beseitigt werden

Schon vor der Ausschreibung hatte die Stadt die Mittel auf 137.000 Euro aufgestockt. Mittlerweile liegen drei Angebote von Firmen vor. Der günstigste Anbieter liegt bei 172.000 Euro, die anderen bei rund 190.000 und 213.000 Euro. Heißt: Weitere 35.000 Euro werden benötigt, um das Mindestgebot bezahlen zu können.

Das wird aber nicht reichen. Geld für den Stromhausanschluss für die Pumpstation werden fällig. Macht nochmals 35.000 Euro. Die erheblichen Mehrausgaben führt die Stadt auf erhebliche Preissteigerungen im Kanalbau zurück. Zu dem sei die Auftragslage so gut, das Firmen entweder gar nicht mehr bei Ausschreibungen mitbieten, direkt absagen oder hohe Angebotssummen nennen.

Aus der Nummer kommt die Stadt aber nicht heraus. Mit Abschluss des öffentlich-rechtlichen Vertrags zur Erschließung des Bauvorhabens „Gut Kaisersruh“ hat sie sich zur Erstellung der öffentlichen Kanalisation verpflichtet und muss ihrer gesetzlichen Aufgabe der „Abwasserbeseitigungspflicht“ nachkommen. Letztlich werden die Kosten in die Gebühren einfließen.

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