„Die Stadt muss jetzt den entscheidenen Funken zünden"

Von: Beatrix Oprée
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Auch ungenutzte Immobilien sind ihm schon lange ein Dorn im Auge: Björn Bock sieht die Stadtverwaltung in der Pflicht. Foto: Elisa Zander

Herzogenrath. Maßgeblich auf sein Betreiben hin wurde der Wirtschaftsausschuss in Herzogenrath eingerichtet. Und in den vergangenen Monaten hat FDP-Fraktionschef Björn Bock im wahrsten Wortsinne „Klinken geputzt“, will heißen: weit über 50 Einzelgespräche mit Geschäftsleuten geführt. Mit Blick auf die angestrebte Entwicklung der vakanten Flächen auf dem Straßer Debetz-Gelände hat seine Fraktion schon vor längerer Zeit eindeutig Position bezogen.

Sie kennen Herzogenraths Geschäftswelt mittlerweile vielleicht so gut, wie kaum ein anderer im Stadtrat. Was sind die Beweggründe für Ihre Besuche bei den Einzelhändlern?

Bock: Mir liegt unsere Stadt zu sehr am Herzen, um still zu bleiben und abzuwarten. Ich möchte in Herzogenrath etwas bewegen, daher die Gespräche. Den bisherigen Einzelgesprächen werden deshalb auch viele weitere und das nicht nur mit Einzelhändlern, sondern mit möglichst vielen Bürgern folgen. Ich möchte Anregungen, Vorstellungen und Gedanken sammeln und Ideen teilen. Ich bin davon überzeugt, dass wenn möglichst viele Menschen in Herzogenrath an einem Strang ziehen, wir sehr viel bewegen können, viel mehr, als wir bisher denken! Wenn meine Aktivitäten dazu ein kleines Stück beitragen können, hat sich für mich der Einsatz gelohnt.

Nun haben Sie einen umfassenden Überblick über die Sorgen der Geschäftsleute. Was wurde im Wesentlichen an Sie herangetragen?

Bock: Viele Geschäftsleute machen sich ernsthafte Gedanken über ihre Zukunft, überlegen wie es weitergeht. Angefangen etwa bei der Frage, wie Barrierefreiheit ihres Geschäfts möglich werden könnte, bis hin zu existenziellen Sorgen, die zum Beispiel durch die Pläne zu Debetz-Flächen in Straß entstanden sind. Bei all den Sorgen und Nöten sehe ich aber auch sehr viel Positives. Die Einzelhändler sind sehr interessiert an möglichen Entwicklungen in den Zentren und bereit, sich einzubringen mit Ideen, Aktivitäten und Investitionen. Hier braucht es nur einen entscheidenden Funken. Den muss die Stadt jetzt zünden!

Initiativen zur Innenstadtbelebung gleichen in Zeiten von Malls und Internethandel immer mehr der Quadratur des Kreises. Können Ihrer Auffassung nach Verantwortliche von Stadtverwaltung und Politik überhaupt steuernd eingreifen? Wie soll das angesichts leerer kommunaler Kassen geschehen? Wo sind die Grenzen?

Bock: Ja! Und das sehr deutlich. Besonders in den Stadtteilen Merkstein, Kohlscheid und Herzogenrath-Mitte ist es notwendig, dass Politik und Verwaltung den Stadtplanungen Taten folgen lassen – Pläne und Plakate wurden schon so viele gemacht. Kaum jemand glaubt daher noch daran, dass sich etwas bewegen wird. Umso wichtiger ist es, dass Politik und Verwaltung jetzt sichtbare und greifbare Zeichen setzt. Es müssen tatsächlich seitens der Stadt auf Schlüsselgrundstücken die Bagger rollen und Entwicklungen stattfinden. Einige wichtige Grundstücke sind schon im Eigentum der Stadt, weitere müssen dazu kommen. So entsteht die wichtige Aufbruchsstimmung! Neben diesen großen Maßnahmen sind viele kleinere Bausteine wichtig. Beispielsweise die Sauberkeit in der Stadt oder auch das Gefühl von Sicherheit sind Themen die wir angehen. Die städtischen Mittel sind begrenzt. Deshalb müssen wir uns Investitionen sorgsam überlegen und Prioritäten setzen. Wenn möglich Gelder aus Fördertöpfen holen und Privatinvestoren zu Investitionen in die Kernbereiche motivieren. Ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.

Werden wir konkret: In Herzogenraths Geschäftswelt brodelt es mächtig mit Blick auf die Entwicklung in Straß. Sitzt die Stadt hier zwischen zwei Stühlen? Oder sollte sie „klare Kante“ zeigen?

Bock: Es ist wichtig, dass besonders wir in der Politik hier gemeinsam „klare Kante“ zeigen. Der Schwebezustand ist für alle Beteiligten unerträglich und blockiert weitere Entwicklungen. Wer wird denn in einer solchen ungewissen Situation in Herzogenrath-Mitte investieren? „Klare Kante“ heißt für mich bei dieser Frage, sich vor der Kommunalwahl dazu zu äußern, ob die geplante Entwicklung in Straß gewollt ist oder nicht. Die FDP hat sich schon im Sommer klar gegen die geplante Entwicklung in Straß ausgesprochen. Diese Position steht. Aus unserer Sicht ist es absolut notwendig, dass wir und alle anderen Verantwortlichen in der Stadt sich auf die drei Stadtzentren konzentrieren und uns nicht weiter mit für die Zentren schädlichen Überlegungen beschäftigen. Hier gibt es viel zu tun.

Erinnern wir uns an den Computerspieleladen der jungen Familie Gulpen: Sie war von der Süd- an die Roermonder Straße umgezogen. Weil die Baugenehmigung aber auf einem Irrtum beruhte, durfte sie dort ihr Gewerbe nicht weiter betreiben. Ausschlaggebend war unter anderem die Herzogenrather Liste innenstadtrelevanter Sortimente: Wie beurteilen Sie vor diesem Hintergrund die Anträge zur Umnutzung der Debetz-Flächen?

Bock: Bei mir ist in diesem Zusammenhang leider der Eindruck entstanden, dass die Größe eines Geschäfts in Herzogenrath für den ein oder anderen entscheidend ist, ob etwas möglich gemacht werden soll oder nicht. Dieses Beispiel vermittelt mir das, genauso wie das Beispiel des Supermarktes in Kohlscheid, der seit über einem Jahr in städtischer Immobilie keine Miete zahlt. Solche Ungleichbehandlung darf es nicht geben.

Ihre Partei hat immer wieder die Finger in städtebauliche Wunden gelegt. Unter anderem haben Sie vor Jahren eine Postkartenserie mit Bauruinen und Leerstandsimmobilien aufgelegt. Wird es in nächster Zeit ähnliche Aktionen geben?

Bock: Provokante Mittel sind manchmal notwendig, um wachzurütteln. So werden wir vor der Ratssitzung am Dienstag eine Herzogenrath-Vignette „Pkw-Maut – Nein Danke! Freie Fahrt für freie Bürger“ vorstellen. Passend zu Karneval wollen wir dieses bundespolitische Thema aufs Korn nehmen, auch um uns gegen die von SPD, Grünen und Linke in Herzogenrath geplante Petition gegen die Pkw-Maut auszusprechen – weil wir grundsätzlich keine Resolutionen unterstützen, da sie nicht zielführend sind. Vielmehr wollen wir die Diskussion über die großen Verkehrsprobleme in der Stadt fördern. Und uns gegen die Aufforderung der Aachener Beigeordneten Gisela Nacken wehren, die in Sachen Umgehungsstraße Richte-richer Dell geraten hatte, Herzogenrath einfach abzupollern. Nach der Beschlussvertagung vom Donnerstag werden wir jetzt in Herzogenrath-Mitte Aktionen starten, die möglichst viele Bürger über die Auswirkungen der geplanten Umnutzungen der Debetz-Flächen in Straß informieren. Wir möchten Einzelhändler und Bürger zusammenschweißen. Gemeinsam werden wir es schaffen, die Überlegungen für Straß zum Positiven zu verändern. Weitere Aktionen sind geplant. Denn es gibt an vielen Stellen Handlungsbedarf.

Sie waren Initiator des Wirtschaftsausschusses in Herzogenrath. Sehen Sie Erfolge, die es ohne dieses Gremium nicht gegeben hätte?

Bock: Der Wirtschaftsausschuss wurde nach der Kommunalwahl 2009 auf unsere Initiative hin gegründet. Wichtiger Erfolg ist, dass hier zielgerichtet und gebündelt Informationen in die Politik gelangen und ausgetauscht werden. Auf dieser Basis wurden Entscheidungen getroffen. Das ist mir aber zu wenig. Wir haben als FDP mehrfach den Anlauf gemacht, das eine Zielplanung als Planungsinstrument der Stadtentwicklung zu installieren. Hier sind wir bisher von den politischen Mehrheiten gestoppt worden. Wir werden dies wieder beantragen, bis es klappt.

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