Die Seniorenwerkstatt bietet freie Jobs an

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Bauen mit großer Begeisterung
Bauen mit großer Begeisterung Vogelhäuschen und andere schöne Dinge aus Massivholz: Erwin Böttcher (v.l.), Jürgen Blenk und Johannes Rehrs gehören zum Team der Baesweiler Seniorenwerkstatt. Foto: J. Klieser

Baesweiler. Unter der Friedensschule befindet sich ein kleines Reich, wo es nach Holz duftet, wo auch am heutigen Dienstag Bohrer surren und Sägen knarzen, wo fleißige Senioren werkeln und basteln. Da entstehen Vogelhäuschen, Puppenstuben und Schaukelpferde.

Die 17 Männer und vier aktiven Frauen der Seniorenwerkstatt bauen mit Leidenschaft schöne Dinge aus Holz.

Mit kleinen Reparaturen und dem Aufbau einer Werkstatt hat der Verein vor zwölf Jahren angefangen. Die Vereinsleute sind dankbar, dass die Stadt ihnen dafür Räume im Keller der Schule zur Verfügung gestellt hat. Es wurde sehr bald zu eng, wie sich der Vorsitzende Erich Heinzer erinnert, und mittlerweile könnten sie nach mehreren Erweiterungen noch mehr Platz gebrauchen.

Zum Staunen sind die vielen Massivholzsachen im rappelvollen Ausstellungsraum: große Vogelhäuser mit Dächern aus Holzschindeln, Schiefer oder Kupfer, niedliche Puppenschränke- und Wagen, Kaufläden, Insektenhotels und traumhaft schöne Krippen. Das alles ist nicht teuer, sondern sehr erschwinglich, weil die Senioren ja nicht auf Profit aus sind. Wenn man einen Stundenlohn, das hochwertige Material und die professionelle Machart zugrunde legen würde, die Produkte wären unbezahlbar. Wie ein kleines Ferien-Blockhaus aus richtigen Miniholzbalken und Minischieferschindeln sieht eines der Vogelfutterhäuschen aus. „Das hält ewig”, bestätigt Heinzer. Vieles fertigen er und seine Mitstreiter auf Bestellung, Einiges zum Selbstkostenpreis für Schulen und Kindergärten. Überschüssige Einnahmen aus der Werkstatt, von Frühjahrs-, Herbst- und Weihnachtsmarkt spenden sie an Vereine mit Jugendabteilungen, an die Bürgerstiftung oder für krebskranke Kinder. Vergangenes Jahr ließen die Senioren insgesamt 6000 Euro auf gemeinnützige Einrichtungen regnen.

88 Jahre zählt der älteste Nistkästenbauer, Michael Schmölders. Josef Pick ist nur ein Jahr jünger. Er war von Beruf Bäckermeister und versorgt die Gemeinschaft mit Kuchen, wenn sie sich dienstags trifft oder bei besonderen Gelegenheiten. Im Durchschnitt sind die Bastler 75,4 Jahre alt, hat Heinzer ausgerechnet.

„Weil uns das Basteln Spaß großen macht” und weil es „eine sinnvolle Freizeitgestaltung ist”, haben die Vereinsleute damals Leute zusammen getrommelt. „Einige, die schwer krank waren, haben sich hier gewissermaßen therapiert”, erzählt Heinzen. „Wenn man sieht, was man im Alter noch bewegen kann, dann geht es bergauf.” Und „die Ehefrauen machen alle mit im Freundeskreis, das ist ganz wunderbar”, ergänzt Jürgen Blenk. Für den Schreiner Johannes Rehrs ist es wichtig, „sich nützlich zu machen ohne den kommerziellen Aspekt.” Die Frauen verzieren Gegenstände mit Brennarbeiten, nähen, stricken oder kochen Marmelade für die Märkte. Eine von ihnen, Gründungsmitglied Elisabeth Lohe-Köller, 80 Jahre, war seinerzeit zum Bürgermeister gegangen und hatte nach einer Werkstatt gefragt. Zuerst bekam der Verein zwei Räume, jetzt gibt es fünf: Aufenthaltsraum, zwei Werkräume, Materialraum, Ausstellungsraum.

Solide und professionell

Friseur, Einzelhandelskaufmann, Postbeamter, Dreher, Bäcker, Elektriker, Schweißer, Dachdecker - aus den verschiedensten, meist handwerklichen Berufen kommen die Mitglieder. Eins ist ihnen allen gemeinsam: Sie haben viel Fantasie. Und wie kommt es, dass die Arbeiten so solide und professionell hergestellt werden? Das kann nicht nur an den gut ausgestatteten Werkräumen liegen. Elektrische Bohrer und Sägen in allen Größen, Schleif- und Hobelmaschine, Drechselbank, Presse zum Leimen - alles da, das Meiste geschenkt oder gebraucht gekauft. „Es sind immer einzelne Arbeitsgänge zu machen, und so kann letztlich jeder etwas bauen”, erklärt Rehrs. „Hier finden Lernprozesse statt”, fügt der Kassenwart hinzu, „ich kann jetzt auch an der Säge arbeiten, und der Schnitt stimmt”. (jk)







Was planen Sie für die Zukunft?

Heinzer: Unser Ziel ist, dass wir möglichst lange in der Werkstatt unsere Arbeit machen können, dass wir lange gesund bleiben und unsere Gemeinschaft erhalten können. Wir möchten den Verein über unsere Zeit hinaus am Leben erhalten. Deshalb brauchen wir Nachwuchs. Wir haben einige „Jugendliche”, die sind 68 Jahre alt.
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