Die Polizei nimmt Spielhallen ins Visier

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
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Kontrolle: Spielhallen im Visier des Ordnungsamtes. Foto: Schaum

Alsdorf. Am Ende des nächtlichen Einsatzes sind sieben Stecker aus den Dosen gezogen, die Bildschirme bleiben vorerst schwarz. An diesen Automaten darf kein Spieler mehr sein Glück versuchen. Verzockt hatte sich bloß der Betreiber, der die nötigen Plaketten nicht an die Geräte gesteckt hatte.

Das Fehlen einer gültigen Betriebserlaubnis für so manchen Münzschlucker ist nicht das einzige, was bei einer groß angelegten Polizeikontrolle in Alsdorfer Spielhallen auffällt.

Polizeihauptkommissar Uwe Tröbs kennt das Terrain gut. „Wir haben in Spielhallen schon den ein oder anderen abgreifen können, der per Haftbefehl gesucht wird. Da sind des öfteren Personen drin, die das Tageslicht lieber meiden.” Auch deshalb stehen am Mittwochabend drei Hallen im Fokus von 27 Polizeibeamten und zwei Kräften des Alsdorfer Ordnungsamtes.

Solch ein großes Aufgebot ist nötig. „Spielhallen sind oft richtig verzwickte Gebäude mit etlichen Nebenräumen und Seitenausgängen”, sagt Uwe Tröbs, der sich kurz vor dem Einsatz noch einmal die Grundrisspläne aller Bauten ansieht. Auch Luftbilder von „Google Earth” haben die Beamten bei der Planung herangezogen, um die Umgebung zu studieren. „Wir wollen ja nicht, dass wir zur Vordertür reingehen und Besucher gleich zur Hintertür wieder raus.”

Das passiert nicht. Als die Beamten gegen 21.30 Uhr die erste Halle betreten, postiert sich sofort einer an jeder Tür. Im schummrigen Licht nehmen die Spieler zunächst kaum Notiz von den Polizisten. Erst, als die um die Personalausweise bitten, unterbricht mancher sein Spiel. Die Überprüfung ergibt: niemand hier hat sich etwas zu Schulden kommen lassen. Nur bei einem jungen Mann, der sich auffällig nervös zeigt, entdecken die Beamten eine kleine Menge Marihuana. „Ist nur für den Eigenbedarf”, gibt der Ertappte an. Seine Personalien werden notiert, auch er darf sein Spiel fortsetzen.

Derweil kramen Frank Dohms und Tim Krämer vom Ordnungsamt 20-Cent-Stücke hervor, mit denen sie die Automaten füttern. Um zu sehen, ob sich die Walzen auch richtig drehen. „Seit die Geräte zunehmend per Software gesteuert werden, lassen sie sich viel leichter manipulieren”, sagt Krämer. So kann etwa der Rhythmus verändert werden, in dem das Gerät Münzen schluckt. Das darf nicht sein, denn gesetzlich festgelegt ist: Ein Spieler darf pro Stunde an einem Gerät maximal 80 Euro verlieren und maximal 500 gewinnen.

Hohes Bußgeld

Zwar scheint der Spielfluss der Geräte in Ordnung, doch dürften einige überhaupt nicht eingeschaltet sein! „Hier”, sagt Krämer und deutet auf ein leeres Plastikfach an der unteren Front eines Automaten, „da müsste eigentlich das Schild mit der Betriebserlaubnis sein.” Weil es fehlt, muss eine Mitarbeiterin der Halle den Stecker ziehen. Und den an drei weiteren Geräten. Auf ihren Chef kommt nun ein Bußgeld zu. „Wohl im vierstelligen Bereich”, überschlägt es Krämer.

In der nächsten Halle werden ebenfalls drei Automaten vom Strom getrennt. Doch weit schwieriger als die Suche nach der Betriebserlaubnis gestaltet sich die nach den Notausgängen. Bloß einer ist als solcher überhaupt kenntlich gemacht, doch stehen die Beamten prompt vor verschlossener Tür. Die kann nach einer Weile geöffnet werden, doch zwei weitere Ausgänge, die im Plan verzeichnet sind, bleiben zunächst unauffindbar. Weil der Hallenbesitzer sie „elegant” verschwinden ließ.

Einen Ausgang entdecken Frank Dohms und Tim Krämer nach einer Weile in einer Kammer, die zum Vorratsraum wurde. Hinter vollgestellten Regalen ist die Türklinke zwar sichtbar, aber unerreichbar. Der zweite Notausgang - verdeckt durch Aufstellfiguren - hat überhaupt keine Klinke mehr. Ein Tag wird dem Betreiber gewährt, um die Fluchtwege wieder zu öffnen und künftig freizuhalten. Andernfalls müsste die Halle geschlossen werden.

Nicht nur, weil für mehr Sicherheit gesorgt werden konnte, wertet Hauptkommissar Uwe Tröbs den Einsatz als Erfolg. Denn der ist Teil des so genannten „Konzeptes Alsdorf”, bei dem die Beamten seit Mai deutlich mehr Präsenz in der Stadt zeigen, um Straftaten vorzubeugen. „Wir wollen zeigen, dass wir wachsam sind. Auch in Spielhallen, die wir sonst oft nicht in dem Umfang kontrollieren können.”

Zwar endet das Projekt dieser Tage, doch nicht bloß Spielhallen sollen auch künftig im Fokus bleiben. Tröbs: „Wir reduzieren die Kontrollen künftig ein wenig, behalten Alsdorf aber gut im Auge. Sobald sich das Bild wieder zum Schlechten wendet, werden wir prompt reagieren!”

Kriminalitätsrate ist seit Mai stark gesunken

Für eine deutliche Reduzierung der zuvor auffällig starken Kriminalitätsrate in Alsdorf hat der Schulterschluss von Polizei, dem Ordnungs- und Jugendamt und weiteren Behörden aus Sicht der Initiatoren gesorgt. Allein drei bis vier Sondereinsätze pro Woche in Sachen Verkehrskontrolle gehören zur Bilanz.

Mehr als 600 Personen wurden seit Mai an den so genannten Brennpunkten - vor allem im Annapark und am Denkmaplatz - kontrolliert. Acht Ermittlungsverfahren - auch wegen Rauschgiftdelikten - wurden eingeleitet.

Die Festnahme von zwei Autoknackern, 34 und 39 Jahre alt, hatte zur Aufklärung von 50 Autoaufbrüchen im Stadtgebiet geführt.

Positiv sei das Echo seitens der Geschäftsleute. „Der kürzere Draht und die sichtbare Präsenz der beamten wird von den Händlern in der Innenstadt sehr begrüßt”, sagt Polizeihauptkommissar Uwe Tröbs (Bild, Mitte).

Um gut 40 Prozent ist die Zahl der Straftaten seit Mai im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen, sagt Tröbs. „Vor allem im Bereich Bedrohung und Körperverletzung auf offener Straße.”

Auch die sechs Außendienstmitarbeiter des Ordnungsamtes haben deutlich mehr Präsenz auf den Straßen gezeigt. Waren sie 2008 im Schnitt einmal pro Woche im Rahmen der Ordnungspartnerschaft mit der Polizei unterwegs, waren es in den vergangenen Monaten vier Rundgänge wöchentlich.
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