Herzogenrath - Die Netzwelt im Kohlscheider Eurolab: Rückblicke in die Vergangenheit

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Die Netzwelt im Kohlscheider Eurolab: Rückblicke in die Vergangenheit

Von: Johannes Schaffeldt
Letzte Aktualisierung:
Eurolab2016
Interessante Details: Christian Dicken (links) erläutert die LED-Technik, an denen der „duale Student“ zusammen mit anderen im Zuge seiner Ausbildung bei Ericsson arbeitet. Foto: Johannes Schaffeldt

Herzogenrath. Bei einigen kamen Erinnerungen hoch: Im Zechenhaus der Grube Laurweg haben sie vor dem Betriebsende 1960 so manches Mal auf Verwandte gewartet, die unter Tage geschuftet hatten. Heute beherbergt das Haus ein Verwaltungsgebäude der Firma Ericsson. Und sie warten wieder hier, dieses Mal auf den Beginn der Führung im Rahmen der Sommer-Aktion unserer Zeitung.

Angeschlossen hat sich der Heimatverein Kohlscheid, der für das silberne Jubiläum des Ericsson Eurolabs die Geschichte des Geländes dokumentiert hat. Karin Busch erläutert gleich zu Beginn für alle Anwesenden die Dimensionen des alten Geländes und seiner Bergehalden.

Von den riesigen Anlagen ist nicht mehr viel zu sehen. Auf Halde Wilsberg liegt noch Abraum, ein Bahndamm besteht noch und eben das zum Verwaltungsgebäude umgewandelte Zechenhaus.

Aus der Vergangenheit in die Gegenwart und in die Zukunft führte dann Ericsson-Standortleiter Jan-Peter Meyer-Kahlen seine Besucher. Von der Hochindustrialisierung zur Industrie 4.0, dem „Internet der Dinge“, führt der Schritt, von der Schwer- zur High-Tech-Industrie. Seit 1991 befindet sich der schwedische Konzern am Standort Kohlscheid, im gleichen Jahr hat auch Meyer-Kahlen dort begonnen.

Gewandelt hat sich seitdem eine ganze Menge. Im beginnenden neuen Jahrtausend noch war der Konzern noch für seine Mobiltelefone bekannt. Dieses Feld aber ist inzwischen geräumt. „Das können andere besser als wir“, sagt Meyer-Kahlen augenzwinkernd. Stattdessen konzentrieren er und seine Kollegen sich überaus erfolgreich auf die Vermittlungstechnik zwischen Mobilfunkgeräten – ob Telefone oder etwa Module in Fahrzeugen. Rund 40 Prozent des weltweiten Datenverkehrs läuft über Ericsson-Technik, berichtet der Standortleiter stolz.

Schwerpunkte in Kohlscheid sind Forschung, Industriekooperationen und Produktentwicklungen. Geforscht wird etwa an vernetzten Autos. Dabei ist nicht nur das selbsttätig fahrende Auto im Blick der Entwickler, sondern auch Konzepte zur Verkehrssicherheit.

Eine Leserin fragt in Anbetracht des tödlichen Unfalls mit einem Tesla nach, inwiefern ein solches Auto sicher sein könne. „Wenn man so etwas auf den Massenmarkt wirft, muss man Technologien entwickeln, denen man vertrauen können muss“, entgegnet Meyer-Kahlen.

An der Verkehrssicherheit arbeitet unter anderem Ingenieur Tim Lauterbach mit dem Projekt Converge. Einfach gesagt, könnten sich Autofahrer schon bald gegenseitig superschnell vor Falschfahrern, Staus oder Unfallstellen warnen, unterfüttert von Mobilfunkdaten und Daten der Verkehrsüberwachung. Hier kann Technologie – wie in vielen Bereichen – bereits mehr, als der rechtliche Rahmen hergibt. Schon deshalb sei die Expertise von Unternehmen wie Ericsson auch in der Politik gefragt.

Diese riesigen Datenströme laufen über Technik, die sich im Herzstück der Firma befindet, den Netzanlagen. Mit der vorhandenen Technik am Standort könnten 250 Millionen Mobiltelefone verbunden werden. Eine so große Anlage produziert Lärm und Hitze. Bis zu 67 Dezibel laut und über 40 Grad warm könne die Anlage werden, erläutert Ingenieur Edgar Klaes auf eine interessierte Nachfrage hin.

Klaes ist auch für die informationelle Sicherheit mitzuständig, Abwehr von Hackerangriffen aus aller Welt inklusive. Auch während der Führung ist man peinlich genau auf Sicherheit bedacht. Denn in Kohlscheid wird Wissen und Innovation produziert, das ist das Kapital des Standorts.

Für Nachwuchs sorgt auch das MATSE-Programm. Die angehenden Mathematisch-Technischen Software-Entwickler erhalten bei Ericsson eine Ausbildung und an der RWTH einen Bachelorabschluss. Bella Arshad und Christian Dicken etwa. Sie stellen der Besuchergruppe eine LED-Tafel vor, an der sie gerade arbeiten. Auf 64x64 LED-Leuchten erscheinen frei programmierbare Botschaften und Bilder.

Nebenan wurde eine kleine Drohne positioniert. Herbert Kaiser und Karin Busch trauen sich an die Bedienung des künftigen Helfers in Krisengebieten und manövrieren das Fluggerät über einen Spielaufbau. Damit endet der Rundgang, und das Ericsson-Gelände ist nicht mehr ganz „Terra Incognita“. So zumindest fast es Karin Busch zusammen.

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