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Die Mischungs macht‘s im Klösterchen

Von: Markus Bienwald
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Viele Gesichter des Klösterchens: vom interkulturellen Garten und öffentlichen Protestaktionen bis zu Musik und Politik. Foto: Markus Bienwald
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Viele Gesichter des Klösterchens: vom interkulturellen Garten und öffentlichen Protestaktionen bis zu Musik und Politik. Foto: Markus Bienwald
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Viele Gesichter des Klösterchens: vom interkulturellen Garten und öffentlichen Protestaktionen bis zu Musik und Politik. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. Ein marodes Gebäude war es einst, das Klösterchen an der Grenze zwischen Herzogenrath-Mitte und Merkstein. Das war Mitte der 90er Jahre so, aber die Geschichte zeigt viele Facetten des ursprünglich geistigen Gebäudes: 1868 in Thiergarten als klösterliche Niederlassung der „Armen Dienstmägde Christi“ gegründet, zogen dort 1893 Karmeliterinnen aus Echt ein.

Gebaut wurde es als Kranken- und Armenhaus, 1919 wurde ein Schülerheim eingerichtet und 1942 schloss die Seelsorge der „Missionare vom Heiligsten Herzen“ den Kreis der geistigen Sorge.

Doch 1996 kam alles anders für den seit 1965 von der belgischen Armee als Bildungs- und Begegnungsstätte genutzten Bau. Denn vor 20 Jahren übernahm der Förderverein für Arbeit, Umwelt und Kultur in der Region Aachen als Träger den Betrieb. „Am Anfang war das so gut wie eine Zumutung“, versucht sich Wilfried Hammers als einer der Motoren hinter dem heutigen soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ an einer Zustandsbeschreibung bei der Übernahme zur Nutzung des Gebäudes.

Taktische Gründe

Letzteres war im Bestand der Firma Vetrotex, wohl auch aus taktischen Gründen, wenn sich der Landbedarf des mittlerweile nicht mehr existierenden Unternehmens einmal mehren sollte. Doch das ist Geschichte, und das „Klösterchen“ durfte in den vergangenen 20 Jahren viele Geschichten an stadtbildprägender Stelle machen.

Doch der Weg dorthin war steinig, denn nicht nur der physische Bau zeigte Schwächen, auch der kulturelle Überbau in Roda war bis zur Aktivierung des Klösterchens eher einseitig. So beschreiben es zumindest diejenigen Künstler, die bis heute unter gemeinsamem Dach im Stile einer großen Wohngemeinschaft Kunst machen, die von unten kommt, aus dem Bauch kommt und manchmal auch wie ein Stachel im Fleisch sitzen kann.

„Wir sind nach wie vor kein Mainstream“, betont Wilfried Hammers, es geht dem Team vielmehr darum, provokativ zu sein, neben den Spuren, denen die großen Massen folgen.

Neuer Boden

Um das zu erreichen, war aber mehr zu tun, als den Boden im Kloster durch einen neuen zu ersetzen, oder dafür zu sorgen, dass eine frische Heizungsanlage endlich die Dimensionen hatte, wie sie vor Ort gebraucht werden. „Wir haben auch mit den Anliegern Gespräche geführt“, beschreibt Hammers die Anfänge.

Damit handelten sich die soziokulturell Aktiven aber nicht nur offene Türen ein, denn es hatte den Anschein, dass sich die umliegend Wohnenden schon mit dem ruhigen Dasein des langsam verfallenden Gebäudes angefreundet hatten. „Ein kulturelles Zentrum zu installieren, wo Leben herrscht, und es auch mal Geräusche geben kann, schien nicht allen zu gefallen“, schließt Hammers.

Ob die Kultur und die sozialen oder auch politischen Veranstaltungen im Klösterchen allen gefielen, war den Machern von Anfang an eher gleichgültig. Vielmehr wollten sie einen Gegenpol, eine Anlaufstelle für andere Events schaffen, die abseits des städtischen Kulturangebotes und der Angebote vom Kulturverein auf Burg Rode frischen Wind in den städtischen Kalender brachten.

Frischer Wind wurde im Klösterchen auch durch die in zwei Etappen gestaffelte Landesführung möglich. 800.000 Mark, also rund 409.000 Euro, an Fördermitteln halfen enorm dabei, das Zentrum auch zu solch einem werden zu lassen.

Und die Veranstaltungen, die hier seitdem dazu aufriefen, kulturell auch mal die andere Seite zu Wort kommen zu lassen, oder sich politisch kritisch mit dem auseinandersetzten, was aktuell so Sache ist, füllten wie die Künstler, die hier unter einem Dach arbeiten, das Klösterchen mit Leben.

Dafür sorgen auch integrierte Einrichtungen wie „Die Wichtel“ als betreute Spielgruppe für Kinder ab zwölf Monaten, die mit Konzerten, Lesungen, Kabarett und Ausstellungen überaus aktive Kulturarbeit, der Weltladen „Fairwicklung“ oder das stete Bestreben, auch politisch Akzente zu setzen. Einer dieser Akzente, die attac-Gruppe Wurmtal, ist nun auch schon seit 14 Jahren vor Ort.

Nach den Grünen und den Jusos, die hier beide einmal vertreten waren, ist dies aktuell die einzige politisch-demokratisch motivierte Gruppe, die hier angesiedelt ist. „Grundsätzlich stehen wir seit Beginn aber allen demokratischen Parteien und Gruppierungen offen gegenüber“, betont Hammers. In eine Schublade wollen er und das Team der Aktiven, die im Klösterchen das Licht angemacht haben, und nun den Laden am Laufen halten, sowieso nicht stecken lassen.

Vielleicht ist auch das eins der Erfolgsrezepte, mit dem das Klösterchen Jahr für Jahr einen köstlichen Mix aus kritisch-sachlichen, amüsanten, unterhaltsamen und auch helfenden Themen anbietet.

Geringe Fluktuation

Oder vielleicht ist es auch einfach die Offenheit im Hause, die sich auch und immer besonders auch für Menschen gezeigt hat, die auf der Flucht sind, und hier garantiert immer einen Ansprechpartner finden. „Was bleibt, ist eine sehr geringe Fluktuation bei denen, die bei uns aktiv sind“, spricht Hammers die abschließenden Worte zum Geburtstag.

Dass es weitergeht, ist klar, dass es ein mit vielen Überraschungen und einigen Wow-Effekten gespicktes Programm geben wird, auch. Und dass sich die Gesichter hinter dem zum Label gewachsenen soziokulturellen Zentrum Klösterchen weiterentwickeln, auch gerne Neue aufnehmen, die sich für ihre freien, künstlerischen und kritisch-demokratischen Ideale interessieren, ist sowieso keine Frage.

Die Angst, dass ihnen nach 20 Jahren jemand die Kerzen auf der Geburtstagstorte ausbläst, haben die vom Klösterchen sowieso nicht. Dafür haben sie zu viel für die Einrichtung gekämpft, und über zwei Jahrzehnte täglich zu viel Arbeit investiert. Und sehr wahrscheinlich würde sich auch niemand trauen, diesen Pfeiler in der Kulturlandschaft Herzogenraths umstoßen zu wollen.

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