Die Markttangente in Kohlscheid nimmt Form an

Von: Beatrix Oprée
Letzte Aktualisierung:
6655958.jpg
Solch ein Gedränge soll es in Kohlscheid in absehbarer Zeit nicht mehr geben: Denn die Planer möchten unter anderem einen Zweirichtungsverkehr mittelfristig erst jenseits des Marktplatzes zulassen. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Sie soll endlich der große Wurf werden und will von den Entscheidungsträgern daher besonders gründlich überdacht sein: die mittel- bis langfristige städtebauliche Entwicklung des Kohlscheider Zentrums. Den Innenbereich mit Handel und Gewerbe stärken und ergänzen – unter anderem durch gute Parkmöglichkeiten, sinnvolle Fußwegeverbindungen und die Steigerung der Aufenthaltsqualität –, gleichzeitig aber den Durchgangsverkehr fernhalten, lautet die anspruchsvolle Aufgabe für Planer und Politiker.

Zurzeit rollen vor allem über die Südstraße und den Markt respektive über die Weststraße die Verkehre in Richtung Würselen sowie zur Roermonder Straße. Staus sind programmiert, (kauflustige) Fußgänger werden ausgebremst.

„Stadtpark Markt“ lautete schon vor über 20 Jahren ein städtebaulicher Entwurf, der nie zur Rechtskraft kam. Er enthielt bereits die „Markttangente“, die auch als zentrales Element der neuen Pläne die gewünschte Ableitung der Blechlawine bringen soll. Auch der 2004 aufgelegte Masterplan Kohlscheid sieht die Prüfung möglicher Maßnahmen zur Entlastung des Zentrums vor und empfahl mittelfristig sogar, die Kernzone der Südstraße zum verkehrsberuhigten Bereich umzuwandeln. Die räumliche Bündelung von Geschäften sowie „fußläufige Synergien“ haben die Experten seinerzeit schon vorgeschlagen, zudem neue Bebauungsmöglichkeiten im rückwärtigen Bereich. Wichtige flankierende Maßnahme: Parkplätze.

Die stehen auch heute noch bei Geschäftsleuten und Grundstückseignern ganz oben auf der Wunschliste. Ebenso eine neue – nicht durchgängige – Erschließungsstraße für den rückwärtigen Bereich der Südstraße, um weitere Stellplätze zu schaffen, aber auch um die teils sehr kleinen Ladenlokale den Standards heutiger Sortimente anpassen zu können. Eine Verlagerung der Nahversorgung auf den VR-Parkplatz – der Kaiser’s-Markt im Bereich Langenberg gilt als zu schlecht angebunden, um Kundenströme ins Zentrum zu leiten – ist wesentlicher Bestandteil der neuen Pläne. Das 2012 fortgeschriebene Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzept erwartet ebenfalls positive Synergieeffekte für die Gewerbetreibenden durch eine Konzentration der Kernsortimente – Stichwort „Kopplungseinkäufe“.

Einer zusätzlichen Wohnbebauung in zweiter Reihe der Südstraße stehen die Geschäftsleute – im Gegensatz zu einzelnen Grundbesitzern – hingegen skeptisch gegenüber: Vor allem falls eine entlastende Markttangente nicht zeitnah oder eventuell gar nicht realisiert werde, würde zusätzlicher Wohnraum nur weitere Verkehre nach sich ziehen, was letztlich einen deutlichen Wertverlust der vorhandenen Immobilien an Südstraße und Markt zur Folge hätte.

Das Aachener Büro BKR ist mit der Erarbeitung des komplexen Bebauungsplans „Kohlscheid Zentrum-Langenberg“ beauftragt worden. Nun liegen Ergebnisse vor, unter anderem zwei Konzepte für die Verkehrsführung: Variante 1 beschreibt eine „verkehrliche Mischnutzung“, Variante 2 einen mit Ausnahme von ÖPNV und Rad verkehrsfreien Marktplatz. Beide Konzepte basieren auf einer rund 400 Meter langen Entlastungsstraße ausgehend von Südstraße Nr. 73 über den Sportplatz Langenberg und das Kaisers-Grundstück bis zur Oststraße.

Über diese Trasse sollen Markt und Südstraße vom Durchgangsverkehr befreit werden, gleichzeitig die Kernbereiche für den Zielverkehr gut erreichbar bleiben. Die von der Verwaltung favorisierte „verkehrliche Mischnutzung“ (s. Grafik) sieht eine Drehung der Einbahnrichtung in der Südstraße nach Süden vor. Von der Nordstraße kommend werden die Fahrzeuge zur West- und zur Süd- aber nicht mehr über den Markt in Richtung Oststraße fahren können. In der Weststraße soll durchgehend Zweirichtungsverkehr auch in Richtung Markt/Südstraße ermöglicht werden. Der Marktplatz selbst – und damit das geplante Nahversorgungszentrum auf dem VR-Parkplatz – bleibt von der Oststraße aus erreichbar.

„Nichts übers Knie brechen“

Auch wenn der neue Technische Beigeordnete Ragnar Migenda mahnte, in dieser Jahrzehnte alten Thematik „endlich einen Pflock“ einzuschlagen, gab sich der Fachausschuss noch beratungsbedürftig. „Nichts übers Knie brechen“ wollte Dr. Manfred Fleckenstein (SPD). Vor einem Einbahnstraßensystem warnend, mahnte er zu „Ruhe und Bedacht“ bei der Beschlussfassung. Folker Moschel (Grüne), froh dass endlich der ersehnte Anschluss der Oststraße Richtung Roermonder Straße kommen soll, regte einen Arbeitskreis für das Gesamtprojekt an. Und Reimund Billmann (CDU) wünschte sich eine Mikrosimulation der Verkehrsflüsse und votierte für eine gemeinsame Sitzung der Ausschüsse für Umwelt- und Planung sowie Bau und Verkehr, die einmütig beschlossen wurde.

Zudem machte sich der CDU-Fraktionschef Gedanken über die Trasse der Markttangente, die zwei Kreisstraßen verbinden werde und deswegen ebenfalls eine Kreisstraße sein müsste. Da sollte man zwecks Finanzierung doch einmal Kontakt mit der Städteregion aufnehmen …

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert