Herzogenrath - Die letzten Hektar Weizen sind geerntet

Die letzten Hektar Weizen sind geerntet

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
10633637.jpg
Werner Heinen auf den letzten Metern seiner Weizenernte für dieses Jahr. Er ist zufrieden. Foto: V. Müller
10633639.jpg
Ein Blick ins Cockpit: Neben dem Lenkrad ein Joystick und Bildschirme. Foto: V. Müller

Herzogenrath. Der letzte Tag. Es ist fast 30 Grad warm, schwül. Eine dichte Staubwolke legt sich über das Weizenfeld. Vor 30 Jahren hätten Werner Heinen jetzt die Arme gejuckt, seine Augen wären verklebt und seine Kehle wäre trocken gewesen. Seit vierzehn Tagen wäre er jeden Morgen um sieben auf den Mähdrescher gestiegen, hätte erst um 22 Uhr Feierabend gemacht und vielleicht die Hälfte der 180 Hektar geschafft. Eher weniger.

Aber wir schreiben das Jahr 2015. Und so fährt Heinen am frühen Nachmittag auf einer Parzelle in Herzogenrath die letzten Meter des letzten Weizenfeldes für dieses Jahr ab. Draußen fliegen die Spreuteilchen um die Kabine, drinnen steuert der 44-jährige Landwirt bei angenehmen 23 Grad mit einem Joystick die Maschine.

Endspurt überall in der Region: Am Montag standen noch elf Prozent des Weizens auf den Feldern, jetzt müssten auch die letzten Hektar abgeerntet sein. Bilanz: „Der Weizen hat dieses Jahr zwar ein bisschen gelitten, aber die Ernte ist unterm Strich nicht so schlecht ausgefallen, wie von vielen befürchtet“, sagt der Pressesprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen, Bernhard Rüb. Nach dem „sehr guten Ergebnis des vergangenen Jahres“ läge die Messlatte aber auch hoch.

Für Werner Heinen stellt sich das etwas differenzierter dar, je nach Standort. Der elterliche Hof befindet sich in Altmerberen, Baesweiler, durch Zukäufe und Übernahmen aus der Familie bewirtschaftet er gemeinsam mit seinem Vater Hans-Dieter Heinen aber auch Flächen in Dormagen, Brühl, Erkelenz und im Selfkant. 500 Hektar insgesamt. In der Betriebsgröße gehört er damit zum oberen Viertel in der Region. Jahresumsatz: 1,8 Millionen Euro. Neben Getreide bauen die Heinens Kartoffeln, Rotkohl, Johannisbeeren und Zuckerrüben an.

„In den sandigeren Gegenden haben wir in diesem Jahr etwa sieben Tonnen je Hektar Weizen geerntet, in den tiefgründigeren mit mehr Regen – wie hier in Herzogenrath – zehn bis elf Tonnen“, sagt Werner Heinen. Er sei zufrieden. „Richtig gut sind elf Tonnen“, erklärt Werner Heinen. Am Feldesrand stehen zwei Anhänger, Heinens Mitarbeiter warten, dass der Neun-Tonnen-Tank geleert werden muss. Nach einem Drittel der Fläche ist es soweit, es ertönt ein „Bing!“ und auf einem der Bildschirme erscheint „Tank voll“. Heinen fährt neben einen der Anhänger, binnen 90 Sekunden ist das Getreide hineingerauscht. Über eine Kamera sieht der Landwirt auf einem kleinen Bildschirm, ob er richtig zielt. Auch die Motorauslastung oder den Feuchtigkeitsgehalt des Getreides kann er am Bildschirm ablesen. Alles unter 16 Prozent gilt als trocken, 15,5 werden angezeigt. „Letztes Jahr haben wir auch bei 22 Prozent gemäht, da gab es keine drei Tage Trockenwetter“, erzählt Heinen.

Der Weizen wird später auf den Hof gefahren und zwischengelagert, vielleicht steigen die Preise ja noch. „Den Großteil haben wir im Februar schon über Kontrakte als Futterweizen verkauft.“ Da spiele die Qualität keine so große Rolle, das verringere das Risiko.

Insgesamt wird die Ernte laut Landwirtschaftskammer in diesem Jahr nicht allzu schlecht: „Die Wintergerste ist in diesem Jahr sehr gut“, berichtet Rüb, „sogar besser als 2014.“ Den Kartoffeln fehlte dieses Jahr Regen. Und da Kartoffeln zu 80 Prozent aus Wasser bestehen, muss Abstriche machen, wer nicht gewässert hat. Auch die Zuckerrüben sind nicht so prächtig gediehen wie im Vorjahr. Sie werden üblicherweise spät gesät und „in ihrer Jugendphase fehlte auch ihnen Wasser“, so Rüb. Die Pflanzen vertrügen zwar viel Sonne – je mehr Sonne, desto höher der Zuckergehalt – aber dafür fällt die Ertragsmenge in diesem Jahr etwas geringer aus. Laut Fritz Nelles vom Landwirtschaftlichen Informationsdienst Zückerrübe (LIZ) haben Proberodungen Folgendes ergeben: Im Fünf-Jahres-Vergleich liegt die Menge etwa sieben Prozent unter dem Durchschnitt. Die Qualität mindere den Verlust aber ab. Wie die Rübenernte für Werner Heinen in diesem Jahr ausfällt, bleibt abzuwarten. Die Ernte beginnt erst am 20. September.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert