Die Lehrer sollen es jetzt richten

Von: Holger Bubel
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Hausaufgaben, Vokabeln lernen, Uben: Viele Pennäler verbringen bei diesen Anforderungen den Nachmittag am Schreibtisch. Foto: Holger Bubel

Nordkreis. Osterferien! Ganz „Schul-Deutschland” freut sich - rund 3000 Schüler im Nordkreis freuen sich darüber aber ganz besonders. Die so genannten G8-Abiturieneten, das heißt, die Schüler an den fünf Gymnasien in Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Würselen, die nach dem 12. und nicht wie ehemals nach dem 13. Schuljahr die Allgemeine Hochschulreife erlangen.

Der Grund ihrer Begeisterung liegt auf der Hand: Endlich können sie einmal das tun, wozu sie außerhalb der Ferien keine Zeit haben.

Nämlich wegen Unterricht in den Nachmittagsstunden, Lernen für Klassenarbeiten und der Tests in den Nebenfächern - die zweite Fremdsprache gibt es übrigens bereits ab dem sechsten Schuljahr -, Vokabeln lernen... Da bleibt wenig Zeit für außerschulische Aktivitäten und Freunde.

Zwar ist die Gymnasialzeit von Schulministerin Barabara Sommer, wie Schulpflegschaftsvorsitzende am Herzogenrather Gymnasium Gabriele Norget konstatiert, im „Hauruck-Verfahren” um ein Jahr reduziert worden, doch Lehrer und Schüler sind angehalten, das gleiche Lernpensum auch in verkürzter Zeit zu absolvieren.

Sieht man Fußball spielende Kinder auf dem Bolzplatz zu „normalen” Zeiten in den Nachmittagsstunden, weiß man jedenfalls: Das können keine Gymnasiasten sein. Denn die sitzen zu Hause am Schreibtisch.

Auch Barbara Sommer hat dies jüngst erkannt und klagt weniger Hausaufgaben bei den Gymnasiallehrern für „ihre Schützlinge” ein. „Es ist Aufgabe der Lehrer, die Belastung der Schüler zu begrenzen”, verlautbarte die Ministerin vergangene Woche und kommt damit einer Forderung der Landeselternschaft an Gymnasien entgegen.

Damit schiebt die Ministerin den Schwarzen Peter den Pädagogen zu. Geforderte Absprachen zwischen den Lehrern zum Umfang über die häusliche Arbeit mit einem Verweis über die zu erwartende Dauer der Aufgaben, darin sieht Barbara Sommer ein probates Mittel zur Eindämmung der Überforderungsgefahr.

„Machen wir doch, soweit das möglich ist”, sagen die Lehrer und halten sich als MRW-Beamte freilich zurück mit Kritik an der Chefin in Düsseldorf.

Gabriele Norget tut das allerdings nicht: „Barbara Sommer handelt, bevor sie denkt. Sie macht was und wundert sich dann über die Folgen ihres Handelns.”

Obgleich sie einräumt, dass ihr seitens der Elternschaft noch keine Klagen über eine Überforderung wegen der Hausaufgaben zu Ohren gekommen sei.

„Schüler, die gut im Unterricht zurecht kommen, erledigen wohl auch ihre Hausaufgaben zügig. Schwächere, überforderte Schüler, die vielleicht nur auf Drängen der Eltern ein Gymnasium besuchen, haben bei den Aufgaben eher Probleme”, lautet ihr Wissensstand aus Gesprächen mit Eltern.

Ob aus mangelnder Qualifikation oder Überlastung durch ein zu hohes Arbeitspensum, die Folgen haben die Kinder auch gesundheitlich zu tragen: „Psychosomatische Beschwerden bei Kindern und Jugendlichen haben seit ein paar Jahren nachweislich zugenommen”, mahnt der Würselener Kinder- und Jugendarzt Dr. Claus Balz-Hermann.

Den Grund dafür sieht er nicht nur, aber maßgeblich, in den Schulanforderungen: „Wenn Kinder, die ein Gymnasium besuchen nach Hause kommen, haben sie acht Stunden hinter sich gebracht. Das macht 40 Stunden in der Woche - ohne Zeit für Hausaufgaben, Vokabeln lernen oder Üben. Jeder Arbeitnehmer würde gegen eine solche Belastung aufbegehren”, sagt der Mediziner.

„Viele Kinder reagieren auf den Druck - der beginnt breits in der Grundschule mit dem Kampf um die Plätze für die weiterführenden Schulen - mit Kopf und Bauchschmerzen, die sie wiederum am Schulbesuch hindern.

Die Folge: Noch mehr lernen, um aufzuholen, noch mehr Stress...” Zumindest in den kommenden zwei Wochen können die Schüler durchatmen - wenn sie nicht durch Krankheit versäumten Unterrichtsstoff aufholen müssen...
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