Die Imker-AG: Honig aus dem Bio-Garten

Von: Elisa Zander
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Wabe für Wabe: Die Kontrolle
Wabe für Wabe: Die Kontrolle der einzelnen Rahmen ist wichtig, um festzustellen, welche Platten bereits mit Honig gefüllt sind oder wo Larven noch schlüpfen müssen. Foto: Elisa Zander

Würselen. Die weißen Schutzjacken sind schon zur Normalität geworden. Es gibt kein Gelächter wegen der dazugehörigen Hüte mit Sichtschutz und schon gar nicht wegen der Handschuhe. Vielmehr keimt eine Diskussion auf, wer der Gruppenmitglieder nun den „Smoker” betätigen darf.

Das kleine Gerät ist wie Tobias Schreiber, Lehrer am Heilig-Geist-Gymnasium (HGG), erklärt, „eines der wichtigsten Werkzeuge eines Imkers”. Schließlich werden die Bienen, die mit dem ausströmenden Rauch beräuchert werden, nahezu friedlich ruhig. Tobias Schreiber leitet gemeinsam mit seinem Kollegen Timo Ohrndorf die Imker-AG am HGG. 17 Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen fünf bis acht sind mit großem Interesse dabei, wenn es jeden Mittwoch in den Bio-Garten der Schule geht. Dort stehen sechs Bienenstöcke; in kleinen Teams ist jede Gruppe für „ihr Volk” verantwortlich.

Honigernte im Mai und Juni

Seit Beginn des laufenden Schuljahres wird die Imker-AG am HGG angeboten. Im Zuge des Ganztagsunterrichts und dem Ausbau des Schulprofils bemühen sich die Lehrer um ein breites AG-Angebot. Für Tobias Schreiber, selbst seit vier Jahren Imker, war die Themenwahl sofort klar, ein interessierter Kollege war mit Timo Ohrndorf schnell gefunden. „In dieser veränderten Arbeitsatmosphäre kann man pädagogisch vielschichtig arbeiten”, sagt Tobias Schreiber und verweist auf die sich so ergebende ganzheitliche Bildung. Die Natur beobachten und mit ihr arbeiten eröffnet neue Perspektiven. „Die Schüler lernen hier den Wert der eigenen Arbeit schätzen”, erklärt Schreiber. Schließlich steht nach der anfänglichen Theorie mittlerweile die Pflege und Fürsorge der vielen Bienen. Und dazu gehört am Ende auch das Gewinnen des Honigs.

Den haben alle AG-Mitglieder schon einmal frisch probiert: Einige Waben waren über den Rahmen von den Arbeiterbienen gebaut worden und mussten entfernt werden. Den sich darin befindlichen Honig haben die Tierliebhaber einfach ausgesaugt. „Sehr lecker”, erinnert sich Lukas und leckt sich bei dem Gedanken an den süßen Sirup über die Lippen.

Ein ganzes Glas Honig hat die AG bislang noch nicht zusammenbekommen. Doch bei den Honigernten im Mai und Juni schätzt Tobias Schreiber einen großen Ertrag. Der wird dann zum Großteil bei Schulveranstaltungen verkauft, um so die AG-Kasse aufzubessern und gegebenenfalls weitere Imker-Utensilien anzuschaffen.

Einige Teile der Ausrüstung hat die AG vom Bienenzuchtverein Bardenberg-Alsdorf erhalten. Der Vorsitzende Herbert Gerhards engagiert sich seit der Gründung der Gruppe für die Teilnehmer und hilft wöchentlich bei den Treffen vor Ort mit. „Er weiß total viel und gibt und tolle Tipps zum Umgang mit den Bienen”, erzählt Anna.

Dazu gehört auch der Schutz der Tiere. Denn der Bestand der Wildbienen ist seit dem Varroamilben-Befall 1983 artengefährdet. Bis heute hat sich das Problem gehalten. Fliegt einem Imker ein Bienenschwarm weg und kommt nicht zurück, sondern nistet sich in einen Baum ein, ist die Gefahr groß, dass die Tiere den Winter nicht überleben. Mit verschiedenen Methoden versuchen die Imker nun, die Tiere bei sich zu halten. „Aber man kann einer Biene schließlich nicht vorschreiben wann und wohin sie fliegen soll”, lenkt Tobias Schreiber ein.

Silberstreif am Horizont

Doch dass der Artenschutz notwendig ist, ist unbestritten. Denn abgesehen davon, dass die wohl bekannteste unter ihnen, die Honigbiene, uns den goldenen Sirup liefert, bestäuben sie und ihre etwa 100 Arten-Kollegen Blumen und Pflanzen. Doch so wie der natürliche Lebensraum der Tiere mehr und mehr verschwindet, geht auch die Zahl der Imker zurück.

Einen Silberstreifen am Horizont sieht Tobias Schreiber trotz alledem. Und natürlich sind auch die 17 jungen Nachwuchsimker der AG ein Hoffnungsträger. Einige von ihnen sind so begeistert von der Arbeit mit den Bienen, dass sie auch zu Hause gerne einen Bienenstock hätten. „Wir merkten, dass das Interesse groß ist, aber das gleich solche Wünsche geäußert werden, damit haben wir nicht gerechnet”, sagt Tobias Schreiber. Doch eine leere Floskel der Kinder scheint es nicht zu sein, denn bei einigen werden zu Hause schon die Optionen diskutiert.
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