Alsdorf - Die Grünen: „Die Bürger sollen mehr Einfluss nehmen können“

Die Grünen: „Die Bürger sollen mehr Einfluss nehmen können“

Von: Holger Bubel
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Bereit fürs Bürgermeisteramt: Grünen-Kandidat Horst-Dieter Heidenreich. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Mit Horst-Dieter Heidenreich haben Bündnis 90/Die Grünen als dritte Partei hinter SPD und Die Linke einen Kandidaten zur Bürgermeisterwahl aufgestellt. Mit dem 56-jährigen Geisteswissenschaftler (Germanistik und Politik), der seit 1992 im Düsseldorfer Landtag arbeitet, hat man dabei ein Urgestein grüner Politik in Alsdorf aufgestellt. Horst-Dieter Heidenreich ist Gründungsmitglied der Alsdorfer Grünen und seit 30 Jahren Mitglied im Alsdorfer Stadtrat. Er kritisiert die Amtsführung des vermeintlichen Favoriten und setzt selbst auf Umweltpolitik, Transparenz und Bürgerbeteiligung.

Man hatte lange Zeit, den Eindruck, keiner wagt es, gegen den Amtsinhaber anzutreten. Wie kommt es, dass Sie es sich zutrauen, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren?

Heidenreich: Es gehört zu meinem Demokratieverständnis, dass es bei einer Wahl nicht nur einen Kandidaten gibt. Und wir Grünen sind stark genug, auch einen Bewerber um das Amt zu stellen. Auch wenn ich bei der Wahl eine Außenseiterrolle einnehme. Dessen bin ich mir durchaus bewusst.

Sie kandidieren also aus freien Stücken und nicht, weil die Partei Sie bedrängt hat?

Heidenreich: Nein, man hat mich nicht gezwungen, falls Sie das meinen. Ich habe lange darüber nachgedacht. Letztendlich wollte ich Alfred Sonders nicht alleine das Feld überlassen. Und eine absolute SPD-Mehrheit im Stadtrat zu verhindern, ist unser gemeinsames grünes Ziel. Ich kann mich noch gut an die Arroganz der Macht in den 1980er Jahren erinnern. Noch mal sowas, das wäre fatal. Wir Grüne sind da selbstbewusst genug, uns zu positionieren. Das haben wir im Übrigen auch als starke Opposition in den vergangenen fünf Jahren getan. Man kann wohl mit Fug und Recht sagen, dass wir da ein Aktivposten waren.

Noch mal kurz zum Amtsinhaber: Von vielen bekommt Alfred Sonders ja Lob. Sie sehen das anders?

Heidenreich: Er ist engagiert in seinem Amt, aber es gibt durchaus Kritikpunkte an seiner Arbeit. Seit er Bürgermeister ist, verliert der Rat an Bedeutung, viele wichtige Entscheidungen sind zu Angelegenheiten der laufenden Verwaltung geworden. Als Macher kommt er gut an, die Leute sind beeindruckt – aber von ihm initiierte Entscheidungsprozesse könnten demokratischer verlaufen.

Können Sie das konkretisieren?

Heidenreich: Viele Vorhaben sind längst intern abgesprochen, bevor sie in die Ausschüsse oder in den Rat kommen. Ein Beispiel: das Gelände des VabW in Ofden. Die Folgenutzung war längst in der Hinterhand, die Bürgerbeteiligung nur pro forma und auf ein Minimum beschränkt. Immer mehr Bauvorhaben werden im beschleunigten Verfahren durchgezogen, auch wenn strittige Dinge enthalten sind. Ich formuliere es mal so: Alfred Sonders interpretiert seine Zuständigkeit sehr weitgehend.

Bebauung ist ein heikles Thema in Alsdorf...

Heidenreich: Ja, den starken Flächenverbrauch muss man reduzieren. Baugebiete in Alsdorf werden doch oft ausgewiesen nach dem Motto: Wenn ein Investor kommt, rollen – überspitzt gesagt – auch schon bald die Bagger an. Alfred Sonders und die Verwaltung machen es möglich. Dabei ist Alsdorf bereits dicht besiedelt. Ein Beispiel: In Alsdorf gibt es 1463 Einwohner pro Quadratkilometer, in Würselen sind es 1088, in Baesweiler 952 und in Stolberg gar nur 569 Einwohner. Für eine lebenswerte Stadt müssen auch Freiflächen erhalten bleiben.

Mal genug vom Amtsinhaber, mehr vom Herausforderer. Was würden Sie denn anders machen?

Heidenreich: Vor allen Dingen würde ich mehr Transparenz bei politischen Entscheidungen herstellen. Die Bürger würden mehr in die Verfahrensprozesse einbezogen, zum Beispiel indem sie der Rat bei wichtigen Beschlüssen durch einen Ratsbürgerentscheid beteiligt. Und der Rat würde nicht nur zum Abnicken der von der Verwaltung angefertigten Vorlagen fungieren, sondern wieder mehr Mitsprache ausüben.

Wie sähe eine politische Partizipation der Bürger noch aus?

Heidenreich: Die Bürger könnten zum Beispiel Einfluss über die städtische Homepage nehmen. „Open Government“ nennt man das und wird in größeren Städten auch schon praktiziert. Dort können konkrete Vorschläge in die Politik eingebracht werden. Damit die Bürger wissen, was im Rat passiert, finde ich die Idee eines Live- streams aus Ausschuss- oder Ratssitzungen nach wie vor gut.

Kommen wir mal zu einem der Kernthemen grüner Politik. Welche Ideen haben Sie da für Alsdorf?

Heidenreich: Wir haben ja jetzt auch das lange geforderte Klimaschutzkonzept von der Städteregion in Alsdorf vorliegen. Da sind schon viele gute Ansätze dabei. Im Rathaus und in öffentlichen Gebäuden muss noch viel mehr getan werden. Die Holzhackschnitzelanlage zum Beispiel wurde in der schwarz-grünen Regierungszeit 1998 installiert. Die Folge: 80 Prozent Energieeinsparung im Hallenbad. Und jetzt? Bei der Grundschule Anna, der Sanierung des Rathauses wurde der Weg zurück zur Gastherme genommen. Bei den erneuerbaren Energien muss man ansetzen, städtische Dächer müssen zur Photovoltaik-Installation und geeignete Flächen am Stadtrand für Windenergie genutzt werden. So stelle ich mir eine vernünftige Energiepolitik für Alsdorf vor.

Sie waren grüner Wortführer gegen den Kubiz-Bau. Haben zuletzt aber auch gesagt, dass Sie dieses Bauvorhaben nicht mehr torpedieren, sondern kritisch begleiten wollen.

Heidenreich: Torpediert haben wir Grünen nicht, wünschten nur eine andere Lösung für Gymnasium und Realschule. Zwar bin ich nach wie vor gegen das Kubiz. Aber der „Point of no return“ scheint wohl überschritten. Dieser Bau wird eine enorme Belastung für Alsdorf. Aus den avisierten 40 Millionen werden meiner Befürchtung nach doch eher 50 Millionen Euro. Das werden wir kritisch begleiten. Andere Schulen dürfen unter dem Kubiz nicht leiden.

Welche Ideen haben Sie für die Innenstadt? Da liegt doch noch einiges im Argen, der jetzige Bürgermeister will sie auch attraktiver machen.

Heidenreich: Wir brauchen da mehr Aufenthaltsqualität. Es gibt zu wenige ruhige Bereiche. Ich könnte mir gut eine Fußgängerzone zwischen Kaufland und Denkmalplatz vorstellen. Beim Frühlingsfest oder dem Europafest geht das doch auch. Es wäre einen Versuch wert. Hinzu kommt auch eine Verstärkung des Präsenzdienstes in der Stadt. Wir müssen Angsträume weiter abbauen. Ich weiß, das kostet auch mehr Geld, aber das müssen wir im Interesse der Sicherheit gestemmt bekommen. Mehr Jugend- und Kulturangebote sowie zusätzliche Gastronomie im Bereich Annapark schweben mir auch vor.

Und außerorts?

Heidenreich: Auch in den Stadtteilen sollte man wichtige Grünflächen erhalten und nicht zubauen. Ich werde alles dafür tun, dass etwa das Grünkreuz in Ofen erhalten bleibt. An einer verbesserten Infrastruktur und Busanbindung der Stadtteile an den Bus-/Bahnhof in Mitte führt kein Weg vorbei. Da würde ich als Bürgermeister ebenfalls ansetzen.

Sie hätten also eine Menge vor für Alsdorf. Hätten Sie auch einen persönlichen Herzenswunsch?

Heidenreich: Ja, und der ist auch allgemein bekannt. Als Bürgermeister würde ich alles dafür tun, dass das Naturfreibad Alsdorfer Weiher wieder eröffnet wird, zumindest das Baden auf eigene Gefahr in einem Teilbereich.

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