Die Gehwege bleiben auf der Strecke

Von: Christoph Classen
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Gewohntes Bild: Der Winter lässt die Autofahrer zusammenrücken. Foto: C. Classen

Nordkreis. Die Situation scheint festgefahren: Während in den Nordkreis-Kommunen wie berichtet das Streusalz knapp wird, bleiben die Lkw, die das begehrte Gut anliefern sollen, reihenweise auf der Strecke. Grund ist ein Fahrverbot, das bis Montagmittag auf den Autobahnen im Regierungsbezirk galt.

Damit die Lkw wieder fahren dürfen, müsste der Untergrund weniger glatt sein. Aber dafür wird Streusalz benötigt, und das liegt in den Lkw, die ihre Fahrt derzeit nicht fortsetzen dürfen...

In Herzogenrath wird das bisschen Streusalz, das noch auf Lager ist, für die vielen Gefällestrecken verwendet. „Auf den anderen Straßen schieben wir den Schnee”, sagt Markus Schlösser, Leiter des Fachbereichs Bau- und Betrieb. Das gelte auch im Falle der Geh- und Radwege, für die außerhalb der Ortsgrenzen ohnehin der Landesbetrieb Straßen.NRW zuständig sei. „Auch dort ist man froh, wenn man erstmal die Straßen frei bekommt”, sagt Schlösser.

In Baesweiler, wo wegen dahinschmelzender Streusalzvorräte jetzt vermehrt Granulat zum Einsatz kommen wird, sieht es ähnlich aus. Mit Blick auf die Geh- und Radwege sagt der Erste und Technische Beigeordnete Peter Strauch: „Da muss man ein bisschen Geduld haben.” Die Prioritäten seien eben andere.

Und sie werden im gesamten Nordkreis gleich gesetzt. Zuerst nehmen sich die Winterdienste der Hauptverkehrsadern an, bevor es auf die Straßen geht, die im jeweiligen Streuplan verzeichnet sind. Dort finde sich aber nicht des gesamte Verkehrsnetz einer Kommune, betont Josef Beckers, bei den Technischen Diensten in Alsdorf zuständig für den Bauhof. Zumal allein die wichtigsten Straßen derzeit eine Herausforderung seien. „Wir schieben zwar ständig, aber wir bekommen den Schnee nicht komplett weg”, sagt Beckers.

Franz-Josef Mahr, Leiter der kommunalen Dienstleistungsbetriebe in Würselen, hebt hervor dass sich seine Mannschaft keineswegs nur um die Kaiserstraße kümmere. Es seien vielmehr die Achsen Bardenberg-Verlautenheide, Mariadorf-Aachen und Birk-Aachen, die bei ihm ganz oben in der Prioritätenliste stünden - neben den Zufahrten zu Krankenhäusern und Feuerwachen.

„Aber”, sagt Mahr, „wir hätten die Straße auch trocken blasen können, und es hätte sich trotzdem Richtung Aachen gestaut.” Bei der Kombination aus großem Auto-Aufkommen und vorsichtiger Fahrweise könne niemand für stetigen Verkehrsfluss sorgen.

Hausmeister in der Pflicht

Was die Bürgersteige angeht, bittet Mahr um Verständnis, dass „wir derzeit nicht in der Lage sind, um sieben Uhr früh alles geräumt zu haben.” Zumal für den Winterdienst - genau wie für den Bürger - gelte, dass erst mit der Arbeit begonnen werden muss, sobald der Schneefall aufgehört hat. Und öffentliche Gebäude, etwa Schulen, fielen in den Verantwortungsbereich des jeweiligen Hausmeisters. Generell schätzt Mahr die Lage auf den Straße als „nicht sehr problematisch” an. Für die Strecke Kohlscheid-Würselen habe er 20 Minuten gebraucht. Das sei im Rahmen.

Eine Autofahrerin hatte am Morgen weniger Glück. Sie blieb auf der L240 bei Hoengen mit ihrem BMW liegen, berichtete die Polizei am Montag. Die Frau sicherte den Wagen mit einem Warndreieck - bis ein Autofahrer an der Stelle anhielt, die Fahrertür öffnete und das Warndreieck dreist klaute. Der Frau rief er im Vorbeifahren zu: „Bringt eh nix!” Sie war so verdattert, dass sie vergaß, sich das Kennzeichen des Flüchtigen (Mercedes) zu merken.

Neben diesem Vorfall blieb es auf den Straßen ruhig. Bis Montagnachmittag gab es fünf Unfälle im Nordkreis, niemand wurde verletzt. „Die Leute fahren früher los und langsamer”, lobt Paul Kemen, Sprecher der Polizei Aachen.

Zumindest solange sie noch fahren können. Als Franz-Josef Mahr ein Einsatzfahrzeug auftanken wollte, wurde er darüber aufgeklärt, dass man mit Diesel derzeit nicht dienen könne. Die Lieferung war nicht eingetroffen. Sollte das so weitergehen, ist die Situation wohl endgültig festgefahren.
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