Die Euregiobahn rollt bald wieder!

Von: Karl Stüber
Letzte Aktualisierung:
Ungewöhnlich: Aus Richtung Ti
Ungewöhnlich: Aus Richtung Tierpark bzw. Würselen kommend, heißt es für Autofahrer am Kreisel am Annagelände „Vorfahrt gewähren”. So soll Rückstau vermieden werden, um den Bahnübergang frei zu halten.

Alsdorf. Schienen bis zu einer Länge von 120 Metern wurden in den letzten Tagen im Stadtgebiet von Alsdorf verlegt. Das ist ungewöhnlich, sagt Thomas Fürpeil, Geschäftsführer der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH (EVS). Normalerweise wird das schlanke Metall in 30 bis 50 Meter langen Stücken eingebaut.

Das würde aber entsprechend umfangreiche Verlege- und Schweißarbeiten nach sich ziehen. Mit Rücksicht auf die Bevölkerung lautet die Formel zwischen der bisherigen Endstation der Euregiobahn am Annagelände und dem Ausbau bis Mariadorf: lange Schienen, weniger Schweißen.

Lärm reduzieren

Der Laie mag sich wundern. Warum werden die bereits verbauten Schienen durch andere ersetzt? Antwort: Im Zuge der Streckensanierung leisteten diese alten, verschlissenen Metallschienen ihren letzten wertvollen Dienst. Beim Verlegen von neuen Beton- und Holzschwellen, dem Schottern und Verdichten der Unterfütterung (Stopfen) haben sie ihre letzten Macken bekommen. Nun, zum Ende der Gleisbauarbeiten, halten ihre Nachfolger schadlose Einkehr, auf dass die Räder der Bahn leise surren und nicht rumpeln.

An den Bahnübergängen wurden sogenannte Strail-Platten eingebaut, um Erschütterungen und Lärm zu reduzieren, so zum Beispiel an der Schopenhauer Straße. Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung schauten sich jetzt am neu gestalteten Übergang nebst Kreisverkehr an der Bahnhofstraße um. Dort wird zum Fahrplanwechsel am 11. Dezember die Euregiobahn erstmals mit regulären Passagieren bis zum nächsten vorläufigen Endpunkt Poststraße rollen.

„Etwas Zeitverzug besteht. Aber die Inbetriebnahme erfolgt dann”, ist Fürpeil zuversichtlich. Schon vorher sollen Testzüge rollen, unter anderem, um die Zugführer an den neuen Streckenabschnitt bis Mariadorf zu gewöhnen. Dann wird sich auch zeigen, ob die kühne Konstruktion des Kreisverkehrs dort angesichts des fahrplanmäßigen Bahnverkehrs hält, was er verspricht. Ein bis dahin installiertes Scan-System soll jedenfalls dafür sorgen, dass auf Rückstau beim Autoverkehr Rücksicht genommen wird, wie zu hören war.

Die Bevölkerung wird sich an die reaktivierte Strecke erst noch gewöhnen müssen. Diese Phase ist sicherlich nicht unproblematisch oder gar ungefährlich. Deshalb kündigte Fürpeil eine Aufklärungskampagne an. Die „Rote Karte” soll gezeigt werden - im positiven Sinne, etwa durch eine Flugblattaktion. In Schulen ist eine Aufklärungskampagne für Kinder und Jugendliche angelaufen, um sie in ihrem Verhalten zu sensibilisieren. So geht es um den Schulweg und das Kreuzen der Bahnlinie, aber auch um das Freizeitverhalten. Spielen am Gleis und Treffen am Bahndamm sind nicht mehr angesagt.

Erste Graffiti

Die Jugend scheint die Aktivitäten der EVS unter einem ganz anderen Aspekt interessant zu finden. Auf den frisch gegossenen Betonflächen sind bereits erste Graffiti zu sehen, über deren Ästhetik sicherlich zu streiten ist. So etwa an den in Bau befindlichen Haltestellen. Peter Steingass (CDU) regte an, den Sprühdrang in sinnvolle Bahnen zu lenken und Graffiti-Künstlern hochoffiziell zu gestatten, die magisch anziehenden Flächen zu gestalten.

EVS-Geschäftsführer Fürpeil steht dem offenbar grundsätzlich offen gegenüber. Positive Erfahrungen habe die EVS zum Beispiel im Bereich Langerwehe gemacht. Dort habe man sogar die Farbe für die Aktion gestellt. Die so gestalteten Flächen seien von anderen Sprayern respektiert worden. „Wir würden uns dem im Rahmen auch hier stellen”, sagte Fürpeil zu.

Ausschussvorsitzender und stellvertretender Bürgermeister Heinrich Plum (SPD) fasste mit Blick auf die Belastungen für die Bevölkerung im Zuge der Streckensanierung zusammen: „Für eine so große Baumaßnahme ist es gut gelaufen. Aber alle sind froh, wenn wir damit durch sind.” Ein Jahr später soll die Lücke bis Stolberg geschlossen sein. Die dafür notwendigen Bauarbeiten dürften Alsdorf und seine Bevölkerung nicht mehr stark belasten, weil bereits jetzt schon die Strecke über den Haltepunkt Poststraße hinaus und über die Autobahnbrücke hinweg ein Stück Richtung Stolberg ertüchtigt worden ist.

Dämmen, wo Straßeauf Schiene trifft

Strail-Bahnübergangs- und Gleisdämmsysteme sind überwiegend aus Recyclingmaterial hergestellte, gummibasierte Produktsysteme. Die Bahnübergangssysteme sollen für ungehindertes und sicheres Befahren und Begehen überall dort sorgen, wo Straße auf Schiene trifft. Gleisdämmsysteme sorgen für die geräusch- und wartungsarme Einbettung von Bahnschienen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert