Würselen - „Die Deutschen und ihre Nachbarn“: Mit den üblichen Klischees aufgeräumt

„Die Deutschen und ihre Nachbarn“: Mit den üblichen Klischees aufgeräumt

Von: ehg
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Würselen. In der Reihe „Die Deutschen und ihre Nachbarn“ hat sich der Geschichtskreis St. Sebastian in Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft (DFG) mit Frankreich beschäftigt.

Unter dem Titel „Unsere Vorfahren – die Gallier“ räumte deren Vorsitzende Ellen-Thielen-Vafaie, die in der französischen Geschichte genauso belesen ist wie in der deutschen, jetzt in einem 60-minütigen profunden Vortrag mit vorherrschenden Klischees auf. Sie bediente sich dabei neuerer wissenschaftlicher Untersuchungen französischer Historiker. Den historischen Bogen spannte sie von der Zeit vor Christi Geburt bis zum Krieg 1870/71. In einer gesonderten Veranstaltung wird sie noch die Neuzeit mit ihren kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Deutschland und Frankreich bearbeiten.

Wie Thielen-Vafaie darlegte, handelt es sich bei dem Wort Gallier um eine übergreifende Bezeichnung für die keltischen Stämme, die sich vor der Zeitenwende schon vornehmlich auf französischem Boden, aber auch bis Belgien und den Niederlanden sowie im Rheinland niedergelassen hatten. Ihre Herkunft leiteten sie von einem unbekannten Gott der Fülle und des Totenreiches ab. Nach dem gallischen Krieg (58 – 51 v. Chr.) durch Julius Caesar wurden drei Gruppen von Galliern unterschieden.

Die Franzosen hätten lange Zeit die Gallier als ihre Vorfahren reklamiert, wobei die anderen Völker, die in Frankreich kulturelle Denkmäler hinterlassen haben, unter den Tisch gefallen seien. Dann machte die Referentin einen Sprung ins Vormittelalter. Den aus dem Geschlecht der Merowinger stammenden Clodwig feierten die Franzosen als ihren ersten König. Dabei habe er germanischen Dialekt gesprochen, und sein Onkel habe in Köln residiert. Er unterwarf alle fränkischen und auch andere germanische Stämme und machte Paris zur Hauptstadt. Die Weichen für den Verlauf der mittelalterlichen Geschichte seien dadurch gestellt worden, dass Clodwig zum Katholizismus übergetreten sei.

Wie Thielen-Vafaie bei ihren Recherchen herausfand, sei es gar nicht so einfach, mit der französischen Geschichte. Im 100-jährigen Krieg habe es zwei Könige und nur einen Thron gegeben. Es sei eine Zeit gewesen, wo ein Waffengang auf den anderen gefolgt sei. Die Kirche sei gerade neu errichtet gewesen, da sei sie durch den nachfolgenden Religionskrieg schon wieder zerstört worden. Erst Ludwig XIV. habe die Monarchie gefestigt. Er entmachtete den Adel. Die Minister durften ihn beraten, entscheiden aber tat er, der absolute Herrscher. Dass unter ihm über 200.000 Hugenotten das Land verlassen haben, sei eine ökonomische Katastrophe gewesen. Ein großer Schatten falle daher auf den glanzvollen König, so die Referentin.

Für den Sprecher des Geschichtskreises, Hubert Wickerath, habe sich die Vortragende der Herausforderung gestellt, die Geschichte Frankreichs darzustellen, was so schwierig sei, wie aus einem Quadrat einen Kreis zu machen. Dafür erntete sie viel Lob und Anerkennung bei ihren interessierten Zuhörern.

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