Die Broichweidener Feuerwehr setzt auf den Nachwuchs

Von: Stefan Schaum
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Da müssen wir noch reinwachsen! Die Uniform-Jacken der Großen sind den Löschzwergen viel zu weit. Aber Spaß wird die Gruppe ihnen machen. Löschzugführer Ralf Jüsgens und die beiden Betreuerinnen Sarah Feilhaber und Stefanie Wertz (hinten, v.l.) freuen sich darauf. Foto: Stefan Schaum

Würselen. Jetzt kommen die Knirpse! Mit einer Gruppe für „Löschzwerge“ startet der Broichweidener Löschzug in wenigen Wochen. Dann können bereits Sechsjährige in die Arbeit der Feuerwehr hineinschnuppern und sich ihr spielerisch nähern. Über das neue Konzept spricht Löschzugführer Ralf Jüsgens im Wochen-end-Interview.

 

Vom Kindergarten in die Feuerwehr – Sie schrauben das Eintrittsalter aber kräftig herunter.

Jüsgens: Da sind wir nicht die ersten. In anderen Bundesländern wie Bayern, Rheinland-Pfalz und Hessen haben Kollegen das bereits gemacht.

Und deren Erfahrungen?

Jüsgens: Sind sehr gut, wie wir hören. Dass die Nachfrage da ist, haben wir auch hier bei uns schon häufig festgestellt. Im Rahmen der Brandschutzerziehung sind wir ohnehin in den Kindergärten aktiv. Und da kommen oft Kinder auf uns zu und wollen wissen, wie sie mitmachen können. Bislang mussten wir immer sagen: Tut uns leid, aber in die Jugendfeuerwehr kann man erst ab zehn Jahren eintreten. Da waren viele richtig enttäuscht.

Warum eigentlich erst ab zehn?

Jüsgens: Das hängt mit dem Versicherungsschutz zusammen. Bislang steht die Feuerwehr auf drei Säulen: Jugendfeuerwehr, Aktive Wehr und Ehrenabteilung. Ab kommendem Jahr tritt das neue Brand-, Hilfeleistungs- und Katastrophenschutz-Gesetz in Kraft. Das macht es möglich, auch jüngere Kinder aufzunehmen.

So lange wollen Sie nicht warten?

Jüsgens: Wir fangen jetzt schon an, die Gruppe auf den Weg zu bringen. In diesem Altersbereich sind wir die ersten in der Städteregion.

Und die anderen werden schauen, wie es bei Ihnen läuft.

Jüsgens: Kann gut sein. Das Modell ist sicher eins, das viele Kollegen interessieren wird.

Weil man die Jugend immer früher abholen muss, um sie für die Feuerwehr zu begeistern?

Jüsgens: Es kann sicher nicht schaden. Man muss ja sehen, dass Kinder heute oft länger in der Schule sind. Wenn sie sich dann auch bereits in anderen Vereinen engagieren, fehlt später vielleicht einfach die Zeit, auch noch in der Feuerwehr aktiv zu werden.

Machen Ihnen längere Zeiten in den Ganztagsschulen denn zu schaffen?

Jüsgens: Wir spüren schon, dass es zeitlich bei einigen Kindern eng ist. Mancher hat auch schon mal ein paar Monate pausiert, wenn in der Schule gerade zu viel Lernstoff anstand. Aber ausgetreten ist zum Glück noch niemand.

Wie viele bleiben denn bei der Stange und wechseln von der Jugendfeuerwehr in die aktive Abteilung?

Jüsgens: Viele, gut 70 Prozent, kann man sagen.

Also ist Ihnen noch nicht bange um die Zukunft der Feuerwehr?

Jüsgens: Das nicht. Aber dass wir jetzt die „Löschzwerge“ starten, ist durchaus ein notwendiger Schritt. Wenn wir die Kinder nicht möglichst früh begeistern, holt uns der demografische Wandel irgendwann ab.

Was erwartet die Kinder bei den „Löschzwergen“?

Jüsgens: Wir haben ein Konzept, das sehr pädagogisch und spielerisch ausgerichtet ist. Neben Kollegen und Kolleginnen aus der Feuerwehr ist auch eine Erzieherin mit im Team. Vor allem geht es um Freizeitgestaltung, aber Brandschutzerziehung ist auch immer ein Thema. Wie soll ich mich verhalten, wenn es brennt? Wie setze ich einen Notruf ab? Auch Verkehrserziehung gehört sicher dazu. Daneben planen wir viele Ausflüge.

Und eine Uniform? Gibt‘s die auch im XS-Format?

Jüsgens: Nein, die bekommen die Kinder noch nicht. Wir haben aber Westen und T-Shirts. Auf die Uniform müssen sie quasi hinarbeiten. Die gibt es nämlich, wenn sie bleiben und in die Jugendfeuerwehr wechseln. Das kann durchaus ein Ansporn sein.

Wie ist die erste Resonanz?

Jüsgens: Sehr gut. Nicht nur bei den Kindern. Ich bin überrascht, wie gut das Konzept auch bei Kollegen ankommt. Die sind begeistert und würden am liebsten alle in der Betreuung mitmachen.

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